09.09.2021 - 16:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Stadtteil Ammersricht "jetzt hochwasserfrei"

Die Naturgewalten ließen am 2. September 2011 den kompletten Feierabendverkehr in Ammersricht zusammenbrechen. In dem Amberger Stadtteil bildete sich ein fast knietiefer See. Szenen wie diese wird es künftig aber nicht mehr geben.

So sah es am Nachmittag des 2. September 2011 auf der Bayreuther Straße aus. Enorme Wassermassen schossen damals durch Ammersricht und den Wagrain.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Der Langangerweg und die Bayreuther Straße glichen am 2. September 2011 reißenden Flüssen. Die Wassermassen schossen über Straßen und Gärten hinweg hinein in Häuser und Keller. Der Druck der Fluten ließ in den Stadtteilen Wagrain und Ammersricht sogar etliche Kanaldeckel wie Spielzeug wegfliegen. Vergleichbare Bilder und Szenen soll und wird es in diesen Teilen Ambergs künftig nicht mehr geben. „Ammersricht ist jetzt im Prinzip hochwasserfrei“, verkündete Projektleiter Lars Pachmann vom städtischen Tiefbauamt am Donnerstagvormittag an dem Ort, wo für ein insgesamt 24 Hektar großes Einzugsgebiet zwei Rückhaltebecken entstanden sind. Die Kosten betragen 2,1 Millionen Euro.

Mit markanten Worten erinnerte Oberbürgermeister Michael Cerny an jenen Tag vor fast genau zehn Jahren: „Da ist hier in Ammersricht sozusagen der Himmel runtergefallen.“ Bei dem Starkregenereignis sei damals mehr Niederschlag zu verzeichnen gewesen als bei einem sogenannten 100-jährlichen Hochwasser. Cerny erinnerte sich an Feuerwehrleute, die gesagt hätten, es sei sinnlos, die Häuser leer zu pumpen, denn: „Selbst wenn es wirklich funktioniert, ist der Keller nach zwei Minuten wieder voll.“ Die Situation sei für die Betroffenen „emotional unheimlich belastend“ gewesen.

Lars Pachmann, der beim städtischen Tiefbauamt als Projektleiter für die Maßnahme zuständig ist, ließ den 2. September 2011 ebenfalls noch einmal Revue passieren: „Der Wagrain wurde ganz unter Wasser gesetzt. Die Schäden waren verheerend.“ In den Tagen danach folgte eine Bestandsaufnahme, die in eine Studie mündete. Deren Ergebnisse waren die Grundlage für ein Konzept, an dessen Ende ein Planfeststellungsverfahren stand. Schwierig sei die Aufgabe gewesen, die erforderlichen Grundstücke zu erwerben, was allerdings relativ geräuschlos funktioniert habe: „Natürlich hat das seine Zeit gedauert, aber es ging ohne Enteignungen.“

Auch kritische Stimmen

Oberhalb des Friedhofs entstand ein Rückhaltebecken für 488 Kubikmeter Wasser, die dort im Falle eines Starkregens laut Pachmann „eins zu eins durchgeleitet“ werden und in ein mehr als zehnmal so großes Becken fließen. Der Projektleiter: „Wenn dieses 100-jährliche Ereignis kommt, werden 700 Kubikmeter pro Sekunde zurückgehalten. Nur 40 Kubikmeter laufen pro Sekunde weiter.“ Angesichts dieser Zahlen lasse sich die Dimension des größeren Beckens erklären, das von einigen Anwohnern während der im Oktober vergangenen Jahres begonnen Bauphase teilweise sogar als „Monstrum“ bezeichnet wurde. Auf diesen Vorwurf ging der Oberbürgermeister bei dem Treffen am Donnerstag kurz ein: „Es gab auch kritische Stimmen, ob das Vorhaben nicht total überzogen ist.“ Cerny: „Nein, ist es nicht. Es ist auf ein 100-jährliches Ereignis ausgelegt und sollte das alles abpuffern können.“ Lars Pachmann relativierte. Ammersricht und der Wagrain seien jetzt im Prinzip hochwasserfrei, aber: „Es kann trotzdem zu Überflutungen kommen, denn die Siedlung ist ja weiterhin hoch versiegelt. Das Wasser, das dort runterkommt, ist weiterhin da und der Kanal nach wie vor nicht dafür ausgelegt.“ In der Talmulde könnte das im Extremfall zu Problemen führen. Sicher aber nicht mehr in der Dimension wie vor zehn Jahren.

Bäume werden noch gepflanzt

Dass seit dem Unwetter und den Überflutungen bis zur Hochwasserschutz-Vollzugsmeldung fast auf den Tag genau zehn Jahre ins Land gegangen sind, sei zu erwarten gewesen, ließ Michael Cerny wissen: „Hochwasserschutz muss geplant sein. Man kann natürlich schnell irgendwo mal was bauen, aber ist es dann an der richtigen Stelle? Hat es den erwünschten Effekt? Ist es richtig dimensioniert?“ Da der erforderliche Grunderwerb erst in den Jahren 2015 bis 2018 möglich war, habe das Planfeststellungsverfahren, das Voraussetzung für den Bau ist, nicht vor Ende 2019 rechtskräftig werden können. Für alle, die sich nun dennoch über die Kraterlandschaft wundern sollten, hatte Lars Pachmann interessante Zahlen zum Ortstermin mitgebracht. Dort, wo nun das Braun der Erde das Landschaftsbild bestimmt, sollen sieben Obstbäume und 1400 Sträucher gepflanzt werden: „Die Ausgleichsmaßnahmen kommen noch.“

Nach dem Hochwasserschutz für Raigering und nun eben für Ammersricht beziehungsweise für den Wagrain ist die Stadt mit ihren Maßnahmen auf diesem Gebiet noch nicht am Ende. „Der Hochwasserschutz für die Altstadt steht noch an“, sagte der Oberbürgermeister und ließ wissen: „Wir sind da jetzt mitten im Verfahren.“

Vor zehn Jahren: Massive Schäden in Ammersricht und am Wagrain

So hart traf ein Hochwasser 2002 den Stadtteil Raigering

Amberg
Das neue Hochwasserrückhaltebecken am Ammersrichter Akazienweg fasst laut Angaben des städtischen Tiefbauamts 6245 Kubikmeter Wasser. Das sind 6,2 Millionen Liter.
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