13.06.2019 - 11:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Bienery - Oberpfälzer Bienenpflege mitten in Ambergs Altstadt

Es summt in der Amberger Altstadt. Täglich sind die Bienen von Stefanie Zehetbauer unterwegs, um den Nektar einzusammeln. Daraus entsteht Stadthonig. Eine natürliche Haltung liegt der Imkerin am Herzen.

Es summt - und das nicht nur in StefanieZehetbauers (links) Garten. Die leidenschaftliche Imkerin erntet regelmäßig echten Amberger Stadthonig. Dafür sind sie kleinen Bienen in der ganzen Stadt unterwegs, um Nektar zu sammeln.
von Autor EWAProfil

„Mir geht es nicht um die Maximierung der Honigernte, sondern darum, die regionale Artenvielfalt zu unterstützen.“ Deswegen möchte die Ambergerin es auch anderen ermöglichen, mit wenig Aufwand viel für Bienen zu tun. Ihr Angebot: Bienenpatenschaften und die Vermietung von Bienenstöcken.„Ich hole mal die Leiter …“ Wenn Stefanie Zehetbauer, die von allen eigentlich nur Steffi genannt wird, zu ihren Bienenvölkern auf dem Garagendach neben ihrer Altstadtwohnung will, muss sie erst einmal einige Meter hochklettern. „Nichts für Leute mit Höhenangst“, sagt sie und lacht. Höhenangst hat die Ambergerin Gott sei Dank keine, dafür ein großes Herz für Bienen. Die Leidenschaft für die sympathischen Insekten entstand bei ihr vor rund sechs Jahren – eigentlich mehr oder weniger durch Zufall. „Es war ein Samstagnachmittag“, erzählt sie. „Wir saßen mit einigen Freunden im Garten, als wir plötzlich ein lautes Summen und Brausen gehört haben. Wie eine große Wolke kam ein ganzer Bienenschwarm angeflogen und ließ sich im Apfelbaum nieder. Wir überlegten, was nun zu tun sei, und haben schließlich einen Imker angerufen.“ Eine Begegnung, die Steffis Leben verändert hat. „Nachdem wir mit dem Mann, der übrigens schon 96 war, stundenlang über Bienen geredet haben und gar nicht mehr damit aufhören konnten, stand fest: Wir melden uns alle für einen Imkerkurs an.“

Mit viel Geduld und Hingabe produziert Stefanie Zehetbauer den Amberger Stadthonig.

Fachwissen ist wichtig bei der Bienenhaltung, denn sonst kann man viel falsch machen. „Man muss erst einmal verstehen lernen, wie so ein Bienenvolk überhaupt funktioniert“, erklärt Steffi. „Und da lernt man nie aus, man wird immer wieder überrascht. Ich glaube, man kann 50 Jahre als Imker arbeiten und erlebt immer wieder etwas Neues.“ Das ist nur einer der vielen Gründe, warum Steffi von ihren Bienen so fasziniert ist. „Es ist nicht so, dass man Bienen hat“, sagt sie und lacht wieder. „Die Bienen haben einen, so ist das nämlich.“ Nachdem die Haltung von Bienen schon seit Jahren ihr Hobby ist, hat die ausgebildete Mediengestalterin diese nun auch zum Beruf gemacht. Sie besitzt nicht nur Bienenstöcke im Lauterachtal sowie in der Amberger Altstadt und produziert köstlichen Land- und Stadthonig, sondern bietet jetzt auch Patenschaften an und vermietet Bienenvölker. Fachkundige Betreuung inklusive. „Fast jede Garten- und Firmenfläche ist für die Haltung von Bienen geeignet“, erklärt sie. „So kann jeder etwas zur regionalen Honigproduktion und zum Umweltschutz beitragen. Ohne viel Aufwand.“

Pflege und Verantwortung

Wer die Pflege eines eigenen Bienenvolks mit seiner „Miete“ fördert, erhält nicht nur den Honig seiner Bienen, sondern übernimmt gleichzeitig Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt von Pflanzen in der Region – und kann auf Wunsch der Imkerin bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und sich spannendes Hintergrundwissen erklären lassen. „In dem Moment, wo man sich mit Bienen beschäftigt, beginnt man auch damit, die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen“, sagt Steffi. „Man wird tatsächlich ein ganz anderer Mensch, schaut anders auf die Natur und auf die Eingriffe des Menschen in seine Umwelt. Das Schöne daran ist, man bekommt ein ganz anderes Verständnis über Sinn und Nutzen eines vielfältigen, gesunden Lebensraumes, wenn dieser sichtbar und spürbar erlebt werden kann!“ Mit den Bienen habe man auch funktionierende Demokratie ständig vor Augen. „Bienen haben zwar eine Königin, aber alle Entscheidungen werden immer vom ganzen Volk getroffen. Ein Bienenstock ist der Inbegriff der gelebten Demokratie.“ Regelmäßig kommt die Ambergerin ins Schwärmen, wenn sie von ihren Bienen spricht. „Wenn ich in der Stadt lebe, aber eigentlich ein Naturmensch bin, gibt mir das wahnsinnig viel“, sagt sie. „Das ist schwer zu beschreiben. Mit Bienen zu arbeiten ist spannend und beruhigend zugleich.“

Vorsichtig nähert sich die Hobby-Imkerin ihrem Bienenvolk und kontrolliert, wie gefüllt die Waben sind.
Das kleine Bienen-ABC:

ABLEGER: So wird ein vom Imker neu gebildetes

Bienenvolk genannt.

AMMEN: Junge Bienen, die ältere Larven mit einem nahrhaften Brei aus Pollen und Honig füttern.

BIENENBEUTE: Die Behausung der Bienen, bestehend aus oben und unten offenen Kästen mit abnehmbarem Deckel und einem untergesetzten Boden.

BRUT: Die Bienenbrut entwickelt sich von Larven über Puppen zu Bienen.

DROHNEN: Männliche Bienen, die fast ausschließlich zur Begattung der Königin existieren.

SAMMLERINNEN: Diese Bienen bestäuben Blüten und besorgen den lebenswichtigen Nektar und Pollen.

VARROA-MILBE: Ein Parasit der Honigbiene, er gilt als der gefährlichste Bienenschädling.

WÄCHTER: Diese Bienen sind die Palastwache, wer in den Bienenstock eindringen will, bekommt es mit ihnen zu tun.

WEISEL: Die Bienenkönigin wird auch Weisel oder Stockmutter genannt. Sie führt das Volk mit Pheromonen und legt am Tag bis zu 2000 Eier.

WINDEL: Darunter versteht man die Bodeneinlage in der Beute zur Kontrolle des Milbenbefalls.

Ein Volk, das zusammenhält. Bienen sind sich ein Leben lang treu - und ihrer Königin. Entscheidungen treffen sie immer gemeinsam.
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