04.02.2020 - 17:08 Uhr
AmbergOberpfalz

In Amberg reihenweise Schläge gegen Passanten

Der Mann (25) geht durch die Stadt, schlägt wahllos auf Passanten ein und sorgt so über Wochen hinweg für erhebliche Sicherheitsstörungen in Amberg. Jetzt sitzt der offenbar psychisch Kranke vor dem Landgericht.

Ein 25-Jähriger hat im vergangenen Jahr reihenweise grundlos auf Passanten in Amberg eingeschlagen. Jetzt steht er vor Gericht.
von Autor HWOProfil

Wenn man sich die Liste der Straftaten ansieht, dann drängt sich eine Erkenntnis auf: Die Behörden haben lange zugeschaut, bis der mutmaßliche Täter endlich hinter Gitter und dann in die Forensik kam. Die aus insgesamt zwölf einzelnen Fällen bestehende Serie von körperlichen Attacken begann am 9. Juni vergangenen Jahres und endete am 18. Juli. Dann erst kam der 25-Jährige hinter Schloss und Riegel. Neben seiner Verteidigerin Selina Riemer sitzt der Asylbewerber jetzt vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts. Ihm droht ein langer Aufenthalt in der Psychiatrie. Doch aus seiner Sicht hat man ihn quasi völlig unschuldig vor die Justiz im Gastland geholt.

„Ich habe nichts getan“

Zum Prozessauftakt in dem sogenannten Sicherungsverfahren sagte er: „Ich habe nichts getan, bin nicht krank und war nur auf der Suche nach einer Wohnung.“ Man weiß nicht so genau, wo der völlig teilnahmslos auf seinem Stuhl sitzende junge Mann herstammt. Als gesichert gilt offenbar, dass er seit 2013 in Deutschland ist und 1994 geboren wurde. Ob das in Syrien war oder im Irak, scheint eher unklar zu sein. Er gab sich den Behörden unter mehreren Alias-Namen zu erkennen.

Psychisch auffällig ist er offenbar seit langem. Doch was dann im Sommer 2019 geschah, war eine Serie von Attacken, unter denen ansatz- und grundlos Amberger Bürger zu leiden hatten. Der Asylbewerber, zu diesem Zeitpunkt ohne Quartier, zog durch die Stadt und ihre Außenviertel. Seine Habe hatte der Mann in einer prall gefüllten Sporttasche bei sich. Als Fußgänger kreuzte er den Weg von Männern und Frauen, die von einem Moment auf den anderen zu Opfern wurden. Der erste Fall: Auf der Barbarastraße wurde ein bei Rot an einer Ampel mit seinen Fahrrädern wartendes Ehepaar unvermittelt angegriffen. Der 25-Jährige teilte Hiebe mit seiner Sporttasche aus, er verletzte die Leute und spuckte um sich.

Die Opfer berichten

Vor der Ersten Strafkammer schilderten nun viele Opfer, was ihnen unvermittelt widerfuhr. Schläge beim Nabburger Tor, auf der Schiffbrückgasse und am Mariahilfbergweg, tätliche Angriffe an der Marienstraße und nahe des Luftmuseums. Hiebe ins Gesicht und auf den Körper, zahlreiche Alarmsituationen für Funkstreifenbeamte und Rettungssanitäter. Die Geschädigten sagten als Zeugen: „Er war plötzlich da und schlug zu.“ Insgesamt zwölf einzelne Attacken listete die Staatsanwaltschaft als gefährliche und vorsätzliche Körperverletzungen auf. Die schlimmste davon: Unweit des Klinikums wurde am 28. Juni eine 80-jährige Seniorin angegriffen. Die Frau kam mit einem Rollator daher, sie wurde von dem über die Straße auf sie zulaufenden Täter mit dessen gefüllter Sporttasche traktiert. Ihre Brille zerbrach, die Nase der alten Dame wurde geprellt.

Im Bezirkskrankenhaus

Nach dem zwölften Übergriff, bei dem in Kümmersbruck eine Radfahrerin gestoppt und mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen wurde, war endlich Schluss. Das Landgericht erließ Haftbefehl und verfügte wenige Tage später die Einweisung des 25-Jährigen ins Regensburger Bezirkskrankenhaus. Dort ist der Mann seither untergebracht. Er selbst sieht sich zu Unrecht in der Forensik. „Ich bin nicht krank“, erfuhr die Strafkammer-Vorsitzende Roswitha Stöber von ihm. Dazu wird im weiteren Prozessverlauf ein psychiatrischer Gutachter Stellung nehmen.

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