04.12.2019 - 17:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Kampfsportler trennen sich von zwei Mitgliedern

Wer steckt hinter der rechtsextremistischen Gruppe "Identitäre Bewegung" (IB) in Amberg? Zwei ihrer Mitglieder trainierten in der Kampfsportschule "MMA Fight Team" am Bergsteig, bis die Teamchefs davon Wind bekamen. Es kam zum Rauswurf.

Das "MMA Fight Team Amberg" distanziert sich von zwei Mitgliedern, die in Verbindung mit der "Identitären Bewegung" stehen.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Seit ein paar Wochen geistert eine Gruppierung durch Amberg, die mit Aufklebern, Graffitis und Aktionen versucht, ausländer- und migrationsfeindliche Botschaften zu verbreiten. Zuletzt hatte die Polizei ein fast vier Meter langes Banner von der Eisenbahnbrücke an der Regensburger Straße entfernt, das die Aufschrift "Amberg ist unsere Stadt" trug und das Logo der "Identitären Bewegung" zeigte.

Die Entwicklung der IB hat Jan Nowak, Mitglied der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, über viele Wochen und Monate beobachtet und die Ergebnisse für die Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (Aida) zusammengefasst. Ende November wurde dieser detaillierte Bericht mit Fotos auf www.aida-archiv.de veröffentlicht. Darin erwähnt wird auch das Training von IB-Mitgliedern beim "MMA Fight Team Amberg". "Wir waren sehr schockiert, als wir das gelesen haben", sagte Cheftrainer Mateusz Osicki. Für ihn und Darrel Collier sei das ein Grund gewesen, sich von den beiden betreffenden Mitgliedern zu trennen. Bis zu drei Mal wöchentlich hätten sie ihre Kampfsportkünste im Team geschult. Auffällig waren sie laut den beiden Chef-Kampfsporttrainer nie. "Sie haben sich immer korrekt verhalten."

Dass das "MMA Fight Team Amberg" jetzt in Verbindung mit der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften "Identitären Bewegung" gebracht wird, passt laut Collier und Osicki (selbst mit amerikanischen und polnischen Wurzeln) so gar nicht zu den Mitgliedern. Über 60 Leute zwischen 13 und 50 Jahren aus unterschiedlichsten Nationen kommen regelmäßig zusammen. "Von fünf Trainern ist nur einer Deutscher", sagte Osicki. Und genau deshalb sei die Gesinnung auch nicht nachvollziehbar: "Wenn ich was gegen Leute mit Migrationshintergrund habe, kann ich mich doch nicht von einem Ausländer trainieren lassen", äußerte Collier sein Unverständnis. Das Team habe sich seit der Gründung der Kampfsportschule im Jahr 2005 zu einer großen Familie entwickelt. Erst die Berichterstattung des Aida-Archivs nahmen Collier und Osicki zum Anlass, sich genauer mit der "Identitären Bewegung" zu beschäftigen. Die Erkenntnisse daraus veranlassten sie zu einem Statement: "Wir sind das MMA Fight Team Amberg. Wir sind ein Team und uns verbindet die Begeisterung für unseren Sport. Unsere Werte sind Respekt, Toleranz und Fairness. Für Diskriminierung, Ausgrenzung und Extremismus jeglicher Art ist bei uns kein Platz. Bei uns sind alle Menschen willkommen, egal welchen Geschlechts oder Herkunft. Verstöße gegen unsere Werte werden konsequent geahndet."

Laut Darrel Collier und Mateusz Osicki haben die beiden jungen Männer gefasst reagiert und gesagt, dass sie dem Verein nicht schaden wollen und gern dort trainiert hätten. "Schade, dass wir das Ruder für die beiden nicht herumreißen konnten", so Collier, doch es habe keinen Handlungsspielraum gegeben: "Wir stehen für Respekt. Ich bin halb Amerikaner, er ist Pole, da müssen wir gar nicht weiterreden, für was wir stehen."

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