14.10.2019 - 14:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Anklage: Opfer gewürgt, geschlagen, mit Messer bedroht

Zu viert müssen sie auf der Anklagebank vor dem Jugendschöffengericht Platz nehmen. Einer von ihnen wird von zwei Polizeibeamten in Fußfesseln vorgeführt. Weshalb, ist nach der Verlesung der Anklageschrift schnell klar.

Symbolbild
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Nur holprig kommt die auf sechs Tage angesetzte Hauptverhandlung im Amtsgericht in Gang. Ein Schöffe hatte vergessen, dass er ab 8.30 Uhr zu Gericht sitzen sollte. Ersatz musste her und war nach einer Stunde gefunden. Die Anklage gegen drei junge Männer und eine Schülerin im Alter zwischen 18 und 23 Jahren hat es in sich. Sie lautet auf schwerer Bandendiebstahl und rückt den jungen Mann in Fußfesseln unweigerlich in das Licht des Hauptangeklagten (20). Vor Gewalt, um aus anderen Geld oder Informationen herauszupressen, scheint er nicht zurückzuschrecken.

Treibende Kraft

Was das beschuldigte Quartett im Januar dieses Jahres geritten hat, kam noch nicht zur Sprache und wäre bisher reine Spekulation. Die Anklage umfasst eine ganze Reihe von Delikten. Nötigung, Erpressung, Bedrohung, gefährliche sowie schwere Körperverletzung, ein versuchter und ein geglückter Einbruch stehen ebenso im Raum wie das bandenmäßige Vorgehen der Beschuldigten. Treibende Kraft schien jeweils der 20-Jährige gewesen zu sein. Er soll laut Anklage mehrfach seine Opfer gewürgt, geschlagen oder mit einem Messer bedroht haben. Gegangen sei es um Geld oder Insidertipps für geplante Gaststätteneinbrüche.

In unterschiedlichen Besetzungen und Tatbeteiligungen waren die Mitangeklagten jeweils mit dabei. Die junge Frau soll sich allerdings recht schnell aus der Gruppe verabschiedet haben, als ihr das Treiben der drei Anderen zu heiß wurde. Vier Angeklagte, vier Anwälte, die Stellungnahmen der Jugendgerichtshilfe, sechs Verhandlungstage, das sieht nach einem komplexen und kräftezehrenden Verfahren aus.

Als Vorsitzender des Jugendschöffengerichts ergriff deshalb Peter Jung die Initiative und bat die Prozessbeteiligten zu einem Rechtsgespräch. Nach eineinhalb Stunden hinter verschlossenen Türen waren die Eckpunkte des weiteren Prozessverlaufs abgesteckt. Demnach stellte das Gericht den Beschuldigten gegen "ein Geständnis im Sinne der Anklage" Strafen zwischen maximal vier Jahren und vier Monaten für den 22-Jährigen sowie Bewährungsstrafen von mindestens einem Jahr und drei Monaten für seine Kumpane in Aussicht.

Morgen geht es weiter

Das zu erwartende Urteil gegen die 18-Jährige war offenbar nicht Gegenstand des Rechtsgesprächs, ein vermutlich gutes Zeichen für sie. Die Beschuldigten, deren Anwälte und die Staatsanwaltschaft stimmten diesem weiteren Vorgehen zu. Der Prozess wird morgen fortgesetzt, dann werden sich erstmals die Angeklagten äußern.

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