28.08.2020 - 10:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Berufliche Selbstständigkeit und Flugzeuge: "Nach dem Sprung musst du fliegen lernen"

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Der Jungunternehmer Sebastian Geubtner aus Amberg ist acht Monate lang selbstständig, als sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitet. Wie vielen anderen auch, brechen ihm Umsätze weg. Ans Aufgeben denkt er aber im Premierenjahr nie.

Sebastian Geubtner (34) aus Amberg hat sich am 1. Juli 2019 selbstständig gemacht. Dann kam im Frühjahr das Coronavirus. "Eine der größeren Herausforderungen für einen Unternehmer. Aber nicht die größte."
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Warum ist ein Vertriebsmitarbeiter erfolgreicher als der andere? Weshalb verkauft ein Kollege mehr von einem Produkt? Und welche Unterstützung könnte man einer Firma geben, dass es besser und nachhaltiger läuft? Welche Faktoren beeinflussen Verkaufsprozesse? Der Amberger Jungunternehmer Sebastian Geubtner ist oft mit Fragen wie diesen konfrontiert. Der 34-Jährige hat zudem eine Software auf den Markt gebracht, die Projektmanagern anzeigt, wann sie sich wieder bei Kunden melden sollten oder welche Eigenheiten die Kundschaft hat. Sebastian Geubtner hat sich mit der Idee, „Menschen weiterhelfen zu wollen und sie ein bisschen erfolgreicher zu machen“ am 1. Juli 2019 mit seiner Firma "Sales-Instruments" selbstständig gemacht. Doch in seinem Premierenjahr überrollt das weltweit grassierende Coronavirus die Bundesrepublik. Die Wirtschaft schwächelt.

Firma schließen? "Nie ein Thema"

„Corona ist eine größere Herausforderung für mich“, sagt Geubtner, der nach seinem Studium der Europäischen Wirtschaft einige Stationen in mittelständischen Betrieben absolviert hat. "Aber es ist nicht die Größte." Bis Juni sei die Auftragslage des 34-Jährigen normal gewesen. Dann brach der Umsatz ein. Erst 50, dann waren es 70 Prozent. Denn die Firmen, von denen Geubtner Aufträge erhält, hatten keinen Plan, wie es weitergehen könnte. Als Externer durfte er oft nicht die Firmen betreten, andere wollten erst Ende des Jahres entscheiden, wie Projekte weiterverfolgt werden. Dabei hatte Geubtner schon Vorarbeit geleistet. Das Geschäftsfeld Beratung: Es war oft als erstes abgeschnitten, wenn Firmen während des Coronalockdowns einsparen wollten. Die neue Firma deshalb einfach zumachen? „Das war nie ein Thema für mich“, sagt Geubtner.

Der Jungunternehmer entschied sich lieber dafür, sich der neuen Situation anzupassen. Mittlerweile macht der 34-Jährige auch so etwas „wie Normalität in der Coronapandemie aus“. Die Wirtschaft hat sich teilweise auch in die virtuelle Welt verlegt. Geubtner sieht die Möglichkeit und bietet unter anderem für seine Coachings auch über die Plattform Zoom Meetings an. "Hilfe im Vertrieb wird weiterhin gebraucht." So sieht der 34-Jährige seine unternehmerische Zukunft nicht pessimistisch. "Ab September geht spürbar wieder etwas", ist er überzeugt.

Weniger Handlungsspielraum

Geubtner musste während der Coronapandemie feststellen, dass "der Handlungsspielraum für kleinere Unternehmen, die noch nicht lange auf dem Markt sind", eher klein ist. Jemand, der alleine arbeitet, habe nicht die Möglichkeit von Kurzarbeit. An Fixkosten für etwa Auto und Telefon lasse sich nicht viel einsparen. Und Geubtner meint mit den kleinerer Handlungsspielräumen auch die Beziehung des Unternehmers zur Bank. "KfW-Kredite oder ein erhöhter Kontokorrentkredit kommen nicht infrage." Kaufmännisch mache Corona also erst im vierten Jahr Sinn, sagt er nachdenklich schmunzelnd. Wer wenigstens drei Jahresabschlüsse vorweisen könne, bekomme eher Hilfe von der Bank. "Persönlich würde ich so etwas wie Corona aber im ersten Jahr der Selbstständigkeit empfehlen", sagt er. Da entscheide sich, wer es wirklich ernst meine, selbstständig auf dem Markt sein Geld zu verdienen.

Geubtner ist froh, dass er sich in der schwierigen Zeit auf zwei berufliche Partner verlassen kann. Einer davon ist Geubtners Mentor und Förderer, der ihm als Ratgeber stets zur Seite stehe. Im Grunde vergleicht Geubtner seinen Sprung in die Selbstständigkeit mit dem Sprung aus einem Flugzeug. „Auf dem Weg nach unten musst du fliegen lernen.“

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Amberg
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