17.05.2019 - 18:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Fußgängerzone feiert am Samstag 45. Geburtstag

Amberg war 1974 eine der ersten Städte mittlerer Größe, die eine Fußgängerzone einrichteten. Wie sich dieser Schritt auswirken würde, war damals durchaus umstritten.

von Markus Müller Kontakt Profil

Ganz reibungslos ging es erwartungsgemäß nicht. Die Umwandlung eines Teils der Altstadt in einer Fußgängerzone sorgte vor 45 Jahren für "ein ziemliches Hin und Her", wie sich Dieter Spörl erinnert. Der SPD-Mann saß 1974 frisch im Stadtrat und war mit seinem Textil- und Gardinengeschäft am Hallplatz einer der wenigen Einzelhändler, die den Ausschluss der Autos gleich sehr begrüßten. Aus heutiger Sicht gilt ihm die Fußgängerzone als "absoluter Gewinn" für Amberg.

Die treibende politische Kraft hinter der Neuerung war der damalige Oberbürgermeister Franz Prechtl, erinnert sich Alt-OB Wolfgang Dandorfer. In der heftig geführten Diskussion, ob die Autofreiheit dem Einzelhandel schade oder nutze, habe Prechtl sich nicht von seinem Kurs abbringen lassen. So konnte die "Zone" am 18. Mai 1974 eingeweiht werden. Sie erlebte gleich am ersten Tag einen Ansturm von rund 5000 Neugierigen. "Sie belegten jeden freien Quadratmeter zwischen den Standln und Blumentrögen, sie wogten zwischen Rathaus und Roßmarkt hin und her im Vollgefühl des Fußgänger-Vorrangs", berichtete damals die AZ. Tatsächlich ist damit schon die ursprüngliche Ausdehnung der Fußgängerzone beschrieben. Erst Ende der 90er-Jahre kamen unter Dandorfer die Verlängerungen zwischen der Unteren und der Oberen Nabburger Straße sowie bis zum Malteser hinzu.

Dieter Spörl kennt auch Beispiele von anderen Städten, die ihre Fußgängerzone zu groß anlegten und sie später zurückbauen mussten. Doch in Amberg liege man mit der Ausdehnung richtig. Nach der Erinnerung von Wolfgang Dandorfer war Amberg eine der ersten Städte mittlerer Größe, die sich eine Fußgängerzone genehmigten. Die IG menschengerechte Stadt bezeichnet Amberg sogar als die zweite Stadt in Deutschland (nach Hanau), die diesen Schritt wagte.

Eine gewisse Unsicherheit, wie man mit der neuen Verkehrssituation umgehen solle, spricht auch aus der Vorberichterstattung der AZ zur Eröffnung am 18. Mai 1974. So hatte die Landespolizei-Station Amberg die Fußgänger dazu ermuntert, "sich gegenüber den Anliegerfahrzeugen zu behaupten und sich nicht auf die Bürgersteige abdrängen zu lassen". Die AZ hielt diese Aufforderung für falsch: "Wo mehr als in einer Fußgängerzone, die ja an sich nur eine verkehrsverdünnte Zone mit 8 Stunden absolutem Vorrang für den Fußgänger und 16 Stunden Primat im Miteinander mit dem Kraftfahrer ist, wird es auf Partnerschaft, auf Rücksichtnahme ankommen, die von allen Verkehrsteilnehmern zu fordern ist!"

Fußgängerzone war die genannte Fläche nämlich nur von 10 bis 18 Uhr. Für die restliche Zeit erkannte die AZ, "daß außerhalb der Sperrzeit der Einzelhändler natürlich nach wie vor noch am autofahrenden Kunden interessiert ist".

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