28.06.2019 - 11:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Bratwurst-Revolution am Bergfest in Amberg

Die Bratwurst ist des Ambergers liebstes Kind. Und das Bergfest ist das Hochfest der Bratwurst. Metzgermeister Herbert Hottner nutzt diese Bühne jetzt, um eine ganz spezielle Qualitätsoffensive zu starten.

Stroh macht froh. Herbert Hottner verwendet in seiner Metzgerei nur noch das Fleisch von sogenannten Strohschweinen. Auch seine Bratwürste auf dem Bergfest werden daraus hergestellt.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wer sich aufmerksam umsieht, bemerkt die ständig wachsende Zahl von Schweinemastanlagen, die rund um Amberg entstehen. Aus solchen Fabriken kommt meistens das Fleisch, aus dem die Amberger Bratwurst hergestellt wird. Herbert Hottner versucht nun, diesen Kreislauf zu durchbrechen. "Es heißt doch nur noch schneller, schneller, billiger, billiger", sagt er. Sein persönlicher Gegenentwurf lautet "Strohschwein".

Das sei nicht etwa ein Tier aus Stroh, erklärt Hottner, sondern eine Haltungsform, nicht viel anders als es vor 40 Jahren üblich gewesen sei. "Die Schweine können dabei im Stroh wühlen und müssen zum Fressen auf einen Strohballen klettern", sagt der Metzgermeister, der sich vor Ort in Grün bei Grafenwöhr von der Art der Schweinehaltung überzeugt hat. "Die Tiere klettern danach nicht etwa von den Ballen herunter, sie springen ins Stroh und tollen herum." Ein schöner Nebeneffekt: Tiere, die Spaß empfinden, werden weniger krank, der Landwirt benötigt deutlich weniger Medikamente.

Einen Bauern gefunden

"Ich war lange auf der Suche, jetzt habe ich einen Bauern in Grün gefunden", sagt Hottner und kommt auf die Bratwurst. Denn die stellt er selbstverständlich auch aus dem Fleisch der Schweine her, die ein befreundeter Metzger in Vilseck für ihn schlachtet. "Nachteil" bei der ganzen Sache: Qualität hat ihren Preis. Was bedeutet, dass die Bratwurst, die Herbert Hottner in der kommenden Woche auf dem Bergfest verkaufen wird, insgesamt zehn Cent teuerer sein wird als bei der Konkurrenz. Die verlangt heuer wahrscheinlich 1,30 Euro pro Stück, die Metzgerei Hottner verlangt 1,40 Euro.

Das ist der Punkt, bei dem Herbert Hottner dann doch ein wenig mulmig wird. Denn erstmals schert damit ein Anbieter aus der Preis-Phalanx der Amberger Bratwurstverkäufer aus. Das Zehnerl mehr, so fürchtet er, könnte den ein oder anderen möglicherweise davon abhalten, seine Wurst bei ihm zu kaufen. Dabei biete er im Gegenzug viel Qualität an. "Schweine, die sich viel bewegen, die wachsen natürlich auch langsamer", sagt Hottner. "Damit schmeckt auch das Fleisch viel besser." Außerdem würden die Strohschweine nicht sofort mit Erreichen des Schlachtgewichts verarbeitet - sie dürften noch einen Monat länger leben.

Tieren geht es gut

Herbert Hottner setzt auf Qualität. Sein Schweinefleisch kommt nur noch von Strohschweinen. Auch wenn die Bergfest-Bratwurst dadurch ein bisschen teuerer wird.

"Da geht es dem Tier, das ja für uns sein Leben lässt, wenigstens gut", so Hottner. Damit verbunden sei aber auch ein Mehrpreis von rund 25 Prozent für das Fleisch, der direkt dem Bauern zugute käme. Und den müsse er eben wenigstens zum Teil auf den Preis der Wurst draufschlagen. Er zieht aber einen Vergleich: 1,40 Euro kostet seine Bratwurst, fast ebenso viel müsse man für eine Kugel Eis bezahlen, hinter der deutlich weniger Aufwand stecke.

Sein Credo: Die Amberger sollten doch einfach mal seine Würste probieren und dann urteilen. Ein Zurück gibt es ohnehin nicht mehr für Herbert Hottner. Er hat sein gesamtes Sortiment, das aus Schweinefleisch besteht, auf Strohschweine umgestellt. Vielleicht, so hofft er, zieht ja der ein oder andere Konkurrent irgendwann nach.

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