Versprochen war, sich bei Reden kurz zu halten. Doch es musste wohl sein, die Geschichte des Musikerstammtischs wieder einmal halbstündig zu schildern. Dabei gab es im Gasthaus am Kugelfang sieben Bands, die teilweise von weit her angereist waren, um eine Verbeugung vor dem Rock 'n' Roll zu machen. Eine sehr tiefe sogar. Genau darauf warteten die Gäste. Zu ihnen zählte auch OB Michael Cerny.
400 Stammtischtreffen in 33 Jahren. Doch keines davon dürfte wohl so furios gewesen sein, wie dieser Abend im Gasthaus am Kugelfang. Erst eine Torte für Organisator Herbert Olbrich, dann der Auftritt von Julio Burkert und seinen Leuten von der Stammtisch-Hausband. "Hang On Sloopy": Wenn Burkert zum Mikrofon greift, muss das sein.
Dann kam Günter Kälberer, der die Runde vor drei Jahrzehnten gründete. Früher harter Rock 'n' Roller, jetzt Chef der Schlagerband Hula Hoop. Ein tiefer Griff mit Sängerin Renate Liebl in die musikalische Schatztruhe der 50er-Jahre. Eingedenk Cliff Richards "The Young Ones" und Brenda Lees "Stupid Cupid". Ein Musik-Menü mit sieben Gängen und immer neuen Leckerbissen. Klaus Selig kam samt der Gruppe Spätschicht 3, unterstrich seine Professionalität als Gitarrist und ließ einen seiner Mitstreiter Gert Steinbäckers "Großvater" ins Mikrofon röhren. Da hatte das Treffen ein Glanzlicht.
Die Flamme brannte weiter und musste sich in einem musikalischen Sturm behaupten. Entfacht von der Sulzbach-Rosenberger Band Luke 2. Knallharter Rock, Mick Jaggers "Sympathy For The Devil" und die Stimme eines Sängers, die im Gedächtnis bleibt. Draußen war es eiskalt, drinnen kamen Erinnerungen an Amberger Beat-Abende auf. Mit zwei Bands, die richtig einheizten: Special Gue$t und Second Spring aus Regensburg.
Und plötzlich war es wie damals im "Whisky A GoGo" am Paulanerplatz: Ike und Tina Turners "Nutbush City Limits" schlug auf wie ein Geschoss. Da wurde deutlich, dass manche Songs das ewige Leben haben. Im dunklen Anzug war Andy Dörfler angereist. Mit ihm und den neun Leuten von der Soul Station No. 10 kam eine Gruppe aus Weiden, die in ihrer furiosen Show diverse Highlights aus der Motown-Records-Zeit von Detroit in Szene setzte. Mit eigenem Bläsersatz, drei Gitarristen, zwei stimmgewaltigen Sängerinnen und Dörfler als Frontmann. Arthur Conley hätte seine Freude gehabt.
Besseres war wohl nie da an diesem Stammtisch. Erst Wilson Picketts "Mustang Sally", dann Bill Withers "Ain't No Sunshine" und schließlich, exakt zur mitternächtlichen Stunde "In The Midnight Hour". Sensationell, diese Truppe. Wie ein Feuerwerk zum Ausklang des von langer Hand perfekt inszenierten Abends.




















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