03.07.2020 - 14:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Bergfest-Wirt: Bratwurst-Braten wie eine Sucht

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Wenig Schlaf, viel Stress: Ein Bergfest ist für die Wirte, Bedienungen und Brater fordernd. Rossini-Chef Gerhard Spangler erzählt, warum er sich trotz der hohen Arbeitsbelastung jedes Jahr auf die Festwoche am Amberger Mariahilfberg freut.

Zum Interview „Auf a Mass am Berg“ trafen wir uns mit Gerhard Spangler, der Rossini-Chef hätte auch in diesem Jahr gerne seine Bratwurstbude am Mariahilfberg aufgebaut.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

7 Uhr. Ruhe, Vogelgezwitscher. Doch für die Standbetreiber und Festwirte auf dem Mariahilfberg hat der Tag längst begonnen. Schon frühmorgens bereiten sie sich in der Festwoche auf den Ansturm der Pilger und Besucher vor. Diese Zeit am Morgen genießt Gerhard Spangler besonders: „Es ist wunderschön da heroben in der Früh, wenn alles so still ist, dann knistern die ersten Grills, es raucht schon ein bissl – und der Duft dann. Ab und zu hörst ein paar Masskrüge scheppern, mehr hörst ja nicht. Das ist für mich die schönste Zeit.“

„Seit er denken kann“ geht der Inhaber des Rossini aufs Bergfest. Nicht aber in diesem Jahr. Wegen der Coronakrise musste das Traditionsfest heuer abgesagt werden. Auf eine Mass mit der Amberger Zeitung trifft sich der 56-Jährige aber trotzdem bei der Wallfahrtskirche. Dabei erzählt er von seinen ersten Erinnerungen an das Bergfest: die Besuche mit seiner Oma und den Eltern als Kind. „Damals war für uns natürlich der Süßwarenstand das Highlight. Im Laufe der Jahre – man wird älter – kommt dann das Bier dazu und die Bratwürste“, erinnert sich der gebürtige Kümmersbrucker, der seit 25 Jahren in Amberg lebt, und lacht.

„Anders“ ist das Bergfest für ihn geworden als er dort vor vier Jahren einen Stand übernommen hat und seitdem in seiner Grillbude Bratwürste, Steaks, Spare-Ribs, Kraut und Knöcherl verkauft. Anders bedeutet vor allem stressiger. Der Gastronom rechnet vor: In der Festwoche muss er meist mit nur zwei Stunden Schlaf pro Nacht auskommen. Schon um 3 Uhr morgens steht Spangler da nämlich auf, macht Eis für sein Café im Englischen Garten, um 7 Uhr fährt er rauf auf den Berg und wenn um 23 Uhr oben Schluss ist, schaut er nochmal im Rossini vorbei.

Warum er seine Bude am Bergfest in diesem Jahr trotzdem zum vierten Mal betreiben wollte? „Ich habe schon sehr lange Bratwurststände. Das ist eine richtige Leidenschaft“, erzählt Spangler, der am Mariahilfbergfest auch selbst am Grill steht. „Es ist schwer zu erklären. Das ist wie eine Sucht, glaube ich. Jeder, der schon mal gebraten hat, mit Holzkohle und dem ganzen Ambiente, versteht das.“ Da gebe es Brater die das seit 30 Jahren immer wieder machen, obwohl es eine so harte Arbeit ist. „Es macht einfach total Spaß. Das ist ein super Gefühl, wenn man versucht, die Bratwürste immer in der gleichen Qualität rauszubringen, was wirklich nicht leicht ist. Mal hat man einen Ansturm, dann kommen wieder weniger Leute.“

Gelernt hat der 56-Jährige ursprünglich einmal Werkzeugmacher. „Aber ich war schon immer rührig, habe schon mit 14 Brezen auf der Kirwa verkauft.“ Während seiner Zeit bei der Bundeswehr machte er sich dann mit Imbiss- und Eisbetrieben selbstständig. 1989 übernahm Spangler das Café Eiszeit, das 1999 wegen einer defekten Gasleitung explodierte. Seit 2013 betreibt er nun das Rossini.

Dass das Bergfest in diesem Jahr ausfiel, stimmt Spangler nicht nur als Wirt traurig: „Einfach weil ich das Bergfest unwahrscheinlich liebe. Ich glaube, das Bergfest ist in Amberg so wie das Oktoberfest in München. Ohne fehlt einfach was.“ Man treffe alte Freunde und Bekannte, Weggezogene kommen extra heim. „Da rennt jeder hin, jeder fühlt sich wohl, jeder hat Spaß und ist glücklich.“

Vermisst hat der Amberger in diesem Jahr besonders die Gespräche in ruhigen Minuten mit den anderen Wirten und das tägliche Frühstück mit seinem Personal. Das gibt es immer, wenn die ersten Aufgaben erledigt sind – vor dem großen Ansturm. „Wie ein kleines Ritual. Richtig schöne Momente sind das“, erzählt Spangler. „Da holen wir uns von den Bäckern heroben frische Semmeln, kochen Kaffee. Und danach sind alle gut drauf und dann wird durchgezogen – bis am Abend dreimal das Licht ausgeht.“ Sperrstunde.

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Amberg
Für den wenige Monate alten Ferdinand wäre es das erste Bergfest gewesen. Herrchen Gerhard Spangler geht schon sein ganzes Leben auf den Mariahilfberg und hatte dort in den vergangenen drei Jahren eine Grillbude.
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