29.05.2018 - 17:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Angebot liegt auf dem Tisch

Der Retter in der Not ist fast auf den Tag genau ein Jahr später dabei, die Ernte seines Engagements einzufahren. Viel sieht danach aus, dass der chinesische Investor Ningbo Jifeng die Grammer AG übernimmt.

Grammer ist Spezialist für Auto- und Sonderfahrzeugsitze sowie Pkw-Interieur.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

(zm) Die sich hinziehende Auseinandersetzung damals war hitzig und die Sonne schien, als vor einem Jahr nach einer achtstündigen Diskussion die Abwehrschlacht geschlagen war. Die Hauptversammlung der Grammer AG wehrte die beabsichtigte feindliche Übernahme durch die Prevent-Gruppe des aggressiven Investors Hastor ab. Ein Jahr später ist es schwül und wieder treibt der Amberger Automobil-Zulieferer den Leuten die Schweißperlen auf die Stirn. Das Unternehmen bestätigte am Dienstagmorgen laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung "fortgeschrittene Verhandlungen" über eine freundliche Übernahme durch die chinesische Ningbo-Jifeng-Gruppe.

Über SDax-Niveau

Im Mai 2017 verhinderte sie mit einem zusätzlichen 60-Millionen-Euro-Engagement, dass Hastor zum Zug kam. Nun scheint Jifeng selbst am Zug zu sein. Für angeblich 60 Euro pro Aktie (SDax zuletzt 51,30 Euro) plus der in Aussicht gestellten Dividende von 1,25 Euro. Das Angebot aus China bewertet den Amberger Mittelständler mithin auf rund 773 Millionen Euro.

Die Nachricht vom Dienstagmorgen schlug gewaltig ein. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall und stellvertretende Aufsichtsrats-Vorsitzende der Grammer AG, Horst Ott, unterbrach kurzfristig seinen Urlaub für eine Aufsichtsratssitzung, die bis in den Nachmittag hinein andauerte. Lange trat nichts nach außen, bis sich Ott vorsichtig äußerte. Demnach sei Jifeng zu "sehr weitreichenden Zusicherungen zur Sicherung der Arbeitsplätze bereit" und eröffne dem Unternehmen weitere Perspektiven im Sinne einer strategischen Partnerschaft.

Oberbürgermeister Michael Cerny wurde in Berlin von der Nachricht überrascht. Für ihn ist es noch viel zu früh, sich seriöse Gedanken über mögliche Folgen einer Übernahme von Grammer zu machen. Schließlich sei noch völlig offen, ob die Aktionärsseite auf das Angebot eingehe, und wie sich die Verhandlungen im Detail, etwa zur Arbeitsplatzsicherung, ausgestalten würden. Cerny stellt sich jedoch grundsätzlich die Frage, ob angesichts sich mehrender vergleichbarer Übernahmen mittelständische Unternehmen in Deutschland allzu stark unter Druck geraten würden.

Nicht verunsichert

Ursensollen Bürgermeister Franz Mädler sieht aktuell keinen Grund zur Verunsicherung. "Aufgrund dessen, was ich in der Vergangenheit mit Grammer erlebt habe, habe ich auch weiter volles Vertrauen in die Unternehmensführung", kommentierte er die jüngste Entwicklung. Die Grammer AG ist derzeit dabei, ihre künftige Firmenzentrale von Amberg in die Nachbargemeinde zu verlegen. Erst kürzlich war Spatenstich für die Erschließung des Areals im Nordosten von Ursensollen.

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