28.11.2018 - 09:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Auer Guss stellt Insolvenzantrag

Im ersten Halbjahr 2018 macht Auer Guss einen ordentlichen Gewinn. Dann bricht die Produktion plötzlich ein. Die Folge ist der Insolvenzantrag, den die Eigentümer am Dienstag stellen. Aber Auer hat eine Zukunft, sagt der Insolvenzverwalter.

Der Amberger Automobilzulieferer Auer Guss hat Eigeninsolvenzantrag gestellt.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Rund 250 Mitarbeiter in Amberg und im tschechischen Asch wurden am Dienstag von der Mitteilung kalt erwischt: Auer Guss muss Insolvenz anmelden. Der Automobilzulieferer mit dem Schwerpunkt auf Aluminium- und Magnesiumguss hat schlicht kein Geld mehr, um in den kommenden Monaten die Löhne und Gehälter bezahlen zu können. Auer Guss baut unter anderem Halterungen für die Multimedia-Anlagen in Fahrzeugen sowie Metallteile für Mittelarmstützen.

Dabei hatte das Jahr so gut begonnen. Wie Insolvenzverwalter Hubert Ampferl am Mittwoch gegenüber Oberpfalz-Medien sagte, brummte es bis Ende August an den beiden Amberger und dem tschechischen Standort so richtig. "Im ersten Halbjahr hat Auer Guss noch einen operativen Gewinn gemacht." Der Einbruch folgte auf dem Fuß. "Da ging dann plötzlich überhaupt nichts mehr", so Ampferl. Das liege unter anderem daran, dass der wichtigste Kunde der Amberger, der Volkswagen-Konzern, nach den Werksferien fast keine Modelle mehr produziert habe - wegen der Probleme mit der Neuzertifizierung für den neuen Abgasteststandard WLTP.

Auf der anderen Seite habe Auer Guss just zu dem Zeitpunkt eine ganze Reihe neuer Werkzeuge und Formen für die Produktion des Jahres 2019 entwickelt, was sehr kostspielig gewesen sei. "Damit war die Liquidität des Unternehmens im Betriebsvermögen gebunden." Urplötzlich waren die Mittel knapp, die Eigentümerfamilie stellte einen Insolvenzantrag. Rechtzeitig, wie Ampferl meint. "Die haben da sehr verantwortungsbewusst gehandelt", sagt er auch mit Blick auf die Tatsache, dass derzeit keine Lohn- und Gehaltsforderungen gegen das Unternehmen bestehen.

Seit Dienstag sitzt nun der erfahrene Insolvenzverwalter am Ruder. Noch am Abend appellierte er bei einer Betriebsversammlung an die Belegschaft, bei der Stange zu bleiben. "Wir müssen ab Januar 2019 am Samstag sogar in zwei Schichten arbeiten, so viele Aufträge sind da", schildert er die Ausgangsposition. Die Kunden hätten schon signalisiert, weiterhin bei Auer zu kaufen. "Die Kunden schätzen die sehr gute Qualität von Auer Guss." Die Umsatzaussichten für kommendes Jahr seien sogar sehr gut.

Die nächsten drei Monate zahlt jetzt erst einmal die Agentur für Arbeit aus dem Insolvenzgeldtopf die Löhne, in den die Unternehmen regelmäßig einzahlen. Gesucht ist jetzt ein Käufer, der das Unternehmen weiterführen will. "Interessenten haben sich schon bei mir gemeldet", sagt Ampferl.

Die offizielle Pressemitteilung:

"Der Gießereibetrieb wird nahtlos fortgeführt - parallel wird bereits an einer Sanierungslösung gearbeitet", heißt es in einer Pressemitteilung, die das Büro des Insolvenzverwalter am Mittwoch veröffentlichte. „Die Insolvenzanmeldung hat keine Auswirkungen auf den laufenden Geschäftsbetrieb“, betont Ampferl darin. Die Löhne und Gehälter der rund 170 Mitarbeiter seien für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert und könnten pünktlich ausbezahlt werden.

Noch am Dienstag hat der vorläufige Insolvenzverwalter laut Presse-Info gemeinsam mit seinem Team die Arbeit vor Ort im Unternehmen aufgenommen und im Rahmen von Betriebsversammlungen die Mitarbeiter über die aktuelle Lage informiert. Gleichzeitig habe er im ersten Schritt Kontakt mit den wichtigsten Kunden und Lieferanten aufgenommen. „Wir werden weiterhin alle Aufträge und auch neue Bestellungen in der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität ausführen“, wird Ampferl zitiert.

In den kommenden Wochen will er demnach in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung und dem Gläubigerausschuss alle Sanierungsoptionen als Grundlage eines erfolgreichen Investorenprozesses prüfen. Auer Guss fertigt in seinen beiden Standorten in Amberg und in Asch (Tschechien) unter anderem Druckgussteile aus Aluminium und Magnesium für die Automobilindustrie. Als Folge der gesunkenen Absatzzahlen bei den Automobilherstellern kam es teilweise zu Auftragsstornierungen und zu Mengenrückgängen. Zusätzlich belasteten hohe Einmalkosten und Investitionen in neue Produkte das Unternehmensergebnis.

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