15.02.2019 - 10:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Basketballer der Lebenshilfe fliegen im März nach Abu Dhabi

Die Sohlen der Turnschuhe quietschen auf dem Hallenfußboden. Schnell geht der Basketball hin und her. Dann Jubel: Josi wirft einen Korb. Es ist ein Freitag wie jeder andere für die Sportler der Lebenshilfe - und doch ist etwas anders.

Die Basketballer der Lebenshilfe bereiten sich auf die Weltspiele in Abu Dhabi vor.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Nur noch wenige Wochen und die erste Mannschaft der Basketballtruppe der Lebenshilfe steigt in den Flieger nach Abu Dhabi. Dort nehmen sie teil an den Weltspielen der Special Olympics - das Pendant für Menschen mit geistiger oder Mehrfachbehinderung zur Sommerolympiade. Vergangenes Jahr holte die Amberger Mannschaft die Goldmedaille auf nationaler Ebene und hat sich somit für den internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Ohne Stress zum Meister

"Zuerst konnten sie es gar nicht so fassen, was das jetzt bedeutet", sagt Engelbert Ludwig Weidel, der mit seinem Sohn Ludwig Weidel junior, schon seit Jahren die Lebenshilfe-Mannschaft trainiert. "Einer unserer Spieler arbeitet ganz normal draußen in einer Bäckerei. Seine Kollegen waren völlig überrascht, dass er zu den Weltspielen fährt. Wir haben es ihnen schriftlich gegeben", erzählt der 67-Jährige Weidel lachend. Je näher das Abflugdatum rückt, desto größer wird nun die Vorfreude bei den Spielern. "Wir nehmen uns gar nichts vor, im Gegenteil. Wir wissen ja noch gar nicht, was uns erwartet", erklärt Weidel senior. Gerade auf die Gegner aus den USA und Osteuropa seien sie gespannt. Denn gerade dort werde die Bezeichnung "geistige Behinderung" wohl etwas großzügiger ausgelegt, meint der Senior-Trainer mit einem Augenzwinkern. "Ich mache mir aber keine Sorgen um meine Jungs, auch nicht bei Gegnern, die einen Kopf größer sind als sie." Zweifacher deutscher Meister seien sie ja auch geworden, weil sie sich keinen Stress machen. "Das Ziel ist, die Erfahrung zu machen, und großen Spaß zu haben", so der Trainer weiter. Das komplette Sportangebot der Lebenshilfe stützt sich auf Freiwilligkeit. Wer nicht mag, muss nicht mitmachen. "Aber wenn die Jungs spielen, wollen sie auch gewinnen."

Als "schwieriger" findet Weidels Sohn Ludwig, die Arbeit mit geistig behinderten Sportlern nicht, ganz im Gegenteil. "Ich hab mal an einer normalen Schule Basketballunterricht gegeben, aber nicht lange. Dem war ich nicht gewachsen", sagt er und lacht. Seine Jungs und Mädels seien einfach nur liebe Menschen. "Wenn man ihnen was sagt machen sie das. Da gibt es keine Diskussion."

In der Freizeitmannschaft, die mit 40 Leuten gut frequentiert ist, herrscht es eine beachtliche Frauenquote. Diese müssen aber leider zu Hause bleiben, obwohl sie richtig gut spielen, wie ihr Trainer versichert. Zum Wettbewerb fährt eine reine Herrenmannschaft.

Vorbereitung auf Kultur

Bereits am 8. März beginnt das Host Town Programm. Vier Tage lang können sich die Sportler in Dubai akklimatisieren, trainieren und die arabische Kultur kennenlernen. Ganz unvorbereitet fliegen die Jungs aber sowieso nicht. "Wir veranstalten Abende an denen wir über die arabische Kultur sprechen und ein paar Verhaltensregeln lernen. Das ist gar nicht so leicht. Man darf zum Beispiel nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen", erklärt Weidel. Außerdem erhält jeder Teilnehmer ein Dress, das ihn eindeutig als Mannschaftsmitglied identifiziert. Nur diese Kleidung darf, auch in der Freizeit, in Abu Dhabi getragen werden. Bedenken, dass ihre Truppe das nicht hinbekommt, hat das Trainerteam nicht. Kein Wunder, wenn man sieht, mit welchem Elan die Jungs spielen.

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