09.10.2019 - 10:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Den Bruder fast angefahren? Familienstreit landet vor Gericht

Im Gerichtssaal beschäftigte die Frage: Wie kann man unter Brüdern so leben? Vor Amtsrichter Peter Jung saßen zwei Männer, die sonst kein Wort miteinander reden. Gefährlich nahe waren sich beide aber im Straßenverkehr gekommen.

Zwei Brüder, die erbittert zerstritten sind, trafen sich jetzt vor Gericht. Weil der eine dem anderen im Straßenverkehr gefährlich nahe gekommen sein soll.
von Autor HWOProfil

Zerstritten sind die Brüder wegen familiärer Angelegenheiten. Nun sind sie an eine Front gelangt, bei der einer den anderen wegen gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr anzeigt. Für den Beschuldigten endet das Verfahren mit einem glatten Freispruch. Auch im Sitzungssaal wechselten die Brüder kein Wort miteinander. An diesem Ort wurde die Gegnerschaft der beiden nur noch unversöhnlicher. Zumal sich die Strafanzeige des einen in Richtung des anderen als eine Art Rohrkrepierer erwies.

Um Haaresbreite

An einem Nachmittag im März dieses Jahres war der eine (52) mit seinem Mountainbike auf einem Radweg entlang der Bundesstraße 299 im nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach unterwegs. Rein zufällig kam auf dieser Straße sein Bruder (56) mit dem Auto vorbei. Beim Linksabbiegen des Pkw soll es dann zu einem heftigen Zwischenfall gekommen sein. Nur um Haaresbreite fuhr der Wagen an dem gerade eben zur Bundesstraße gelangten Bike vorbei. "Das", sagte die Staatsanwältin, "hat die Sicherheit des Mannes erheblich gefährdet." Eine offenbar gezielt und arglistig ausgeführte Attacke, die nach Meinung der Ermittlungsbehörde im Bereich des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr lag.

Angriff auf Leib und Leben

Die Sache setzte sich fort mit einem angeblich zweiten Angriff auf Leib und Leben des Radlers. Ein paar Minuten nach dem ersten Zwischenfall war er in einer neben der B299 liegenden Ortschaft unterwegs. Wieder, so erfuhr damals die Polizei noch am gleichen Tag, soll der Radler vom überholenden Auro seines Bruders akut gefährdet worden sein. Und zwar so, dass er fürchten musste, an einen Zaun am Fahrbahnrand gedrückt zu werden. Mithin also ein weiterer gefährlicher Eingriff. Zumindest dem Ermittlungsergebnis nach.

Der Angeklagte stellte nicht in Abrede, dass er seinen auf dem Rad daher kommenden Bruder sah. "Schon von weitem", berichtete er. Doch den Verdacht, Attacken gestartet zu haben, wies er strikt von sich. Dann kam der Anzeigeerstatter als Zeuge - in diesem ungewöhnlichen Fall der Bruder des mutmaßlichen Angreifers. Der Mann schilderte die Übergriffe und sah sich Fragen sowohl von Richter Peter Jung als auch von Verteidigerin Heidrun Schnappauf ausgesetzt. Sie zielten auf exakte Schilderungen ab. Plötzlich klafften da eklatante Unterschiede zu dem, was der Mann gegenüber der Polizei zu Protokoll gegeben hatte. Da passte einiges nicht zueinander. Ab dann verzichtete Richter Jung auf die Vernehmung weiterer Zeugen.

Staatsanwältin und Verteidigerin kamen in ihre Schlussvorträgen zu der Auffassung, dass die Entscheidung nur auf Freispruch lauten könne. Der Vorsitzende schloss sich dieser Meinung an. "Da ist vieles unklar", sagte er und fügte hinzu: "Eine Verurteilung kann hier nicht in Frage kommen."

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