Amberg
02.03.2020 - 14:07 Uhr

Amberger hat sieben Hanfpflanzen in der Wohnung

Auf dem Aushang im Gericht steht ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Doch diesmal ist es kein Drogendelikt wie viele andere. Die Geschichte vom Anbau einer Cannabispflanzen-Aufzucht trägt im Hintergrund tragödienhafte Züge.

Ein Amberger hat Hanf (Symbolbild) selbst angebaut. Doch dafür gab es Gründe. Bild: Oliver Berg/dpa
Ein Amberger hat Hanf (Symbolbild) selbst angebaut. Doch dafür gab es Gründe.

Auf der Anklagebank saß ein Mann mit Meisterprüfung vor dem Schöffengericht. Nie vorbestraft und bei den Drogenfahndern der Kriminalpolizei zunächst völlig unbekannt. Sie hatten einen Hinweis bekommen, gingen diesem nach und erschienen mit richterlichem Durchsuchungsbeschluss in einer Amberger Wohnung. "Dort roch es sehr intensiv nach Marihuana", erzählte jetzt ein Beamter der Richterin Kathrin Rieger.

Bei der Aktion ergab sich sehr rasch: In einem Raum gleich neben dem Badezimmer befand sich eine Aufzuchtanlage für sieben Hanfpflanzen. Sie wurde abgeerntet. Ins Sicherstellungsverzeichnis kamen außerdem mehrere Brocken, die aus Cannabis bestanden. Insgesamt fast ein halbes Pfund. Der von den Fahndern ins Visier genommene 25-Jährige zeigte sich kooperativ. Er behauptete aber: "Alles zum Eigenverbrauch." Obwohl anfangs Zweifel daran bestanden, stellte sich diese Feststellung als richtig heraus.

Posttraumatische Störung

Was hinter dem intensiven Verbrauch von verbotenen Cannabisprodukten steckte, offenbarte sich jetzt im Prozess. Über seinen Anwalt Christian Reiser ließ der Angeklagte schildern, was ihn dazu brachte, permanent Cannabis zu konsumieren. Dazu wurde ausgeholt. Vor etlichen Jahren hatte es ein weltweit für Schlagzeilen sorgendes Unglück mit zahlreichen Todesopfern gegeben. Angehörige des heute 25-Jährigen waren in die Katastrophe verwickelt. Sie büßten zwar nicht ihr Leben ein, doch lasteten die psychischen Folgen schwer auf der Familie. Auch auf dem Sohn, der nach schriftlich vorliegenden Angaben seines Therapeuten noch immer unter einer posttraumatischen Störung leidet.

Die Polizeiaktion löste, wie die Richter hörten, eine Reaktion beim Angeklagten aus. Er begab sich in Behandlung und bekam von medizinischer Seite aus Cannabisprodukte auf Rezept verordnet. Dazu lag dem Gericht ein Attest vor, und es gab auch einen entsprechenden Ausweis, den der 25-Jährige für den Fall von Kontrollen bei sich trägt. Die ihm ausgehändigten Rationen muss er aber selbst bezahlen.

15 Monate auf Bewährung

Ein Drogenfall, der völlig außerhalb üblicher Verfahren lag. Dennoch führte Staatsanwältin Raphaela Etzold ins Feld, dass der Anbau einer Aufzucht und der Besitz von Marihuana zum damaligen Zeitpunkt illegal geschahen. Sie verlangte 15 Monate Haft zur Bewährung und 1000 Euro Geldauflage. Diese Ahndung akzeptierte Verteidiger Reiser in seinem Plädoyer weitgehend.

Das Schöffengericht entsprach dem Antrag der Anklagevertreterin. Die Richterin stellte dem 25-Jährigen einen Bewährungshelfer zur Seite und schickte ihn zu zehn Drogenberatungsterminen. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

 
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