15.10.2020 - 10:40 Uhr
AmbergOberpfalz

„Beethoven und die Unsterblichkeit“ fasziniert im Stadttheater Amberg

Das war etwas Besonderes: „Beethovens Unsterblichkeit für Fortgeschrittene“, hieß das Programm, das die Zuhörer im Stadttheater Amberg fesselte.

Beethovens letzte Visionen in Sprache und Musik wurden spannend und lebendig im Stadttheater dargeboten.
von Helmut FischerProfil

Das Beethoven-Konzert war etwas Besonderes. Nicht (nur) deshalb, weil dieses Musikgedankentheater im Bühnenraum des Stadttheaters stattfand, sondern weil Beethovens letzte Visionen in Sprache und Musik spannend und in nachhaltiger Intensität lebendig wurden.

Kulturreferent Fabian Kern begrüßte die Besucher im Bühnenraum des Theaters zu diesem Musikgedankentheater. Ein Perspektivenwechsel sei es, diese Veranstaltung im Bühnenraum zu gestalten, denn so ergäbe sich eine „andere Sicht“ auf das Gebotene. Perspektivenwechsel war auch der Leitgedanke dieses Abends. Beethovens Gedanken im Bewusstsein seines bevorstehenden Todes zur Zukunft der Musik, zur Möglichkeit, seine Genialität und Einzigartigkeit in eine Maschine zu implementieren, diese wurden in einer fiktiven Begegnung des todkranken Beethoven mit dem Automatenbauer Johann Nepomuk Mälzel in einer intensiven, spannenden Erzählung nahegebracht. Protagonisten dieser Geschichte waren Tina Teubner als Sprecherin, Ben Süverkrüp als Autor und Stephan Picard (Geige) als Interpret von Sätzen aus Beethovens Violinsonaten. Schon bei der Frühlingssonate überzeugten sie dabei mit gut korrespondierendem Spiel. Der Pianist war mit geschmeidigem Anschlag sowohl bei perlenden Läufen wie auch bei kraftvollem Spiel souveräner Gestalter, und Stephan Picard malte mit seiner edlen Guarnerie wunderschöne Linien in den Raum, war virtuos der adäquate Partner, dessen Instrument besonders in den gesanglichen Piano-Stellen zur Geltung kam. Der jeweilige Textcharakter wurde mit Sätzen aus der c-moll Sonate und mit Adagio und Allegretto aus der 10. Violinsonate eindrucksvoll nachgezeichnet. Zu Beginn hörte man bei Beethovens cis-moll-Klavier-Sonate zunächst den Disput Beethovens Haushälterin mit dem ankommenden Mälzel. Denn Beethoven hat den Erfinder des Metronoms und anderer Musikautomaten zu sich bestellt: er soll eine Maschine erstellen, die Beethovens Musik fortschreiben kann, seine Musik, die Freiheit, Menschlichkeit, Liebe zum Ausdruck bringt und für alle folgenden Generationen den Maßstab setzt. Ben Süverkrüp hat diese Erzählung um Wunsch nach Unsterblichkeit mit den Grenzen der maschinellen Intelligenz in Beethovens Lebensgeschichte verbunden. Ein prügelnder, ehrgeiziger, alkoholkranker Vater und eine schwache Mutter hinterlassen eine unstillbare Sehnsucht nach Liebe bei Beethoven, die in seiner Musik aufstrahlt und Erfüllung findet, aber in Beethovens Beziehungs-Leben unerfüllt bleibt. „Ohne Liebe ist der Mensch kein Mensch“, so sein Credo, doch „Warum muss jeder Versuch, Liebe zu finden, in Zerstörung enden“ drückt seine resignierende Reflexion aus. Die emotionale Unberechenbarkeit des Komponisten, sein unerbittliches Streben nach Vollkommenheit und die Vision einer freien, menschlichen Gesellschaft, dies wurde mit zwingender Eindringlichkeit nahegebracht. Insbesondere die Freiheitsliebe Beethovens wurde thematisiert. „Ich mache mir Sorgen um die Freiheit; nur durch die Freiheit ist der Mensch Mensch“, wird der todkranke Genius zitiert. Bald präsentiert Mälzel seinen ersten Entwurf. Kleinlaut muss er gestehen: "Diese Maschine kann alles. Sie kann aus einem Gassenhauer eine Doppelfuge machen, aber es fällt ihr Nichts ein." Als Höhepunkt der Geschichte präsentiert Mälzel dann doch seine Zukunftsmaschine. In kreischenden futuristischem Sound ist „Atemlos“ (Helene Fischer) zu hören „Das soll die Musik der Zukunft sein“ empört sich Beethoven und setzt Mälzel wütend vor die Tür. „Die Musik der Zukunft - der Mensch wäre ihr Maß gewesen“ ist seine Vision.

Diese fiktive Geschichte, mit ihren unübersehbaren Bezügen zur Gegenwart, wurde von Tina Teubner in wandlungsfähiger Intensität und Leidenschaft mit Leben erfüllt, war eindringlich, berührend und bewegend und entließ das Publikum in nachdenklicher Stimmung.

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