05.12.2018 - 16:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Ein Blühstreifen am Horizont

Er ist seit 17 Jahren Imker. Norbert Wasner kennt sich aus mit Insekten. Das Sterben des Artenreichtums lässt den besonnenen CSU-Stadtrat im Umweltausschuss ein flammendes Plädoyer für die Ausweisung von Blühstreifen halten.

Das ist ein vorbildlicher Blühstreifen, der an einem Feld bei Amberg in diesem Sommer wuchs. Im Umweltausschuss beantragte jetzt CSU-Stadtrat Norbert Wasner, das Ausweisen von Blühstreifen auf landwirtschaftlich verpachteten Flächen.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Er beantragte, bei den verpachteten landwirtschaftlichen Grundstücken der Stadt und ihrer Stiftungen - das betrifft 340 Hektar - mindestens drei Prozent der Fläche als Blühstreifen mit gebietsheimischen Pflanzen auszuweisen. Wasner forderte die Stadt dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und Insekten Nahrungsquellen zu liefern.

"Eine tote Fläche"

"Insekten sind die Grundlage unseres Ökosystems", sagte Wasner. "Wenn ich so manche landwirtschaftlich genutzte Fläche so anschaue, dann ist das eine tote Fläche." Er machte weiter deutlich: "Ich bin der Meinung, dass Amberg eine Vorbildfunktion übernehmen könnte. Wir, die Stadt und die Bürger, sind Eigentümer dieser Flächen, wir tragen dafür die Verantwortung."

Bereits 2015 habe er einen ähnlichen Antrag gestellt. An der damals dargestellten Sachlage habe sich nichts geändert, informierte Umweltreferent Bernhard Mitko: "Eine Förderung von Blühstreifen ist nur möglich, wenn diese nicht bereits vorher vertraglich gefordert ist." Mit einer Verpflichtung im Pachtvertrag wäre somit eine Förderung dieser Blühstreifen ausgeschlossen.

Besser sei es, wenn das Liegenschaftsamt die Pächter animieren würde, am Vertragsnaturschutzprogramm teilzunehmen. Damit wollten sich aber die Ausschussmitglieder nicht zufriedengeben. Einstimmig beschloss das Gremium, die Verwaltung damit zu beauftragen, ein Konzept zu entwickeln, das die Förderung von Blühstreifen auf verpachteten Flächen zum Thema macht. Helmut Wilhelm (Grüne) unterstützte den Antrag "wärmstens". Gerade diesen Sommer habe man die negativen Auswirkungen gespürt. Er bezeichnete die Stellungnahmen des Liegenschaftsamtes und der Unteren Naturschutzbehörde als unverständlich.

Kein Glyphosat

"Die Notwendigkeit von Blühstreifen dürfte sich herumgesprochen haben." Roland Pirner (SPD) stellte die Frage, ob künftig vielleicht nur noch an Bio-Landwirte verpachtet werden solle. Und Helmut Weigl (CSU) hoffte, alle Landwirte motivieren zu können. "Es ist ja auch in deren Interesse, dass die Felder bestäubt werden." Da die Kommune bereits seit einiger Zeit in Nutzungsverträgen mit Landwirten das Ausbringen von Glyphosat und anderen Insektenvernichtungsmitteln untersagt habe, sei die Stadt "schon relativ weit".

OB Michael Cerny wollte nicht eine Diskussion in Richtung "guter Bio-Bauer, schlechter konventioneller Landwirt". Das Stadtoberhaupt war der Meinung, dass die gesamte Landwirtschaft als Partner ins Boot geholt werden müsse. Auch Wasner bestätigte: "In 17 Jahren habe ich noch nie ein Bienenvolk verloren, weil zur falschen Zeit gespritzt worden wäre." Rudolf Maier (CSU) hielt den Antrag ebenfalls für gut: "Die Stadt übt hier eine Vorreiterrolle aus und setzt ein Zeichen." An der Verwaltung liegt es nun, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten.

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