26.02.2020 - 15:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Bürgerspital-Areal: "Wir gehen diesen Weg"

Es ist das Areal mit der ältesten nachgewiesenen Geschichte Ambergs: Dort, wo vor 2600 Jahren Kelten ihre Toten bestatteten, soll in Zukunft gewohnt und eingekauft werden. Das Bürgerspital-Areal war bei der AZ-Podiumsdiskussion ein Thema.

Das Bürgerspital-Gelände hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die bis ins sechste Jahrhundert vor Christus zurückreicht. Über die Zukunft des Areals diskutierten die OB-Kandidaten bei der AZ-Podiumsdiskussion.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Fünf Bewerber gibt es für das Amt des Oberbürgermeisters, vier standen bei der AZ-Podiumsdiskussion im Ring-Theater Rede und Antwort zu unterschiedlichen Themenkomplexen. Drei äußerten sich zur Zukunft des Bürgerspitals. Dabei ging es weniger darum, was über der Erde entstehen soll, sondern vielmehr um die Parkplätze und die geplanten Zu- und Abfahrten für die künftige Tiefgarage. Im Stadtrat vom 3. Februar fiel zum Thema Bürgerspital-Areal ein Grundsatzbeschluss mit Hilfe der Stimmen von CSU und SPD mit deutlicher Mehrheit.

Kritisch sah dies Hans-Jürgen Bumes (Grüne): "Rückblickend muss ich sagen, dass die Nutzung als Altersheim an dieser Stelle gar nicht so uninteressant war, weil wir die Sache mit dem Stellplatznachweis in der Form nicht hatten, aber Frequenz in der Stadt. Letztendlich ist der Zug jetzt abgefahren. Den können wir nicht mehr zurückholen." Doch generell falle ihm bei vielen Entscheidungen auf: "Wir sind dabei, den Rollback zu machen, dass wir kitten oder wiederherstellen, was wir hatten. Die Stiftung wurde letztes Jahr 700 Jahre alt. Sie stellt für Amberg eine zentrale Funktion dar." Er nannte als Beispiel die Drei Höfe: "Da läuft es jetzt genau in die Richtung Fassaden erhalten, Gebäude erhalten, nicht abreißen, sondern behutsam erneuern."

Doch sein größter Kritikpunkt an den Planungen war die Ausfahrt von der Tiefgarage in den Spitalgraben. Sie führe dazu, dass der Verkehr von der Kasernstraße in die Ziegelgasse und damit in die Altstadt reingezogen werde. Sein größter Wunsch: Die Ausfahrt solle hinter der Wirtschaftsschule wieder heraus führen, um "einen großen Kreis", der durch die Altstadt führen würde, zu vermeiden.

Dazu kam eine Frage grundsätzliche aus Facebook ("Warum wird eine weitere Tiefgarage benötigt?"), die OB Michael Cerny beantwortete: "Weil es im Gesetz steht." Stichwort: Stellplatznachweis. Moderator Andreas Ascherl zitierte dazu aus ISEK: Autosuchverkehr soll vermieden werden, "weil es eine Innenstadt eher unattraktiv macht".

Cerny betonte, dass die anfängliche Planung auf 200 Stellplätze ausgelegt gewesen sei. "100 für Wohnen und 100 für den Handel. Das war auch die Basis des damaligen Wettbewerbs." Mittlerweile hat Investor Ten Brinke erklärt, auf ein Geschoss der geplanten Tiefgarage auf dem Bürgerspitalgelände verzichten zu wollen. Damit starb auch die viel diskutierte Einfahrt in der Bahnhofstraße. "Mich wundert es immer, wenn die Grünen sagen, da hat die CSU eine Idee gehabt. Alle haben einstimmig mitgestimmt, dass wir den Wettbewerb machen", kritisierte Cerny den Rückblick von Bumes.

Es stehe ebenfalls im ISEK, dass ein Nahversorger in der Innenstadt wichtig sei, hielt Cerny entgegen. "Die jetzige abgespeckte Variante sieht reines Quartierswohnen vor. Wer dort wohnt oder kauft, hat einen Parkplatz. Der Suchverkehr entsteht erst, wenn keine Parkplätze da sind", war Cerny der Meinung.

ÖDP-Kandidat Franz Badura beschrieb seine Gemütslage zur Beerdigung der Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße: "Darüber sind wir sehr glücklich." Sie wäre eine "städtebauliche Todsünde" gewesen, so Badura. Seine Lösung für die Quartiersgarage: Ziegelgasse rein, Ziegelgasse raus.

"Welche finanziellen Folgen hätte ein Vertragsausstieg seitens der Stadt mit Ten Brinke?", hieß eine Frage dazu aus den Reihen der Zuschauer. "Das ist eine juristische Diskussion", so Cerny. Doch ab dem Moment, wo einzelne Stadträte an die Öffentlichkeit gehen und der Stadt Schuld zuweisen würden, werde es seiner Meinung nach für den Investor leichter zu argumentieren. "Aber die entscheidende Frage für mich ist: Will jemand, der jetzt aussteigen will, den ganzen Prozess von vorne starten? Und damit eigentlich gefühlt vier bis fünf Jahre verlieren, bis man bebauen kann. Oder will man versuchen, das Projekt durchzuziehen, mit Anpassungen? Dazu haben wir einen mehrheitlichen Stadtratsbeschluss. Von daher gehen wir den Weg."

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