16.08.2018 - 09:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Bretter, Latten und Marihuana

Der Mann raucht gerne und oft einen Joint. Das ist auf Dauer nicht billig. Also fängt er im Sommer 2017 einen Handel an.

Wegen Drogenhandels wurde ein 28-Jähriger aus dem Landkreis Schwandorf zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Außerdem muss er eine Therapie antreten.

Eher Zufall: Der 28-Jährige wurde kontrolliert, getestet und als einer identifiziert, der unter Drogeneinfluss unterwegs war. Wie üblich in solchen Fällen, setzte die Polizei zur Hausdurchsuchung an und konnte anschließend in ihr Sicherstellungsverzeichnis aufnehmen: "Über zwei Pfund Cannabisprodukte in einer Schublade gefunden." Dazu auch Bargeld und ein Küchenmesser.

Ein Richter erließ nach der spontanen Razzia Haftbefehl gegen den Mann aus dem nördlichen Kreis Schwandorf. Der Jurist hatte bei der Vernehmung auch gehört, dass es da ein Handy gab, auf dem Gespräche mit Abnehmern gespeichert waren. In den Dialogen war allerdings nie die Rede von Marihuana oder Haschisch. Gesprochen wurde über "Bretter", "Holzleisten" und "Latten" von bestimmten Längen.

Bedient wurden Abnehmer aus dem Raum Nabburg und bis in den Nachbarlandkreis Amberg-Sulzbach hinein. Ihre Identitäten ermittelte die Kripo Amberg. Doch wer die Ware in größerer Menge lieferte, blieb auch in einem Prozess, der nun vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts ablief, ungeklärt.

Der 28-Jährige ließ über seinen Verteidiger Helmut Mörtl (Regensburg) den Handel einräumen. Die Kammer wertete das als Geständnis. Nach einem sogenannten Rechtsgespräch, an dem sich neben den Richtern und dem Anwalt auch Anklagevertreter Oliver Wagner beteiligte, stand fest: Dieses Geständnis würde aller Voraussicht nach zu einer Bewährungsstrafe führen. So kam es später auch.

Zwei Tage waren für das Verfahren angesetzt. Es dauerte dann aber nur fünf Stunden. Wesentlich dabei: Ein Forensiker aus Erlangen hielt den Mann für abhängig von Cannabisprodukten und empfahl eine Therapie. Die Erste Strafkammer verhängte zwei Jahre Haft und setzte sie ebenso zur Bewährung aus wie die erfolgte Anordnung einer Entzugsmaßnahme. Allerdings wurde ins Urteil geschrieben, dass sich der 28-Jährige nun innerhalb von vier Monaten selbst um eine Therapie kümmern und sie auch antreten muss.

Der Haftbefehl gegen den 28-Jährigen wurde aufgehoben. Er konnte nach neun Monaten Untersuchungshaft zu seiner Familie zurückkehren. Die Strafkammer verhängte außerdem 3000 Euro Geldauflage, stellte dem Mann einen Bewährungshelfer an die Seite und ordnete regelmäßige Drogentests in den kommenden vier Jahren an.

Die Entscheidung deckte sich weitgehend mit den Anträgen von Staatsanwalt Wagner und Verteidiger Mörtl. "Wir gehen davon aus, dass die erlittene U-Haft bei Ihnen nachhaltige Wirkung hinterlassen har", sagte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber in der Urteilsbegründung. Gegen die Drogenkunden des 28-Jährigen wurden separate Verfahren eingeleitet.

Hintergrund:

Wer bewaffnet Drogenandel betreibt, dem droht eine Mindeststrafe von fünf Jahren. Als Fahnder im November 2017 die Wohnung des 28-Jährigen durchsuchten, stießen sie auf eine Schublade, in der sich neben einer größeren Menge Rauschgift auch Bargeld und ein 16 Zentimeter langes Küchenmesser befanden. Deswegen gingen zunächst die Staatsanwaltschaft und später auch mehrere Richter davon aus, dass dieses Messer gegen mutmaßliche Drogenkunden hätte eingesetzt werden können.

Im Prozess machte der 28-Jährige jetzt erstmals Angaben und unterstrich, dass er das Küchenmesser zum Portionieren von Cannabisplatten verwendet habe. Bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass an der Klinge Anhaftungen von Haschisch waren. "Deswegen glauben wir jetzt dem Angeklagten", sagte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber. Damit war die ihm drohende Gefahr eines langen Gefängnisaufenthalts für den Beschuldigten vom Tisch.

Zuvor hatte Verteidiger Helmut Mörtl die Verfahrensweise der Justiz kritisiert und festgestellt, sein Mandant sei bei einer Dauer von neun Monaten viel zu lange in Untersuchungshaft gewesen. Dem aber widersprach die Kammervorsitzende: "Der Eindruck, dass dieses Messer als Waffe hätte dienen können, hatte sich aufgedrängt."

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