12.04.2019 - 10:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Auferstehung für die Martinsorgel

Wenn die Spanischen Trompeten in der Osternacht loslegen, dann rührt sich was in der Basilika. Doch die pompösen Klänge übertönen, wie es um die Orgel wirklich steht. Das Instrument in St. Martin pfeift aus dem letzten Loch.

von Uli Piehler Kontakt Profil

"Jede Orgel ist genau auf den Kirchenraum, in dem sie steht, abgestimmt", sagt Regionalkantor Bernd Müllers. Bei dem Instrument in der Basilika St. Martin ist das ein bisschen anders. Obwohl 1969 extra für die gotische Hallenkirche geplant, zusammengestellt und aufgebaut, will sie sich nicht so recht in das Gotteshaus einfügen. Ein Gutachten bescheinigte der Orgel 2010 sogar grundsätzliche Konstruktionsfehler und eine ganze Reihe von Materialschäden. Defizite, die Müllers nur mit etlichen Verrenkungen an Tastatur und Registerzügen überspielen kann.

Die Martinsorgel ist mit ihren 61 Registern und 4408 Pfeifen eine der größten in der Region. Ihre Geschichte stand von Anfang an unter keinem guten Stern. 1968 begannen die Mitarbeiter der Firma Walcker aus Ludwigsburg, das Instrument aufzubauen, doch schon der Standort war unglücklich gewählt. Den Spieltisch und das sogenannte Schwellwerk platzierten die Orgelbauer auf der Empore im Turm. Den Hauptteil stellten sie in das Seitenschiff auf der Marktplatzsseite - ungünstige Voraussetzung für die Akustik.

Im Frühjahr 2010 sah sich Gerhard Siegl das Instrument an. Er ist Orgelsachverständiger der Diözese Regensburg. „Größtes Problem ist die Technik. Absolut mangelhaft ist die mechanische Tontraktur, die ein anspruchsvolles künstlerisches Orgelspiel schwer zulässt", schrieb er damals in sein Gutachten. "Von Zuhörern und Gottesdienstbesuchern werden die im Gutachten beschriebenen Mängel vielleicht noch nicht direkt wahrgenommen", erklärt Bernd Müllers. Er hat recht und ist selbst der Grund dafür. Denn der Musiker scheint jede Pfeife persönlich zu kennen. Mit etlichen Tricks und Verrenkungen überspielt er die Mängel im wahrsten Sinne des Wortes.

Eines der Hauptprobleme ist auch der Dreck, der sich in den Pfeifen angesammelt hat. Um die Ventile abzudichten, verwendeten die Orgelbauer vor 50 Jahren Schaumstoff. Dieser ist porös geworden, zerfällt und sammelt sich in den Pfeifenröhren. Müllers: "Ein Ausfall ganzer Register und Teilwerke der Orgel sind dann letztendlich nicht mehr auszuschließen." Zusammen mit anderen tatkräftigen Unterstützern aus der Pfarrei packt Müllers das scheinbar Unmögliche an: Seit 2011 sammelt er Geld für eine neue Orgel, die tatsächlich auf die Akustik der Hallenkirche abgestimmt und an einer anderen Stelle stehen soll - vielleicht sogar auf einer neuen Empore.

Auch die Pfarrei St. Georg sammelt für eine neue Orgel

Amberg

Nach fast acht Jahren hat der Verein „Projekt Orgel St. Martin“ schon mehr als 250 000 Euro zusammen. Rund 750 000 Euro fehlen noch. Franz Meier, der Vorsitzende des Vereins ist zuversichtlich. "Etwa die Hälfte der Kosten übernimmt nach derzeitigem Stand die Diözese", erklärt er. Das bedeutet, dass bei einer halben Million auf dem Konto gute Chancen auf eine Realisierung bestehen. Bis dahin hat der Verein noch Zeit, denn der Orgelbau steht ganz am Ende der laufenden Sanierungsarbeiten der Basilika. Erst muss noch die Außenfassade und der Innenraum renoviert werden. "Das kann noch Jahre dauern, bis die Orgel drankommt."

Solange muss sich Bernd Müllers noch verrenken, um das Bombardwerk mit den Spanischen Trompeten ertönen zu lassen. Er macht das jetzt schon seit 30 Jahren, da kommt es auf ein paar Jährchen hin oder her auch nicht mehr an.

Infos zu Orgelbauverein und Mitgliedschaft

Info:

Feierliche Ostermessen

Wenn die Pfarrei St. Martin Ostern und Weihnachten feiert, dann legen sich die Musiker aus der Gemeinde besonders ins Zeug. Derzeit bereiten sie sich intensiv auf die Gestaltung der Ostermesse am Sonntag, 21. April, vor. Die Hauptprobe findet für die Chöre (Kirchenchor St. Martin und Martinsgänse) am Samstag, 13. April, im Pfarrheim von St. Martin statt. Hier werden nochmals Feinheiten der Messe (Krönungsmesse von Mozart) herausgearbeitet. Dauer: 13.30 bis 16 Uhr.

Am Karsamstag, 20. April, finden sich die Chormitglieder dann um 14 Uhr zur Generalprobe in der Basilika ein. Hier sind auch schon die meisten Instrumentalisten dabei. Die Einsingprobe mit allen Beteiligten am Sonntag beginnt dann eine Stunde (8.30 Uhr) vor dem Festamt.

Weitere Chortermine: Am Palmsonntag, 14. April, ist Palmweihe in der Frauenkirche um 9 Uhr (die dazu ausnahmsweise geöffnet ist) mit anschließendem Umzug zur Basilika, wo ein feierlicher Gottesdienst stattfindet. Um 17 Uhr geben dann auch noch die Martinsgänse ein Konzert in der Frauenkirche. Am Gründonnerstag, 18. April, ist um 19.30 Choramt. Die Karfreitagsliturgie beginnt am 19. April um 15 Uhr. Die Auferstehungsmesse wird am Karsamstag, 20. April, um 20.30 Uhr gefeiert.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.