01.08.2018 - 10:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Ankermieter am Haken

Bewegung in Sachen Neue Münze: Es gibt ein Handelsunternehmen, dessen Interesse an der Storg-Immobilie scheinbar recht konkret ist. Auf die Diskussion um die Fassade hat das gravierende Auswirkungen.

Wie geht es weiter mit dem Forum? Ein neues Kapitel zeichnet sich ab.

Was bisher zur Debatte stand, hat sich mit dem potenziellen Ankermieter möglicherweise bald erledigt. Denn, so ließ Oberbürgermeister Michael Cerny beim Sommerinterview durchblicken, er könnte sich vorstellen, auf die denkmalschützerischen Belange weitgehend Rücksicht zu nehmen. "Wir haben jetzt einen potenziellen Mieter aus der Textilbranche, der bereit wäre, auf 3000 Quadratmetern reinzugehen. Keine Kette, sondern inhabergeführt. Genau das, was wir uns wünschen", sagte Cerny.
Der Oberbürgermeister blickte bei dem Pressegespräch in seinem Büro noch einmal auf die strittigen Punkte und die Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege zurück: "Das war Anfang des Jahres auch der Punkt, an dem wir mit dem Landesamt auseinandergegangen sind. Wir haben gesagt: Das nützt uns nix, jetzt über Fassaden zu diskutieren. Ich brauche eigentlich erst den späteren Mieter." Dieser ist jetzt offenbar gefunden und beharrt nicht auf die vom Architekturbüro Wittfoht vorgelegte Planung des Baukörpers, die unter anderem den Abriss einer Mauer im Innenhof vorsieht.

Kosten steigen

"Vermutlich wird es da hingehen, dass wir sagen: Mit einer Tektur machen wir einen kleinen Fassadenwettbewerb für vorne. Und im Innenhof würde dann die jetzige Struktur so stehenbleiben oder eins zu eins entstehen. Da müssen wir mal schauen", gibt Cerny die Richtung vor. Einfacher wird der Weg dadurch allerdings nicht. Der Rathauschef erwartet steigende Kosten. "Wir haben jetzt mehrere Effekte: Den denkmalpflegerischen Mehraufwand. Der führt natürlich zu einer wirtschaftlichen Lücke. Und wir haben gleichzeitig Baukostensteigerungen und parallel sinkende Gewerbemieten." Cerny hofft, eine staatliche Förderung hinzubekommen, die die Last der Mehrausgaben abfedert.
Den Storg-Innenhof hält der Oberbürgermeister für ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann. "Das ist etwas, was sich bei mir immer mehr manifestiert. Wenn wir auch in der Übergangszeit einen Platz hätten, so einen ,kleinen Marktplatz', dann wäre das für die Zukunft der Stadt optimal", erklärte er. "Mein Ziel ist weiterhin, eine Überdachung hinzubekommen. Dann könnten wir auch im kulturellen Bereich dort viel machen. Da wäre ich sogar bereit zu sagen: Dann nehmen wir den Innenhof als öffentlichen Raum und machen die Überdachung auf städtische Kosten."
Vor einem Jahr schlugen die Pläne zum Abriss der Innenhof-Fassade und zur Größe und Gestaltung des Baukörpers hohe Wellen. Hat man sich da um etwas gekeilt, was es so plötzlich gar nicht mehr gibt? "Ja", sagt der OB. "Ich würde bloß in Abrede stellen, dass man sagt, das war bisher falsch. Denn unter den damaligen Bedingungen, mit den damals möglichen Nutzern war das schon der richtige Weg. Denn die Lösung hängt stark vom Nutzer ab."

"Stadt bleibt stur"

Ob sich das Projekt durch die neuen Gegebenheiten verzögert? "Es geht jetzt nicht von vorne los. Wir sind schon weit, aber eine Tektur hätten wir auf jeden Fall gebraucht", sagt Cerny. Dass sich das gesamte Vorhaben seit dem Aufschlag für die neue Entwicklung 2015 hinzieht, liege daran, dass die Stadt stur sei -im positiven Sinn: "Weil wir unsere Zielsetzung nicht ändern wollen. Wir könnten dieses Objekt ganz anders und viel schneller entwickeln, wenn wir zum Beispiel sagen, wir setzen nur auf das Wohnen. Aber dann habe ich eine Objektentwicklung durchgeführt, habe aber den positiven Effekt für das Quartier nicht. Da sind wir jetzt nach wie vor stur, indem wir sagen, wir wollen einen Mix aus Handel, Dienstleistung und Wohnen und den Innenhof aktivieren."
Apropos Innenhof: Der Oberbürgermeister kann sich vorstellen, dass der Ort ausstrahlt auf die Bahnhofstraße hinaus, bis zur Spitalkirche. "Was sich im Lauf der Zeit neu entwickelt hat, ist das Ziel, einen neuen Platz zwischen Forum und Spitalkirche zu entwickeln." Das neu gestaltene Eckertgebäude und die geplante Tiefgarageneinfahrt unterbreche die Bahnhofstraße in diesem Bereich.
Die gastronomische Nutzung durch das Eiscafe und das neue Burger-Restaurant "Hans im Glück" schreie geradezu nach einer Platzgestaltung. Cerny: "Wenn wir schon den Einschnitt mit der Einfahrt haben, dann nutzen wir den doch gleich. Mir ist schon klar, dass da nicht jeder Hurra schreit, aber das ist für die Gesamtentwicklung ein Einschnitt, den man halt in Kauf nehmen muss, damit der Rest funktioniert." Angemerkt

Hintergrund:

Seit Anfang 2005 steht das ehemalige Kaufhaus Forum bzw. Storg an der Bahnhofstraße 10 und 12 leer. Beide Gebäude sind Einzeldenkmäler und als solche in der Liste des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege eingetragen.
Das Kaufhaus Storg war über die Jahrzehnte beliebte Adresse für den Einkauf – es führte ein Vollsortiment vom frischen Obst über Kleidung, Matratzen bis hin zu Fernsehgeräten. Das Ende wurde am 11. Januar 2000 mit dem von Inhaber Heinrich Storg gezeichneten Insolvenzantrag eingeläutet. Darin hieß es wörtlich: „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die vergangenen fünf Jahre im deutschen Einzelhandel die schwersten nach dem Zweiten Weltkrieg waren. Die Kaufkraft hat sich nicht weiterentwickeln können, der Konsumanteil der Bevölkerung geht seit Jahren zurück und der Wettlauf um den Kunden verschärfte sich derart, dass die Kluft zwischen den mittelständischen Einzelhändlern und den Großunternehmern größer als je zuvor ist.“ Im Mai 2000 übernahm der ehemalige Storg-Geschäftsführer Hans-Joachim Treutler das Kaufhaus. Wenige Wochen später firmierte das Warenhaus unter dem Namen Kaufhaus Forum. Ein weiterer Tiefpunkt folgte am 31. Januar 2005, als auch das Kaufhaus Forum seine Türen schloss. Im März 2015 stieg schließlich die Gewerbebau – eine Tochterfirma der Stadt Amberg – in die „Entwicklung der Forum-Immobilie“ ein, wie es damals hieß. Die bisher bekannten Planungen zur Neuen Münze stammen von den Stuttgarter Architekten aus dem Büro Wittfoht.

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Kommentar:

Gewinn für alle

Ohne Ankermieter kein sicherer Hafen für das Projekt Neue Münze – diese Devise haben OB Michael Cerny und Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik bereits vor einem Jahr ausgegeben. Damals kochten die Emotionen hoch, nachdem die Gewerbebau einen Planentwurf vorgelegt hatte, den viele als zu klobig und zu modernistisch empfunden haben. Dieser Plan, angefertigt vom Architekturbüro Wittfoht aus Stuttgart, sollte eine Einladung sein. Ein Türöffner für die Wettbewerber der bundesweit konkurrierenden Einzelhandelsbranche, die sich – natürlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten – fragen, warum sie ausgerechnet in Amberg investieren sollten. Deswegen die durchaus gewagte Gestaltung mit den bekannten Auswirkungen auf die Fassaden. Wenn es jetzt einen Interessenten aus der Region für die Immobilie gibt, der auf die denkmalpflegerischen Belange Rücksicht nehmen kann, haben alle gewonnen. Auch der Ankermieter selbst. Denn so man die Amberger kennt, wissen sie ein nachhaltiges Konzept mit einem bodenständigen Investor zu schätzen.

Uli Piehler

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