10.05.2019 - 13:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg nach dem Prügel-Prozess: Stadt plant neue Sicherheitswacht

132 Tage nach der Prügel-Tour vierer junger Asylbewerber am Bahnhof sind die Vorfälle nun abgeurteilt. Wie hat Amberg die Geschehnisse und das gewaltige Medienecho aufgearbeitet? Oberbürgermeister Michael Cerny hat eine klare Meinung dazu.

Die Amberger Fußgängerzone in den ersten Januartagen 2019: Nach der Prügel-Attacke vom Bahnhof zeigte die Polizei massiv Präsenz.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Das öffentliche Leben schien in den ersten Tagen dieses Jahres tatsächlich beeinträchtigt zu sein: massive Polizeipräsenz in der Fußgängerzone, Übertragungswagen von Fernseh- und Rundfunksendern auf dem Marktplatz. Hat die Prügel-Attacke und die dadurch heftig befeuerte Diskussion über die Gewaltbereitschaft junger Migranten die Stadt verändert? "Ich denke, dass immer was hängen bleibt. Ich weiß, dass Leute gesagt haben: Wenn sie in diesen Tagen zum Bahnhof gegangen sind, hätten sie schon öfter als sonst nach links und rechts geschaut. Ich glaube, das ist normal", sagt Oberbürgermeister Michael Cerny.

"Wenn man das letzte halbe Jahr betrachtet, muss man sagen, dass die Amberger sehr souverän mit dem Thema umgangen sind." Cerny lobt die Polizei für die akribischen Ermittlungen und die Justiz für die relativ schnelle Aufarbeitung der Angelegenheit. "Ich glaube, dass das genau das ist, was die meisten Bürger von Polizei und Justiz erwarten."

Bericht über die Urteilsverkündung

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Natürlich werde es jetzt wieder Diskussionen über das Strafmaß geben. "Aber da muss man auch mal dafür werben, dass die Justiz eigenständig ist und sie nicht politischen Forderungen nach Strafen nachgibt." Die Justiz sei unabhängig, "so dass jeder Bürger davon ausgehen kann, dass er wie jeder andere behandelt wird". Die Verhandlung gegen die vier Aslybewerber fand vor dem Jugendschöffengericht statt. Cerny war bis vor einigen Jahren selbst Jugendschöffe. "Ich möchte das Urteil nicht politisch bewerten. Aber wenn ich drandenke, wie damals Prozesse abgelaufen sind und welche Strafen es gab, dann ist das in einem vergleichbaren Rahmen", sagt er. Die Justiz habe seines Erachtens sehr professionell abgearbeitet. Dennoch könnte die Prügel-Attacke Folgen für Amberg haben: Die Stadt überlegt, einen Ordnungsdienst einzuführen. Erst in der vergangenen Woche hat Cerny diese Idee mit dem Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung diskutiert.

"Es könnte eine Folge sein, dass wir schauen, wie wir unsere Satzungen für die öffentlichen Plätze besser durchsetzen. Wir haben ja eine Satzung, dass Alkohol im öffentlichen Raum verboten ist - bisher eigentlich nur sanktioniert durch die Polizei." Da stelle sich die Frage, wer künftig die Kontrolle übernehmen könne.

Kommentar:

Aufgabe für alle

Die Urteile sind gefallen und erneut stehen die Täter im Mittelpunkt. Das Strafmaß ist Gegenstand der Diskussionen. Um die Opfer geht es nur am Rande. Genauso, wie sichergestellt sein muss, dass die Justiz unabhängig und frei von politischem Druck entscheidet, genauso müssen sich die Leidtragenden gewiss sein dürfen, dass sie zu ihrem Recht kommen und dass alles getan wird, solche Taten zu verhindern. Letzteres ist nicht nur Aufgabe der Justiz, sondern der ganzen Gesellschaft.

Uli Piehler

Medieninteresse:

Medienandrang bei der Urteilsverkündung: Noch einmal reisten aus allen Teilen Deutschlands Journalisten an, die über das Finale im Prozess um die vier Asylbewerber berichten wollten. Der Einlass von Reportern und Zuhörern ging erneut mit Sicherungsvorkehrungen der Justiz am Paulanerplatz einher. Doch die Überprüfungsmaßnahmen gerieten längst nicht mehr so streng wie am ersten Verhandlungstag.

Auffällig war: Presseleute, die unmittelbar nach den Geschehnissen vom 29. Dezember 2018 tagelang durch Amberg getourt waren, um ihnen genehme Stimmungsbilder einzufangen und diese Eindrücke quer durch Deutschland transportierten, glänzten zum Schluss durch Abwesenheit. Wie alles ausging, interessierte sie nicht. Das aber, so weiß man aus der Vergangenheit von Prozessen um schwere kriminelle Gewalttaten vor dem Landgericht, ist üblich bei solchen, die nach schnellen und plakativen Schlagzeilen suchen. Ein Überblick über aktuelle Schlagzeilen:

Bild-Zeitung:

„Urteil im Prozess um Hass-Mob von Amberg – Haupttäter muss 2 Jahre und 7 Monate ins Gefängnis“

Bayerischer Rundfunk:

„Urteil zu Amberger Prügeltour: Haupttäter muss ins Gefängnis “

Welt:

„18-Jähriger zu Haftstrafe verurteilt – Der Fall sorgte landesweit für Aufsehen“

FAZ:

„Die Übergriffe der jungen Asylbewerber hatten seinerzeit für Schlagzeilen gesorgt und eine bundesweite Debatte über eine konsequentere Abschiebung von ausländischen Straftätern ausgelöst.“ (hwo)

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