12.11.2018 - 13:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Boshaftes so ganz ohne Gage

Für Siemens sei der Rat der Stadt seit Oberbürgermeister Cerny Michl so viel wie das Gut Aiderbichl. Von kleinen Seitenhieben lässt Norbert Neugirg ab. Mit seinem verbalen Hammer haut er bei der satirischen Benefiz-Lesung lieber voll drauf.

Heidi Himmelhuber begrüßt Norbert Neugirg und bedankt sich für seinen selbstlosen Auftritt zugunsten des Vereins Sega. Der Autor wiederum lobt ihre Penetranz.

"Kurz gesagt und simpel: Ganz Amberg ein Gerümpel." Wie gut nur, dass an diesem Abend der Stadtrat sein jährliches Scheibenschießen abhielt. Nicht auszudenken, sie wären zugegen gewesen, mit ihren Flinten, wenn Norbert Neugirg seine Sicht über die Stadt kundtut.

"Ambergs Rathaus, wie man weiß, gilt als Siemens-Abstellgleis. Denn da trifft man Talente an, die Siemens nicht mehr brauchen kann." Richard Gaßner und Reinhold Strobl in der erste Reihe amüsieren sich köstlich. Aber Norbert Neugirg wäre nicht der Kommandant der Altneihauser Feierwehrkapell'n, würde er auch nur ein bekanntes Gesicht auslassen. So können die Stoderer vom Konzern-Gnadenhof erleichtert aufatmen - die SPD-Fraktion aus dem Landkreis wird ebenfalls dichtend geschlagen.

Die Amberger Zeitung betitelt er als Aldi-Lidl-Norma-Netto-Begleitheft und nach einer kurzen Überlegung muss auch die Kirche daran glauben. Gleichberechtigung, das kann er. Seine spitze Nase in der Höhe, wippt er stehend auf und ab und wirkt wie der Lehrer Lämpel, dessen Charakter jedoch dem der Lausbuben Max und Moritz gleicht. Diese Mischung macht's.

Ohne Franken geht's nicht

Fad wird es an diesem Abend freilich nicht - im Gegenteil: Für die seelische Ausgewogenheit sorgen die Musiker von Hullerngroove aus Franken. Obgleich der Kommandant bekanntlich nicht viel für fränkische Wesen übrig hat, formte sich wohl im Laufe der vergangenen drei Jahre eine Art Hass-Liebe zwischen den Musikern und Neugirg. Sigrid Lukas, Rainer Brunn und Norbert Gubo sind eine absolute Bereicherung im Programm. Aus Abbas "Money, Money, Money" wird "Ich bin der faule Manni, leb' von der Annie. Und ihrem Geld." Und zur Untermalung von "schlichten, nicht vernichteten Gedichten" spielen sie Haindlings "Pfeif drauf" in Dauerschleife. Ihre Fränkische Weltmusik entsteht jedoch durch Interpretationen und dem Einfügen von Klängen, die der Balkan geprägt hat. "Des Backhendl, des optisch alles rausreißt", nett auf seine eigenwillige Art, beschreibt Norbert Neugirg die Dame des Trios. Wahrlich unterstreicht ihre minimalistische, aber sehr aussagekräftige Mimik während der Darbietungen so manche verbale Pointe.

Für den Verein Sega

Rein aus dem Herzen betrachtet, kann Norbert Neugirg kein schlechter Mensch sein. Denn der selbstlose Grund für die satirische Lesung im Club Lavida ist der Verein Sega, der sich um die Förderung der seelischen Gesundheit im Alter kümmert. Dieses gesamtgesellschaftliche Bündnis mit Sitz in Sulzbach-Rosenberg unterstützt durch Netzwerkarbeit die Gerontopsychiatrische Koordinierungsstelle Oberpfalz. Ortsnahe und unkomplizierte Hilfsangebote für psychisch Erkrankte, Beistand in seelischer Not oder die Ausbildung von ehrenamtlichen Helfern zur Entlastung von Angehörigen sind nur wenige der Aufgaben. Dass Vorstandsmitglieder Heidi Himmelhuber und Georg Pilhofer passioniert zur Entwicklung beitragen, ist unübersehbar. Und, wie sollte es anders sein, auch dafür findet Neugirg die passenden Worte. Er bedankt sich für Himmelhubers Penetranz und fügt hinzu, dass sie alles repariere, was unter Doktor Gebel kollabiere.

Norbert Neugirg und Hausherr des Clubs, Herrmann Josef Seidl, verzichten an diesem Abend nicht nur auf ihren Spesen-Ausgleich, sondern stellen ihre Dienstleistungen gar pro bono publico zur Verfügung.

Das Trio Hullerngroove aus Franken klagen, dass sie ihn ertragen, den Oberpfälzer, für ganz, ganz wenig Geld.
"Es prüfe, wer sich ewig bindet, ob man nicht sofort verschwindet". Schmankerln aus seinen vier geschriebenen Werken sind Bestandteil der satirischen Lesung.

 

 

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