06.07.2018 - 09:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Berge, Menschen und schwere Beine

Das ist eine Abschlussarbeit der etwas anderen Art: Zwei OTH-Studenten sind von München nach Venedig geradelt. Ihre Tour haben sie mit der Videokamera festgehalten. Im Mittelpunkt der Dokumentation CrossAlps stehen Porträts von Menschen, die entlang der Strecke leben.

Nach knapp 600 Kilometern mit dem Fahrrad haben die beiden OTH-Studenten Felix Zuppe (links) und Filip Hofmann das Reiseziel Venedig erreicht.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

(spw) Vorbei am türkisblauen Achensee, bergige Landschaften am Brennerpass und mediterranes Klima kurz vor Venedig: Was etwas wildromantisch klingt, kann manchmal echt schwere Beine machen: Die beiden Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Felix Zuppe (25) und Filip Hofmann (23) haben sich für ihre Bachelorarbeit richtig in die Pedale geschwungen und sind rund 600 Kilometer geradelt.

Im Januar hatten sich die beiden überlegt, was sie als Abschlussprojekt für ihr Studium machen könnten. "Eine Fahrradtour hatten wir schnell im Kopf", sagt Zuppe. "Doch was können wir dabei erzählen?" Die Idee einer Dokumentation über "die Menschen in den Bergen" gefiel den beiden schließlich so gut, dass sie sich an die Recherche machten. Im Internet haben die beiden spannende Personen und Sportarten gefunden, die sie nun auf der Reise entdecken. "Im Film soll es nicht um uns gehen", stellt Hofmann klar. "Es soll Porträts zeigen, und der rote Faden sind wir auf dem Fahrrad."

Vollbepackte Fahrräder

Am 14. Juni ging es los. Am Vorabend packten die beiden ihre Fahrradtaschen mit zwei Wurf-Zelten, Gaskocher, Iso-Matten sowie einer Kleidertasche. Natürlich brauchten sie auch Equipment: Mit zwei Spiegelreflex-Kameras, Mikrofonen, Action-Cams, einer Videoleuchte, Laptops und zwei Festplatten zum Sichern des Materials ging es für die beiden im Zug nach München, dem eigentlichen Startpunkt der Doku. Schon die erste Rast am Tegernsee klingt kulinarisch vielversprechend: Sie besuchten die Naturkäserei, wo ihnen viel über die Geschichte der Heumilchspezialität erklärt wurde.

Schon am zweiten Tag erreichten die beiden über den Achenpass die Landesgrenze nach Österreich. "Man freut sich, weil man zunächst denkt, das geht ja schnell", sagt Hofmann mit einem Lächeln. Die Gegend um den Achensee belohnte die beiden fürs Strampeln mit einer herrlichen Landschaft und einem Tandemsprung mit dem in der Szene bekannten Paraglider Mike Küng. "Richtig tolle Aufnahmen haben wir gemacht", freut sich Zuppe. Auf der weiteren Tour durften als Kontrastprogramm die Swarovski-Kristallwelten in Wattens nicht fehlen. "Das ist eine verrückte Kunst", sagt Zuppe.

Richtig anstrengend und steil wurde es auf der Etappe zwischen Innsbruck und dem Brenner. "Teilweise konnten wir nicht mehr fahren, sondern mussten die vollbepackten Fahrräder schieben", erinnert sich Hofmann. Genau da ging den beiden auch noch das Trinkwasser aus: "Da wurde es zum ersten Mal etwas knackiger. Ich bin wirklich an meine körperlichen Grenzen gekommen." So manch ein E-Biker überholte die beiden. "Richtig Lust zu filmen, hast du da natürlich nicht. Aber genau das sind die Momente, die später in der Dokumentation gut kommen", sagt Zuppe. Weit und breit war auch kein Campingplatz zu sehen, also ging es für die beiden in ein Gasthaus. "Wie schön ein richtiges Bett und eine heiße Dusche nach einer solchen Tour sind, lernst du wirklich zu schätzen." Die letzten 500 Meter des Brennerpass' seien eine Qual gewesen. "Es motiviert ungemein, wenn du das italienische Grenzschild siehst."

In Brixen machten die beiden Oberpfälzer Studenten unter anderem die Bekanntschaft eines Bergführers aus der Region, der die zwei auf eine Flusswanderung mitnahm. Im Neopren-Anzug, mit Helm und Schuhen sowie einem Klettergurt ging es flussabwärts über und unter Hindernisse hindurch. Die am Kopf montierte Action-Cam zeichnete alles auf. In Brunneck wiederum lernten Zuppe und Hofmann zwei passionierte Mountainbiker kennen, welche die Strecken in der Umgebung erhalten. "Auch sie haben im Interview viel über ihre Leidenschaft erzählt." Zum Wassersport in den Bergen gehört auch das Raften, das die Studenten mit einem italienischen Guide erlebten. "Da war es mit 13 Grad richtig kalt und es hat den ganzen Tag geregnet. Aber es hat irrsinnig Spaß gemacht."


30 Stunden Film-Material

Von Toblach in Südtirol über Cortina d'Ampezzo in den Dolomiten ging es weiter nach Vittorio Veneto. "Bergab kann man die schöne Landschaft mit den markanten Gesteinsformen und den blauen Himmel richtig genießen. Danach war das Meer förmlich zu riechen. Es wurde wärmer - einfach italienisch", sagt Zuppe.

Am 23. Juni wartete schließlich in Venedig eine gebürtige Münchenerin auf die beiden, die der Liebe wegen in der Stadt beim Backpacking hängenblieb und nun venezianischen Kindern das Gondel fahren beibringt. Sie erklärte den beiden im Interview, dass die Stadt sehr unter dem heutigen Tourismus leide. "Es ist erstaunlich, wie offen uns die Interviewpartner empfangen haben", sind Zuppe und Hofmann noch Tage nach der Reise erstaunt. "Diese Menschen haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und hatten sichtlich Spaß, uns das vor der Kamera zu zeigen."

30 Stunden Material sind zusammengekommen, Daten von 833 Gigabite warten darauf, bearbeitet und geschnitten zu werden. "Wir müssen noch ein paar Prüfungen hinter uns bringen", bremst Hofmann die Ungeduld. Mitte Juli wollen sie starten und im September fertig sein. "Toll wäre, wenn unsere 45-minütige Doku auch eines Tages im Fernsehen zu sehen wäre."

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