Amberg
04.12.2025 - 11:45 Uhr
OnetzPlus

Beraterin Anika Maßmann hilft Kulturschaffenden, an Fördergelder zu kommen

Als Beraterin hilft die Ambergerin Anika Maßmann Kulturschaffenden dabei, bürokratische Hürden bei der Finanzierung ihrer Projekte zu überwinden. Ein Blick in die Welt der Kulturförderung.

Anika Maßmann ist Kulturmanagerin und Förderberaterin für Kunst und Kultur. Dass sich die 31-jährige Ambergerin heute so intensiv mit Zahlen und Förderbedingungen beschäftigt, sei ursprünglich nicht geplant gewesen, sagt sie – doch dass ihr das liege, habe sie schnell gemerkt. Nach ihrem Studium der Europäischen Kulturen in Luxemburg führten sie ihre beruflichen Stationen unter anderem ans Stadttheater Amberg, zur Münchener Tanzwerkstatt Europa sowie zum Landesverband für zeitgenössischen Tanz. Bei eben jenem Landesverband betreute sie erstmals Fördergelder und erkannte, dass viele Kunstschaffende an bürokratischen Hürden scheitern.

„Mich haben etliche Künstler angerufen, die nicht wussten, was sie wo eintragen sollen.“ Aus diesem Bedarf heraus entwickelte sie schließlich ihren beruflichen Schwerpunkt. Ihr Arbeitsalltag als Förderberaterin besteht aus vielen Mails, Excel-Tabellen, Online-Recherchen, Gesprächen mit Künstlern und Fördergebern. „Ich finde Excel-Tabellen und Finanzierungspläne sehr logisch und mag schöne, aufgeräumte Tabellen, die am Ende Null ergeben.“ Sie lacht.

Ehrenamt vs. Stadt- und Staatseinrichtungen vs. freie Künstler?

Ihr ist es ein persönliches Anliegen, dass Kunst und Kultur finanziell unterstützt werden. Dass in Irland aktuell nach einem Pilotprojekt ein staatliches Grundeinkommen für Künstler eingeführt wird, findet Maßmann großartig. In Deutschland sei eine solche finanzielle Wertschätzung aber schwer vorstellbar, sagt sie – auch wegen der besonderen Theater- und Museumslandschaft. 134 öffentlich finanzierte Theaterunternehmen mit gut 780 Spielstätten existierten 2022 an 124 deutschen Orten. „Eine solche Tradition ist weltweit einzigartig.“ Gleichzeitig sei allerdings die freie Szene – also jene Kunstschaffenden, die ohne feste institutionelle Anbindung arbeiten – im gesellschaftlichen Bewusstsein kaum verankert.

Dazu kommt: Gerade im ländlichen Raum ist Kultur in Bayern häufig ehrenamtlich organisiert. Es gibt Bauernbühnen, Festspiele, lokale Initiativen. „Das ist großartig – aber Ehrenamt sollte eine Ergänzung sein und nicht Lücken schließen, weil öffentliche Mittel fehlen.“ In München funktioniere professionelle Kultur, auf dem Land eher Laienkunst – was sich auch in Förderdaten niederschlage.

Warum Kultur auf dem Land besonders kämpft

Ein Beispiel: Aus dem bayerischen Förderpaket „Freie Kunst“ gingen ein Viertel der Mittel nach München, aber nur sieben Prozent in die Oberpfalz und vier Prozent nach Niederbayern. In den darstellenden Künsten waren es sogar nur zwei Prozent. Offizielle Begründungen wie mangelnde Qualität oder fehlende Kenntnis über Fördertöpfe hält Anika Maßmann für unzureichend. „Die Voraussetzungen sind einfach andere.“ Viele Förderungen verlangen Eigenmittel oder eine finanzielle Beteiligung der Kommune. „Wie soll das mit klammen Kommunen funktionieren?“

Die Folge: Wenig Geld, viel Unsicherheit und unglaublich viel Bürokratie. „Das ist definitiv zu viel“, sagt Anika Maßmann. Während Start-ups vergleichsweise unbürokratisch Förderungen erhalten, müssen Künstler oft selbst kleinste Beträge akribisch nachweisen, sagt Maßmann. Gerade eher geringe Förderungen stünden oft in keinem Verhältnis zum Aufwand. „Für tausend Euro sitzt ein Künstler fünf Stunden an der Abrechnung – das bezahlt einem niemand.“

Die Pandemie habe diese Probleme zunächst verschärft, dann kurzzeitig überdeckt. Mit dem Förderpaket „Neustart Kultur“ flossen zwei Milliarden Euro in die freie Kulturszene, neue Formate entstanden – viele davon im öffentlichen Raum. Doch nach der Pandemie wurden diese Mittel ersatzlos gestrichen. „Dann stand man fast schlechter da als vorher“, sagt Maßmann. Gleichzeitig hätten Diskussionen über die Systemrelevanz der Kultur Spuren hinterlassen. Dabei sei Kultur sehr wohl Teil der Daseinsvorsorge, findet Maßmann: „Was hätten wir während der Pandemie gemacht ohne Musik, Bücher, Filme oder Streaming?“

Was sich ändern müsste? „Eigentlich alles“, findet Anika Maßmann. Sie ermutigt Künstler, trotzdem bei ihren Kommunen nachzufragen – manchmal gebe es da Fördertöpfe, die nicht laut kommuniziert würden. Für den Nachwuchs empfiehlt sie Netzwerke als Schlüssel: „Es müssen nicht mal Leute aus derselben Sparte sein. Hauptsache, man unterstützt sich.“

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.