14.01.2019 - 10:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg-Sulzbacher Helfer am Königsee: Nasser Schnee und feuchte Augen [mit Video]

Die Helfer aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach werden im Schneechaos herzlich empfangen. Seit Montagmorgen um 8 Uhr schaufeln sie weiter gegen die Schneelast an. Ihre Kraft schöpfen sie auch aus der Dankbarkeit der Betroffenen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

"Es ist Wahnsinn, wie wir hier empfangen wurden", erzählt Kreisbrandmeister Armin Daubenmerkl in der Nacht auf Montag am Telefon. Er steht in der Turnhalle der Schule in Bayerisch Gmain. Hier haben Ehrenamtliche vor Ort ein Nachtlager mit Feldbetten für die 110 Feuerwehrleute aus dem Kreis Amberg-Sulzbach und der Stadt Amberg hergerichtet. "Die Leute sind so froh, dass wir da sind. Nachbarn kommen vorbei, bringen Spenden. Gerade war jemand da und hat einen Geschenkkorb für uns abgegeben. Als Betthupferl."


 

Seit dem Montagmorgen schuften Daubenmerkl und seine Kameraden auf diversen Dächern in und um Schönau am Königsee. Statiker haben jedes einzelne Haus begutachtet. "Bei drei Häusern war es richtig brenzlig. Sie mussten noch in der Nacht evakuiert werden." Neun andere Gebäude in Schönau sind mit Priorität zwei versehen, sie werden heute nach und nach vom nassen Schnee befreit. Die 110 Feuerwehrleute  sind mit 23 Fahrzeugen vor Ort. Mit dabei haben sie die Drehleiter aus Amberg und einen Kran der Lagerfeuerwehr des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr.

 

Bezahlt macht sich unter anderem der Logistik-Lastwagen der Feuerwehr Hirschau. Er ist mit 90 Schneeschaufeln bestückt. Außerdem haben die beiden Kontingentführer Hans Sperber (Ranna bei Auerbach) und Hubert Blödt (Haselmühl) 23 Ausrüstungssätze Absturzsicherung im Gepäck. "Jetzt heißt es schaufeln bis Mittwoch", sagt Daubenmerkl. Dann wird entschieden, ob ein neues Kontigent aus dem Landkreis angefordert wird. Vorerst freut er sich aber auf die Brotzeit, die das BRK im Pfarrheim von Schönau für die Ehrenamtlichen hergerichtet hat.

Das Technische Hilfswerk aus Amberg hat seinen Einsatz bereits beendet. Es war von Freitag bis Sonntag in Traunstein und Miesbach im Einsatz. Nachrückende Einheiten lösten die Kollegen aus Amberg am Sonntagnachmittag ab. Die ehrenamtlichen THW-Einsatzkräfte hatten schon am Donnerstagabend ihre Sachen gepackt. "In der Nacht zu Montag sind sie erschöpft, aber glücklich, den Menschen in Not geholfen zu haben, aus dem Katastrophengebiet zurückgekehrt", berichtet Christian Birner.

"Die Anwohner in den betroffenen Gebieten ließen sich vom Schnee nicht aufhalten und unterstützten die Einsatzkräfte - zum Beispiel auch mit Kuchen." THW-Gruppenführer Viktor Kalman erzählt: „Besonders in Erinnerung bleiben für mich die überwältigenden Schneemassen – Schnee so weit das Auge reicht. Meine Gruppe habe ich jeden Tag von neuem voll motiviert gesehen, auch wenn das Schaufeln eine große körperliche Herausforderung war“.

Es sei beeindruckend, wie hilfsbereit und offen sich auch die Arbeitgeber in der Region gezeigt haben. "Innerhalb kurzer Zeit konnten wir eine Einheit für mehrere Tage auf die Beine stellen – das ist in der heutigen Zeit nicht immer selbstverständlich“, sagt THW-Zugführer Christoph Hollweck, der die Bergungsgruppe in den Einsatz schickte. Neben vielen Bürgern kommentierte auch Oberbürgermeister Michael Cerny den Einsatz des THW Amberg auf Facebook: „Klasse Einsatz, aber passt auf euch auf und kommt gut wieder zurück!“

In der Nacht auf Montag verschärfte sich die Situation am Alpenrand noch. In den zwei bis drei Meter hoch liegenden Schnee regnete es kräftig hinein. "Das ist genau das, was zu befürchten war", sagt Daubenmerkl. Nun hofft er, dass die am meisten gefährdeten Dächer schnell geräumt werden können - und dass sich dabei keiner seiner Kameraden verletzt.

Bericht von der Abfahrt der Helfer am Sonntag (mit Video)

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.