22.08.2020 - 11:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger berichten: Wie Corona in Uganda wirkt

Über 9200 Coronatote verzeichnet Deutschland inzwischen. In Uganda sind es am 20. August lediglich 19. Doch Margareta Köllinger sagt: Dort sterben die Menschen nicht direkt an Corona, die Krankheit tötet auf Umwegen.

von Markus Müller Kontakt Profil

Margareta Köllinger und ihr Mann Michael, ein Facharzt für Gastroenterologie, waren bisher zweimal in Uganda (zuletzt im Februar), haben jeweils drei Wochen lang im Matany Hospital der Comboni-Missionare geholfen. Es liegt in Karamoja, der ärmsten Region des Landes, und hat 250 Betten.

Mitarbeiten in einem Krankenhaus in Uganda ist nicht die nächstliegende Beschäftigung für ein Ehepaar um die 60 aus Amberg. Der Willen, ihren christlichen Glauben ernst zu nehmen, ihn konkret zu leben, hat sie dorthin gebracht, sagt Margareta Köllinger. „Wir haben für uns festgestellt: Es reicht nicht, wenn man das nur aus der Ferne verfolgt, wenn man nur von seinem Überfluss abgibt, ohne je seine Komfortzone zu verlassen. Wir haben entschieden, das an uns ranzulassen, längere Zeit mit den Menschen in Not mitzuleben.“

Geringe Zahl an Infizierten

Warum fiel die Wahl auf Uganda? Weil die Köllingers durch den Schmidmühlener Pfarrer Werner Sulzer bzw. eine seiner Ministrantinnen auf die Comboni-Missionare in dem ostafrikanischen Land hingewiesen wurden. Der nähere Kontakt entstand über Bruder Günther Nährich, der das Matany Hospital leitet. „Er ist zugleich Administrator und Seele der Klinik“, sagt Margareta Köllinger. Von ihm weiß sie, wie sich die Pandemie dort auswirkt. Das Land weist relativ geringe Infizierten-Zahlen auf (1750 am 20. August); teilweise weil wenig getestet werden kann, aber auch wegen des sehr schnell eingeführten scharfen Lockdowns.

Er umfasst bzw. umfasste:

  • eine allgemeine Ausgangssperre von 21 bis 7 Uhr
  • Schließung der Grenzen und des Flughafens
  • Verbot mobiler Märkte
  • komplette Einstellung des öffentlichen Transports
  • Schließung der Schulen
  • Einkaufspassagen, Bars und Gaststätten dürfen zum Teil unter strengen Hygienemaßnahmen betrieben werden.

Für die Menschen in Matany und das Hospital haben diese Maßnahmen weitreichende Folgen:

  • Versorgungsengpässe - Nachschub von Hilfsgütern aus der Hauptstadt Kampala kann nur unter großen Schwierigkeiten ins Krankenhaus gebracht werden.
  • Knappheit von Spenderblut - Blutspender sind in Uganda vor allem Schüler und Studenten. Da Schulen und Universitäten geschlossen sind, bleiben diese Spenden jetzt aber aus. Günther Nährich dazu: „Blutspenden vor Ort, zum Beispiel durch Angehörige, sind offiziell nicht erlaubt und können überhaupt nur dann helfen, wenn die Blutgruppe kompatibel ist. So sterben in Matany immer wieder Kinder mit Blutarmut (ausgelöst meist durch Malaria), weil Sauerstoffgabe und andere unterstützende Maßnahmen bei einem gravierenden Mangel an roten Blutkörperchen nicht helfen.“
  • Todesfälle wegen fehlender Transportmittel - Sie entstehen, wenn schwerkranke Menschen die Klinik nicht erreichen können, weil die üblichen Transportmittel nicht genutzt werden dürfen.
  • Todesfälle durch Sicherheitskräfte
    Diese setzen Corona-Maßnahmen wie etwa die Ausgangssperre oft sehr rigoros und gewalttätig durch.
  • Hungersnot - Ausgelöst durch gestiegene Lebensmittelpreise, Nahrungsmittelknappheit besonders in den großen Städten und Wegfall der Lebensgrundlage für Tagelöhner.
  • Preissteigerung für Medikamente und Hilfsmittel - Das trifft besonders Malariamedikamente. Günther Nährich berichtet aber auch von einem „Infrarotthermometer, das im Februar noch umgerechnet 90 Euro gekostet hat und Ende März für 325 Euro angeboten wurde“. Im Matany Hospital muss am Eingang die Körpertemperatur der Besucher gemessen werden.
  • Rückgang der Spendenbereitschaft
    Wo in Europa Länder von Corona sehr stark betroffen sind, engagieren sich Spender jetzt lieber in ihrer unmittelbaren Umgebung. So berichtet eine treue Unterstützergruppe des Matany Hospitals aus Italien von einem Rückgang der Spenden um 30 Prozent.
  • Versorgung der Patienten durch die Angehörigen - Die Angehörigen sind in Uganda für die Pflege und die Verpflegung von Krankenhaus-Patienten zuständig. Das heißt, sie campieren Tag und Nacht in den Innenhöfen oder sind im Krankenzimmer. „Da ist eine Kontaktbeschränkung nur schwer durchsetzbar – zumal es in ganz Karamoja noch keinen einzigen Fall von Covid-19 gibt. Eine Beschränkung der Zahl der Angehörigen pro Patient hat nur anfangs einigermaßen geklappt, inzwischen ist es wieder ein Kommen und Gehen“, schildert Bruder Günther die Situation.
  • Pflege- und Hebammenschule im Hospital - Auch sie musste geschlossen werden. Der Wegfall der Schulgebühren sorgt für ein weiteres Loch bei der Klinik-Finanzierung. Bei den zwei Aufenthalten in Matany sind auch Freundschaften entstanden, sagt Margareta Köllinger. „Wir sind nicht die weißen Retter, wir lernen voneinander.“ So hat sie sehr beeindruckt, wie gut die Einheimischen improvisieren können. Das zeigte sich etwa, als beim letzten Aufenthalt der Köllingers eine Endoskopie-Einheit in die Klinik geliefert wurde, die viel zusätzliche Infrastruktur erforderte: „Bereits am nächsten Tag haben sie die Gräben für die Wasserleitung ausgehoben; nach einer Woche war alles geschafft.“ Von daher ist Margareta Köllinger auch überzeugt, dass jeder gespendete Euro viele Früchte tragen wird.

Für längere Zeit nach Uganda

Ihre eigenen Pläne beschreibt sie so: „Unsere Hoffnung ist, in naher Zukunft einmal für mehrere Monate nach Matany kommen zu können. Mit all unseren Privilegien, unserem deutschen Pass und dem Rückflugticket in der Tasche werden wir uns wohl niemals auch nur annähernd in die Menschen in Karamoja hineinversetzen und ihr Leben am eigenen Leib spüren können. Ein längerer Zeitraum wird es aber dennoch möglich machen, sich näherzukommen, sich tiefer auf das Leben in Karamoja einzulassen und all das zu intensivieren, was uns über alle Unterschiede hinweg verbindet.“

2019 spendete das Amberger Möbelhaus Frauendorfer für das Matany Hospital

Amberg
Hintergrund:

Spenden-Idee: Urlaubskasse umwidmen

Einen Teil seiner Urlaubskasse, die man aufgrund der Corona-bedingten Absage der Reise nicht gebraucht hat, könnte man für notleidende Menschen auf der Südhalbkugel spenden. Dazu ruft die Ambergerin Christine Erras auf. Sie hat diese Idee entwickelt, nachdem sie ein Fernsehbericht über einen Mann tief bewegt hatte, der für vier Euro am Tag arbeitet und hofft, dass er von Corona verschont bleibt, damit seine Familie überleben kann. Gleichzeitig waren auch abgesagte Urlaubsreisen von Deutschen ein großes Thema in den Medien.

Christine Erras suchte ein konkretes Projekt, dem die gesammelten Gelder zufließen können, und kam auf das Matany Hospital, von dem sie wusste, dass ihre Bekannte Margareta Köllinger und deren Mann sich dort engagieren. Die beiden nahmen die Idee gerne auf. Sie sagen: „Aufgrund unseres persönlichen Kontakts und eigener Anschauung können wir uns dafür verbürgen, dass alle Spenden ohne jede Abzüge dem Hospital und somit den Menschen in Matany und Umgebung zugute kommen.“

- Spendenkonto

Wer spenden möchte, kann dies auf folgendes Konto der Comboni-Missionare (www.comboni.de) tun:

Stichwort: Matany Hospital

Konto: IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

SWIFT-BIC: OASPDE6AXXX

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