26.07.2019 - 18:10 Uhr
AmbergOberpfalz

"Die Botschaft hat uns geschickt, um in die Oberpfalz Kultur reinzubringen"

Alfred Seppi ist seit 20 Jahren Stadionsprecher des FC Amberg. Der Österreicher kam der Liebe wegen in die Oberpfalz. In "Zugroast" erzählt er, warum er nicht mehr weg will - und welche Probleme er anfangs mit seinem Schwiegervater hatte.

Deutsche Mutter, Österreichischer Vater, italienischer Nachname, geboren in Tschechien: Alfred Seppi war „1945 der erste Europäer schon“, sagt er selbst.
von Julian Trager Kontakt Profil

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt's?

Alfred Seppi: Kann ich nicht so sagen. Dem Wiener sagt man auch nach, dass er ein Grantler ist. Vielleicht hat sich das neutralisiert, dass mir das nie aufgefallen ist.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Alfred Seppi: Na, ich hab allerweil eine Gaudi gemacht. Wenn mich die Leute am Anfang ein bisserl geärgert haben, habe ich halt angefangen mit den Ostfriesenwitzen. Die kannst auch auf die Oberpfalz ummünzen. Da habe ich gesagt: 'Die Botschaft in Wien hat uns in die Oberpfalz geschickt, damit wir da einmal Kultur reinbringen.' Dann war's ruhig. Na, ich hab nie Probleme gehabt, hab mich immer gut aufgehoben gefühlt, alleine durch die drei Brüder meiner Frau. Wie diese Familie zusammengehalten hat, war eine neue Erfahrung für mich als Einzelkind. Da war klar: Ich geh nicht mehr zurück nach Wien. Die Frage hat sich nie gestellt.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Alfred Seppi: Nein, ich hab hier alles. Das werd ich doch nicht aufgeben. Nach Wien fahr ich einmal im Jahr, eineinhalb Wochen, um mich ums Grab meiner Eltern zu kümmern. Früher, als sie noch gelebt haben, war ich öfter da. Aber nach drei, vier Tagen musste ich wieder zurück nach Amberg. Da habe ich's in Wien nicht mehr ausgehalten.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Alfred Seppi: Meine alten Freunde erzählen mir eher, dass ich keinen richtigen Wiener Dialekt mehr hab. Das ist bei mir ein Mischmasch aus Österreichisch und Oberpfälzerisch. Die sagen dann immer: 'Mei, host du an liaaben Dialeekt, den möcht ich a kenna.' Bei Besuch gehen wir auf den Mariahilfberg rauf und dann ins Schießl-Wirtshaus rein. Und in mein Stadion. Das reicht.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Alfred Seppi: Ganz am Anfang hab ich Schwierigkeiten gehabt. Vor allem mit dem Vater meiner Frau, ein Uroberpfälzer. Der war Spengler, und wenn er über seine Arbeit geredet hat, hab ich fast nichts verstanden. Da bin ich nur nach der Mimik und der Betonung gegangen und hab genickt oder den Kopf geschüttelt. Heute hab ich aber überhaupt keine Probleme mehr. Da können die Leute noch so geschert reden.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Alfred Seppi: Ich fühl mich hier geborgen, das ist meine Heimat. Ein Oberpfälzer bin ich aber nicht, ich bin ein gebürtiger Europäer.

Serie "Zugroast":

In der Kolumne "Zugroast" stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind - und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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