18.09.2018 - 13:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Bier-Führung auf eigene Faust

Nach mehreren Monaten der Verhandlungen hat die Tourist-Information endgültig abgesagt: Sie nimmt das Bier-Spektakel, eine Stadtführung mit Schauspiel und Kostproben, nicht in ihr Programm auf. Aufhören wollen die Initiatoren aber nicht.

Anders sein und gute Laune verbreiten, das wollen Resi und Barnabas. Dafür setzen sie sich ein.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

"Dann eben auf eigene Faust", sagt Renate Singer, alias Resi. Sie hat die beliebte Stadtführung zusammen mit ihrem damaligen Stadtführer-Kollegen Peter Stock ausgearbeitet, der allerdings noch vor der Verwirklichung verstarb. Dann trat Helmut Scharl in die Fußstapfen des ursprünglichen Bruders Barnabas. Im Mai dieses Jahres fand die erste Führung statt. Seitdem gab es etwa zehn weitere.

Scharl und Singer versuchen, ihr Programm weiter zu optimieren und orientieren sich an den Vorschlägen der Besucher. Singer: "Momentan läuft die Führung super. Den Leuten gefällt es sehr gut." Trotzdem. Die Logistik, die eine Tourist-Info bietet, würden sie auf Dauer nicht bewerkstelligen können. Werbung machen, E-Mails beantworten - das sei eine Herausforderung. "Wir haben damit gerechnet, dass die Tourist-Info das irgendwann übernimmt." Scharl und Singer machen das Bier-Spektakel nur nebenbei: Er ist Ruheständler, sie Krankenschwester. Beide sind seit Jahren selbstständige Stadtführer.

Für Renate Singer sind die Verhandlungen mit der Stadt abgeschlossen. "Uns wurde in einer E-Mail ganz deutlich gesagt, dass kein Interesse mehr besteht und wir unser Konzept wieder abholen können. Das klingt für mich endgültig." Martina Meixner, die Leiterin der Tourist-Info, sagt, dass sie das aktuelle Konzept nicht aufnehmen möchte, aber: "Für nächstes Jahr kann man mal schauen." Die Führung wurde im Auftrag der Tourismus-Experten von einem Theaterprofi aus Regensburg begutachtet. Singer: "Einen Vorschlag haben wir sofort umgesetzt. Aber manche Punkte würden unsere Führung komplett verändern. Wir müssten drei Jahre Arbeit wegschmeißen." Für Kritik und Anregungen seien sie und Helmut Scharl offen gewesen, aber das hätte früher der Fall sein müssen: "Nicht erst wenn alles schon organisiert ist." Über 300 Personen nahmen in den vergangenen Monaten an dem Spektakel teil. Häufig bekommt "Resi" hinterher E-Mails. Ein Teilnehmer schrieb zum Beispiel: "Vielen Dank für den gelungenen, informativen, lustigen und bierreichen Abend. Unsere Verwandten aus Hessen waren ganz begeistert. Wir werden euch überall weiterempfehlen."

Eigentlich alles wunderbar. Oder doch nicht? Unter anderem habe die Stadt ein Problem damit, wenn eine Gruppe Erwachsener mit Biergläsern durch die Stadt läuft. "Das gibt kein schönes Bild ab", heißt es in einer Erklärung an Renate Singer. Ein Vorschlag laute, das Bier in der Gaststätte auszutrinken. Singer dazu: "Wir haben das ausprobiert und hatten über eineinhalb Stunden Wartezeit." Das sei nicht machbar.

Arno Diener von der Sudhang-Brauerei ist einer der Amberger Brauer, der mit seinem Bier nicht nur Teil der Stadtführung ist, sondern auch hinter dem Spektakel-Konzept steht. Er denkt, dass Außenstehende durchaus unterscheiden können, ob Erwachsene ein Bier trinken, oder Jugendliche mit Schnapsflaschen "durch die Stadt grölen". Diener: "Wir können nicht auf der einen Seite Bierstadt sein und uns auf der anderen Seite davor verstecken."

Renate Singer zieht ein Fazit: "Solange es allen Spaß macht, wird es das Bier-Spektakel geben. Wir bleiben uns und unserer Idee treu."

Hintergrund:

„Wir wollten keine Konkurrenzveranstaltung anbieten, sondern eine weitere Bier-Führung für Amberg. Die Idee entstand auf Anregung der Tourist-Info“, betont Renate Singer. Die geschichtlichen Fakten rund um das Bier tragen Singer und Helmut Scharl in historischen Gewändern vor und schlüpfen in die Rollen der Bedienung Resi und des Ordensbruders Barnabas. An fünf Stationen gibt es außerdem Kostproben. Von der Tourist-Info gibt es schon länger eine Bier-Führung. Das Konzept ist eher sachlich und informativ. Gerade deswegen sollte das neue Bier-Spektakel eine lustig-leichte Zusatzveranstaltung sein. Eine Stadt, zwei Führungen? Das birgt Potenzial für Verwechslungen. Der Unterschied wird nicht immer klar. „Deshalb waren schon einige verärgert, die sich dann für die falsche Tour angemeldet haben“, erzählt Renate Singer. Die nächste Führung ist am Freitag, 28. September. Außerplanmäßige Gruppenführungen sind möglich. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr an der Paulanerkirche in Amberg. Anmeldungen per E-Mail an die Adresse renate.singer[at]amberg-mail[dot]de oder telefonisch unter der Nummer 0157/77 82 17 32. (anv)

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