03.12.2021 - 11:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Anti-Giftköder-Training Hunden das Leben retten

In der Region Amberg-Sulzbach häufen sich die Giftköder-Attacken auf Hunde. Die zertifizierte Hundetrainerin Alexandra Weidisch will das nicht länger so hinnehmen. Sie reagiert, klärt auf und bietet sogar Kurse zum Schutz der Vierbeiner an.

Balu macht alles richtig: Wenn er wie in diesem Fall Würste entdeckt, in denen Nägel stecken, frisst er sie nicht, sondern präsentiert sie stolz seinem Frauchen.
von Adele SchützProfil

Mit großer Besorgnis reagiert die zertifizierte Hundetrainerin Alexandra Weidisch aus Schnaittenbach auf die vermehrten Giftköder-Attacken auf Hunde in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach. Die Vorsitzende des Gebrauchshundevereins Schnaittenbach hat sich etwas dagegen einfallen lassen und geht damit an die Öffentlichkeit.

Weidisch ist selbst stolze Besitzerin eines Rottweilers und einer Mischlingshündin. Schon allein deswegen rät sie zu Selbstschutzmaßnahmen für die Tiere: „Viele Hunde sind auf dem Spaziergang regelrechte Staubsauger", sagt sie und fügt hinzu: "Jeder noch so kleine Essensrest gehört ihnen. Aber auch Kaugummis, Hinterlassenschaften von anderen Tieren, Artgenossen oder Menschen werden einverleibt.“

Die Angst beim Gassigehen

Doch was ist, wenn die Nahrungsreste im Gebüsch bereits verdorben sind, der Kot mit Medikamenten oder Parasiten besiedelt ist, was schnell zu Bauchweh oder schwerwiegenderen Problemen beim Hund führen kann? Nicht zuletzt bleibe bei jedem heruntergeschlungenen Fund des Hundes auf dem Spaziergang die Sorge des Besitzers, dass es sich um absichtlich ausgelegte Giftköder handeln könnte. Diese Tatsachen sind nicht nur Alexandra Weidisch bekannt, sondern auch allen anderen Hundebesitzern. Die vermehrten Giftköder-Attacken in jüngster Zeit sorgten dafür, dass Herrchen und Frauchen verunsichert seien. Das Gassigehen mit dem Hund sei kein Vergnügen mehr, sondern eine von Ängsten überschattete Pflicht, glaubt Weidisch.

Ein strukturiertes Anti-Giftköder-Training könne im Zweifelsfall nicht nur die eigene Ekelgrenze minimieren, wenn der Hund mal wieder genüsslich Pferdeäpfel oder Ähnliches verschlungen hat, sondern auch Hundeleben retten: „Ein Hund, der gelernt hat, in der freien Natur beim Gassigehen und auch im eigenen Garten nichts aufzunehmen, läuft auch nicht Gefahr, einem gezielt ausgelegten Giftköder zum Opfer zu fallen.“

Hund präsentiert seinen Fund

Die Hundetrainerin empfiehlt Mensch und Tier, einen Anti-Giftköder-Kurs zu besuchen, bei dem man lerne, wie man seinen Hund davon abhält, Essbares oder auch nicht Essbares aufzunehmen. Der Vierbeiner lerne so, sich von fressbaren Dingen "abrufen" zu lassen, vor dem Futter rechtzeitig zu stoppen, seine Funde "anzuzeigen" und er lerne, dass sich ein sicheres Aus-Signal sogar für ihn lohne. Ein kontrolliertes Öffnen des Hundemauls sei im Notfall anzuraten, wenn Herrchen oder Frauchen bemerken, dass der Vierbeiner sich gerade etwas einverleibt, was er beim Gassigehen gefunden hat. Als Sofortmaßnahme hilft laut Weidisch auch das Tragen eines Maulkorbes mit Fressschutz: „Dieses in den Kursen antrainierte Verhalten dient dem Hund als Selbstschutz und sorgt beim Hundebesitzer für ein entspanntes Gassigehen mit dem Vierbeiner.“

Am Beispiel von Hund Balu erklärt die Hundetrainerin, wie effektiv ein Anti-Giftköder-Kurs ist: „Balu hat mit drei Jahren den Anti-Giftköder-Kurs mit seinem Frauchen Manuela bei mir gemacht. Balu hat in dem Kurs erst ein neues Kommando für einen Rückruf von Fressbarem gelernt. Dies geschieht sehr kleinschrittig und positiv. Dann haben wir angefangen, Schritt für Schritt ein Anzeigeverhalten aufzubauen." Das heißt: "Wenn Balu im Freilauf etwas findet, das er für fressbar hält, setzt er sich dort hin und zeigt somit seinem Frauchen an, dass er was gefunden hat." Seine Besitzerin sei zwar manchmal nicht so begeistert von den Dingen, die ihr Balu anzeigt, wie Kadaver von Tieren oder andere eklige Dinge, trotzdem freue sie sich jedes Mal überschwänglich: "Weil Balu es ja auch hätte fressen können."

Training mit Katzenfutter

Der gesamte Kurs basiere auf positiver Bestätigung. Der Hund lerne, dass egal, was er findet, Frauchen oder Herrchen immer etwas Besseres bieten und zeigen könne. Dadurch sei es auch möglich, eventuell gefundene Giftköder zu sichern und andere Tiere davor zu schützen. Im Kurs werde mit allen möglichen Leckereien und Dingen geübt: Pferdeäpfel, Katzenfutter, Streichwurst, Frikadellen und sogar Rehbeinen.

Die Antigiftköderkurse werden von Hundeschulen, Hundetrainern und von Vereinen angeboten. Die Kurse sind für alle Hunde jeden Alters geeignet. „Hunde lernen immer. Ältere Hunde brauchen vielleicht manchmal etwas länger. Aber sie lernen genauso gut wie die jungen“, sagt Alexandra Weidisch. Ab etwa acht Monaten nimmt sie Hunde für den Kurs an. Die Hundefachfrau steht für Informationen unter der Handynummer 0160/992 293 10 oder per E-Mail an info[at]aw-hundetraining[dot]de zur Verfügung.

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Amberg

„Ein Hund, der gelernt hat, in der freien Natur beim Gassigehen und auch im eigenen Garten nichts aufzunehmen, läuft auch nicht Gefahr, einem gezielt ausgelegten Giftköder zum Opfer zu fallen.“

Hundetrainerin Alexandra Weidisch

Hintergrund:

Tipps von Alexandra Weidisch für sicheres Gassigehen

  • Nicht mit dem Hund schimpfen. Das Schimpfen kann dazu führen, dass der Hund das Gefundene erst recht schnell runterschluckt.
  • Ein Maulkorb mit Fressschutz ist die sicherste Alternative zum Hundetraining. Ist ein Maulkorb in Ordnung, hat ein Hund keinerlei Probleme damit.
  • Dem Hund vom Welpenalter an beibringen: Egal was ist, Frauchen oder Herrchen haben immer etwas Besseres zum Fressen zu bieten.
  • Seinen Hund beobachten. Wenn man schaut, woran er gerade sehr interessiert schnuppert, kann man vielleicht noch rechtzeitig eingreifen.

 

 

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