13.11.2019 - 16:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Arbeitslosigkeit seit 2009 fast halbiert

Digitalisierung, Facharbeitermangel: Der Arbeitsmarkt steht vor Herausforderungen. Positiv ist der Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre: In der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde die Arbeitslosigkeit nahezu halbiert.

Efstathios Panagiotou und seine Frau Dimitra (links) sind von Trikala nach Amberg gezogen, wo der Grieche als Pflegekraft im Heilig-Geist-Stift arbeitet. Im Gespräch mit (von rechts) Landrat Richard Reisinger, dem Arbeitsagenturleiter Markus Nitsch und OB Michael Cerny schilderte er seine Erfahrungen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Zu einem Gespräch mit Oberbürgermeister Michael Cerny und Landrat Richard Reisinger war Markus Nitsch, Leiter der Agentur für Arbeit Schwandorf, ins Rathaus gekommen. Seit 2009 sei die Arbeitslosigkeit in der Region deutlich zurückgegangen - um 47 Prozent zwischen Oktober 2009 und Oktober 2019 sowohl in Amberg als auch im Landkreis. Die Arbeitslosenquote habe sich in dieser Dekade verbessert: in Amberg von 8,3 auf 4,2, im Landkreis von 4,3 auf 2,2. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat kontinuierlich zugenommen: um 22 Prozent im Landkreis, um 20 Prozent in Amberg.

Immer mehr offene Stellen

Nitsch beantwortete auch die Frage, woher die Menschen kommen, die Stellen besetzen: Die Hälfte aus der Region, die andere Hälfte seien Zuwanderer aus dem Ausland oder aus anderen Teilen Deutschlands. Auch die Zahl der Pendler steige immer weiter an. "Dass ein Landkreis mehr Auspendler wie Einpendler hat, ist völlig normal für den ländlichen Raum", so der Arbeitsagentur-Chef. Als Herausforderung für die Betriebe nannte er die Tatsache, dass es immer mehr offene Stellen gebe. Die Zahl der Bewerber und der Ausbildungsstellen waren 2009 in Amberg und 2018 im Landkreis identisch. Doch die Schere werde sich immer weiter öffnen, so Nitschs Blick in die Zukunft.

Der Arbeitsagentur-Chef kam auf die Ist-Situation zu sprechen. Gegenüber 2018 ist die Arbeitslosigkeit im Oktober in Amberg gestiegen: Um 11,3 Prozent - allerdings von einem sehr niedrigen Niveau von 3,8 Prozent aus. Deshalb sieht Nitsch auch keinen Anlass zur Panik. Nicht so stark wie in der Stadt stieg die Arbeitslosigkeit im Landkreis an: um 5,5 Prozent im Vergleich zum Oktober 2018.

Landrat Richard Reisinger bezeichnete die Zeit von 2009 bis 2019 als zehn prosperierende Jahre. Vom Mangel an Arbeitskräften seien das Handwerk und die Gastronomie sowie das nahrungsmittelverarbeitende Gewerbe betroffen. Auch Busfahrer würden vielfach gesucht. OB Michael Cerny führte die Automobilindustrie und die Zulieferer ins Feld, die aktuell mit Problemen zu kämpfen hätten. "Wenn diese Branche vorsichtig ist, trifft's auch den Maschinenbau." Und er stimmte Reisinger zu: "Man kann den ÖPNV gedanklich ausbauen, was aber nichts nutzt, wenn man keine Busfahrer findet."

Ungelernte qualifizieren

Durch die Digitalisierung würden Arbeitsplätze wegfallen. Nitsch sieht die Gefahr, dass es viele Verlierer gibt: vor allem diejenigen, die keine Ausbildung haben. Stellen, wofür keine Fachkräfte nötig seien, würden viel schneller automatisiert, erklärte er. Der Leiter der Agentur für Arbeit verwies in diesem Zusammenhang auf die angebotenen Qualifizierungsmaßnahmen. So bestünde auch die Möglichkeit, Menschen zu qualifizieren, die in Arbeit seien. "Das geht natürlich nur in Zusammenarbeit mit den Unternehmen."

Um offene Stellen besetzen zu können, sei die "Region darauf angewiesen, dass Bauarbeiter, Pflegekräfte, Erzieher oder auch Ärzte zu uns kommen", sagte Cerny über die Migration.

Info:

Amberg als Chance

Efstathios Panagiotou stammt aus Trikala, Ambergs griechischer Partnerstadt, wo die Arbeitslosenquote bei 30 Prozent liegt. Er ist gelernter Koch, war aber auch schon als Friseur tätig. Mit seiner Frau Dimitra ist er nach Amberg gekommen, um in der Pflege im Heilig-Geist-Stift zu arbeiten. Das Ehepaar ist froh, dass es diesen Schritt gemacht hat. „Ich hoffe, dass wir viele, viele, viele Jahre hier bleiben“, sagt der Grieche. Er verhehlt nicht, dass der Anfang schwierig gewesen sei. Seiner Meinung nach steht und fällt alles damit, ob man unterstützt werde. „Egal, ob man aus Australien oder Afrika ist, man braucht Unterstützung“, unterstrich er und zeigte sich dankbar für die Hilfe, die er bekommen hat, unter anderem vom griechischen Freundschaftsverein Hellas.

Er und seine Frau seien quasi Versuchskaninchen, sagte er scherzhaft, zeigte sich aber überzeugt, dass andere Griechen seinem Beispiel folgen und hierher übersiedeln. Angesichts der Tatsache, dass hier Busfahrer händeringend gesucht werden, sagte Efstathios Panagiotous Frau Dimitra: „In Griechenland sind die Busfahrer alle arbeitslos.“ Sie selbst lernt gerade Deutsch und will dann auch arbeiten. „Ich möchte Menschen helfen, dass sie eine Arbeit finden.“

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