11.02.2020 - 10:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Bauern suchen Gespräch mit EU-Politikerin Marlene Mortler

Der Frust der Bauern, die, wie in einer BBV-Versammlung zu hören war, in der Öffentlichkeit als Sündenböcke beim Thema Umweltschutz herhalten müssen, sitzt tief. Das bekam in Oberleinsiedl die Europaabgeordnete Marlene Mortler zu hören.

EU-Abgeordnete Marlene Mortler mit Peter Beer und Brigitte Trummer vom Bauernverband (von rechts).
von Gerd SpiesProfil

Der Bauernverband Amberg-Sulzbach mit Kreisbäuerin Brigitte Trummer und Kreisobmann Peter Beer hatte eingeladen, um mit ihnen über die Folgen der europäischen Agrarpolitik für die Landwirtschaft zu diskutieren. „Von jeder Seite wird auf uns eingeprügelt! Die Emotionen liegen bei uns Bauern blank!“ Seit Wochen gehen bereits Bayerns Landwirte auf die Straße und demonstrieren gegen die Pläne der EU beziehungsweise Bundesregierung.

Viele Notizen machte sich die 64-jährige CSU-Politikerin aus Lauf a. d. Pegnitz an diesem Abend für die bevorstehenden Verhandlungen in Berlin und Brüssel. Besonders die verschärften Auflagen, die die Bundesregierung bei der bereits seit 2017 existierenden Düngeverordnung plant, stehen dabei im Fokus der Landwirte. Die EU hatte ja Deutschlands Landwirtschaft wegen zu hoher Nitratbelastung des Bodens verklagt und Recht bekommen. Seit Wochen kämpfen nun Bayerns Bauern gegen die neuen Pläne. Sie werfen der EU vor, dass es europaweit keine vergleichbaren Messkriterien gebe. „Wie messen die anderen Mitgliedstaaten? Wir brauchen einheitliche Kriterien“, diktierten die Landwirte am Freitagabend der EU-Abgeordneten in den Notizblock.

Marlene Mortler gilt in der CSU als Agrarexpertin. Von 2002 bis 2019 saß sie im Bundestag. Bis 2019 war sie auch die agrarpolitische Sprecherin der CSU im Bundestag. Als Tochter eines fränkischen Hopfen-Bauern hatte sie den elterlichen Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann übernommen. Heute bewirtschaftet ihn einer ihrer Söhne. „Wir müssen umweltschonender produzieren“, lautet ihre Devise der Zukunft. Als gelernte Hauswirtschaftlerin tue ihr es besonders weh, dass in Deutschlands Haushalten 40 Prozent der Lebensmittel weggeworfen werden würden. Sie wünsche sich mehr Öko-Landbau, sehe aber dabei auch den Verbraucher in der Pflicht. „Allein wenn alle Grünen-Politiker Bio-Produkte kaufen würden, wäre der Absatz schon viel größer“, meinte sie mit Blick auf die Oppositionspartei.

Mortler räumte auch ein, dass sich die politischen Verhältnisse in Brüssel seit der vergangenen Wahl geändert hätten. „Mit Martin Schulz konnte man sich auf die Sozialisten verlassen, das ist heute nicht mehr so“, sagte sie. Im Dezember 2019 hatte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den sogenannten „Green Deal“ vorgestellt, ein großes Maßnahmenpaket der EU mit dem Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Dazu gehöre auch eine auf Umwelt und Klima ausgerichtete Agrarreform mit einer drastischen Reduzierung von Pestiziden und Dünger.

Die Europa-Abgeordnete ließ keine Zweifel daran, dass die Landwirtschaft in Europa ihren Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten müsse, ist aber optimistisch. „Wir haben in der Vergangenheit immer Alternativen gefunden“, sagte sie in Oberleinsiedl. So mancher Landwirt im Saal teilte aber nicht diesen Optimismus.

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