Amberg
19.12.2025 - 09:09 Uhr
OnetzPlus

Briefwechsel zwischen Amberg und Rom: 83-Jährige korrespondiert mit dem Vatikan

Edeltraud Jarkulisch ist gerade 83 geworden. Sie ist am gleichen Tag geboren wie der verstorbene Papst Franziskus. Ihm schrieb sie jährlich zum gemeinsamen Geburtstag und bekam fast immer Antwort. Nun meldet sich sein Nachfolger.

Edeltrautd Jarkulisch hat am 17. Dezember Geburtstag – am selben Tag wie der inzwischen verstorbene Papst Franziskus. Bild: Jennifer Battaglia
Edeltrautd Jarkulisch hat am 17. Dezember Geburtstag – am selben Tag wie der inzwischen verstorbene Papst Franziskus.

Als Edeltraud Jarkulisch vom Tod Papst Franziskus' erfuhr, war sie geschockt. Am Ostermontag dieses Jahres war der Pontifex verstorben. Nur einen Tag zuvor hatte er noch – wenn auch sichtlich angeschlagen – den Segen Urbi et Orbi auf dem Petersplatz gespendet. Bei der Live-Übertragung saß auch Edeltraud Jarkulisch vor dem Fernseher. "Da habe ich schon befürchtet, dass es womöglich das letzte Mal sein könnte", sagt die 83-Jährige heute.

Mit dem verstorbenen Papst fühlte sie sich besonders verbunden, denn beide sind an einem 17. Dezember geboren. Über zehn Jahre lang gratulierte Jarkulisch dem Pontifex jährlich per Brief zu ihrem gemeinsamen Geburtstag –und bekam fast immer Antwort. Nur einmal erhielt sie keine Nachricht, was wohl der Pandemie geschuldet war.

Einem Papst kann man schreiben

Begonnen hatte alles mit einem Vortrag von Stefan von Kempis im Jahr 2013, wie Jarkulisch im Gespräch mit Oberpfalz-Medien schildert. Damals kam der Journalist, der mittlerweile die deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan führt, nach Amberg und stellte seine Biographie über Papst Franziskus vor. Ein Schlüsselmoment für die Seniorin, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte.

Zwar wusste die Frau da bereits, dass sie und Franziskus am selben Tag Geburtstag haben. Durch den Vortrag erfuhr sie aber noch viele weitere Details aus dem Leben des damals neu gewählten Papstes. Dass er zum Beispiel mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio hieß und vor seinem Eintritt in den Jesuitenorden eine Ausbildung zum Chemietechniker gemacht hatte. "Mein Sohn heißt auch Mario und hat Chemie studiert", sagt Jarkulisch. Die Gemeinsamkeiten erstaunten nicht nur sie, sondern auch Journalist von Kempis, der ihr dazu riet, dem Pontifex zu schreiben. Und die passende Adresse lieferte er gleich mit: Papst Franziskus, Vatikan, 00120 Rom, Italien.

"Dass man einem Papst einfach so schreiben kann, hätte ich nicht gedacht", sagt Jarkulisch. Sie versuchte damals ihr Glück und bekam nach wenigen Monaten prompt Antwort. Ein Dankeschreiben aus dem Vatikan mit einem kleinen Bild des Papstes. Zwar hatte das Schreiben nicht Franziskus selbst, sondern ein Prälat unterzeichnet, Edeltraud Jarkulisch freute sich trotzdem sehr.

Auch unter Papst Leo wird geantwortet

Seitdem schrieb sie dem Pontifex jedes Jahr. Zu ihrem 75. Geburtstag bekam sie nicht nur einen Brief, sondern auch einen Rosenkranz zurück, den sie besonders in Ehren hält. Nach dem Tod Franziskus' ist die Ambergerin nun traurig, dass sie ihm nicht mehr zum 17. Dezember schreiben kann. "Ich vermisse es schon", sagt sie. "Es war ein schönes Ritual für mich in der Vorweihnachtszeit."

Im Herbst hat sie aus reiner Neugierde dem neuen Papst zum Geburtstag gratuliert. Am 14. September feierte Leo XIV. seinen Siebzigsten. "Ich wollte wissen, ob der Vatikan unter ihm auch antwortet", sagt Jarkulisch. Und tatsächlich: Nur wenige Wochen nach ihrem Brief bekam sie wieder Post. Dieses Mal zwar ohne persönliche Anrede, dafür aber erneut mit Foto des neuen Papstes, unterzeichnet von Erzbischof Edgar Peña Parra – der aktuellen Nummer drei im Vatikan.

Ob Edeltraud Jarkulisch dem Papst auch im kommenden Jahr wieder schreiben wird? Das weiß sie noch nicht so genau. "Da liegt ja noch fast ein Jahr dazwischen."

OnetzPlus
Amberg22.03.2023
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.