Update 01.10.2018 - 16:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Böses Erwachen nach Schulabschluss-Party

Der berühmte alkoholbedingte Filmriss befreit von Strafe nicht. Eine stark betrunkene junge Frau schlägt einer 18-Jährigen eine Glasflasche auf den Kopf.

Symbolbild
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Amberg. (zm) Wie ausgelassen, wie ausufernd bis aus dem Ruder laufend die Party zum Schulabschluss im vergangenen Jahr auf dem Multifunktionsplatz war, das weiß Caro F. (alle Namen geändert) nicht mehr. Was sie aber am nächsten Tag von Freunden, Bekannten und später von der Polizei zu hören bekam, das brachte sie schnurstracks auf die Anklagebank des Jugendschöffengerichts. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung.

An all das, so Caro F., könne sie sich nicht mehr erinnern. Das wundert keinen. Gutachterlich bestätigt, soll die damals noch 18-Jährige zwischen 2,3 und 2,6 Promille intus gehabt haben. Jetzt sagt sie, dass ihr das gewaltig peinlich ist. Die junge Frau, damals mehr torkelnd als standfest auf dem Platz gegenüber dem Bahnhof im Pulk der feiernden Schüler unterwegs, hat der um ein Jahr jüngeren Kerstin U. von hinten eine fast leere Glasflasche auf den Kopf geschlagen.

Polizeistreife schaut zu

Ob mit voller Absicht oder im vom Alkohol wirren Kopf, das war für das Gericht nach drei Verhandlungstagen von untergeordneter Bedeutung. Am Ende zeigte es sich überzeugt, "dass es eine gesteuerte Handlung gewesen ist", wenn auch mit nur bedingtem Vorsatz. Die Steilvorlage für die Anklage hatten die Beamten einer Polizeistreife gegeben, die zur Beobachtung des Treibens auf dem Platz beordert worden war. Wie aus dem Nichts, so gaben sie an, sei Caro F. von hinten an Kerstin U. herangetreten und habe zugeschlagen. Einfach so. Diese Schilderung wurde etwas brüchig, als drei junge Frauen, die auch auf dem Platz unterwegs waren, ein anderes Bild zeichneten. Sie betteten den Schlag in eine Schubserei und den Umstand ein, dass sich die Angeklagte nicht mehr gut auf den Beinen halten konnte und mehr strauchelnd als standfest unterwegs war. Für das Gericht waren das lediglich "scheinbare Widersprüche", wobei "gute Gründe für die Glaubwürdigkeit der Polizeibeamten und Zeugen" sprechen würden.

900 Euro Schmerzensgeld

In den Strafprozess eingebettet war ein sogenanntes Adhäsionsverfahren, um eine Entscheidung über ein Schmerzensgeld für Kerstin U. herbeizuführen. Das Opfer hatte eigenen Angaben zufolge einige Tage starke Kopfschmerzen und benötigte rund zwei Wochen, um die Folgen des Schlags auszukurieren. 3000 Euro forderten die Eltern anfangs, eine Einigung wurde bei 900 Euro erzielt.

Da die 19-Jährige derzeit übergangsweise arbeitet, wollte die Staatsanwaltschaft den von ihr geforderten Schuldspruch wegen gefährlicher Körperverletzung mit einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro geahndet wissen, da das die junge Frau wohl am empfindlichsten treffe. Zudem solle sie einen sozialen Trainingskurs absolvieren. Der Verteidigung war dieser Betrag zu hoch, dem Gericht auch. Es halbierte die geforderte Summe und schrieb mit dem Urteil auch die Fälligkeitstermine für Ratenzahlungen fest. Zudem sind die Verfahrenkosten fällig, die wegen des eingeschalteten Gutachters recht deutlich ausfallen dürften.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.