Doch auch hier endet sein kriminelles Unternehmen hinter Gittern.
Am 8. September 2018 absolvierten die Beamten der Landespolizei mehrere Einsätze. Zunächst rückten sie nachmittags aus, da das Personal eines Bekleidungsgeschäfts einen Mann beobachtet hatte, der mit einer Jacke im Wert von 20 Euro aus dem Laden gerannt war. Der Dieb entkam unerkannt. Was die Uniformierten zu dieser Zeit noch nicht wussten: Den Gesuchten hatte man erst eine Woche zuvor aus der Justizvollzugsanstalt entlassen.
Um 20.30 Uhr gab es Einbruchsalarm aus einem großen Supermarkt im Westen der Stadt. Zwei Beamte fuhren los und durchsuchten zusammen mit Angestellten alle Räume. Dann rückten sie ergebnislos wieder ab. 45 Minuten darauf kam ein weiterer Alarm. Wieder das gleiche Gebäude. "Da sind wir endgültig stutzig geworden", sagte jetzt einer der Ordnungshüter dem Amtsrichter Markus Sand.
Bei ihrer intensiven Suche stießen die Polizisten auf eine offene Tür, die von außen zum Lager führte. "Da wurde es heiß", erfuhr der Richter und hörte, was dann geschah. Die Einsatzkräfte pirschten sich durch den großen Vorratsraum und stießen auf einen ihnen unbekannten 35-Jährigen. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Bei seiner Personalienüberprüfung stellte sich heraus: 22 Mal vorbestraft, 1996 nach Deutschland gekommen, nie gearbeitet und ab 1997 schier rastlos unterwegs, um sich Diebesbeute zum Kauf von Rauschgift zu beschaffen.
In einem Gebüsch vor dem Supermarkt hatten die Uniformierten eine ganze Batterie von Flaschen gefunden: Whisky, Wodka, Champagner. Bereitgelegt zum Abtransport. Alles bis dahin ungestört aus dem Lager ins Freie geschafft. Der Täter, so wurde nun deutlich, hatte sich bei Ladenschluss im Haus einsperren lassen. Richter Sand bekam ein umfassendes Geständnis. Verbunden mit dem Hinweis darauf, dass den Mann die Drogensucht zu ständig neuen Straftaten treibe. Er ist 35 Jahre alt und hat zwölf Jahre davon hinter Gefängnismauern zugebracht. Nun kommen weitere zehn Monate hinzu.
Richter Sand blieb mit seinem Urteil genau zwischen den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Danach wurde der 35-Jährige, unmittelbar nach seiner Festnahme in U-Haft genommen, in seine Zelle zurückgebracht.
Gericht
"Wie lange sitzen Sie schon mit Unterbrechungen?", fragte Richter Markus Sand. Die Antwort nach kurzer Addition: "Zwölf Jahre und wohl die schönste Zeit vergeudet". Es könne durchaus noch weitere schöne Zeiten im Leben geben, erwiderte der Vorsitzende. Allerdings nur dann, wenn sich der 35-Järige endlich dazu entschließen würde, eine Drogentherapie erfolgreich hinter sich zu bringen. Erfolglos abgebrochen hat er einige.
22 Vorstrafen seit 1997, die kriminelle Laufbahn mit 14 Lebensjahren begonnen. Auf Beutezügen in vielen Städten Deutschlands unterwegs. Die wirklich "allerletzte Chance", so der Richter, sei nun gekommen. Was er damit meinte, wurde nicht ausgesprochen. Aber es könnte sein, dass dem Mann, 1996 mit seinen Eltern nach Deutschland übergesiedelt, die Sicherungsverwahrung als Gewohnheitstäter droht. (hwo)



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