21.11.2021 - 14:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Bundeswehr-Krankenhaus Amberg: Wohnungskäufer fühlen sich "verarscht"

Die Eigentümer des alten Bundeswehr-Krankenhauses in Amberg hatten versprochen, das Bettenhaus zu sanieren und 119 Wohnungen zu schaffen. Daraus wird zum Leidwesen der Käufer vorerst nichts. Drei von ihnen reden jetzt Klartext.

Das ehemalige Bettenhaus: Außen ist die Sanierung beendet, im Inneren warten alle 119 Wohnungen auf den Ausbau.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Wer sich auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Krankenhauses an der Köferinger Straße für eine Wohnung interessiert und im Internet danach sucht, landet zunächst auf der Seite der Denkmalneu GmbH aus Forchheim. Doch diese ist seit 2017 und dem Verkauf des 80 000 Quadratmeter großen Areals an die SGI Unternehmensgruppe (Baden-Baden) gar nicht mehr Eigentümerin. Wer danach im Online-Auftritt der SGI stöbert, liest Folgendes: "In Amberg wird ein gemischtes Quartier zu neuem Leben erweckt. Wohnen, Arbeiten, Freizeit genießen. Entdecken Sie einen Ort urbaner Vielfalt mitten in der lebenswerten Oberpfalz." Und: "Anlegern bietet sich (...) die Chance auf ein Investitionsobjekt im Herzen Bayerns, das die Anforderungen an eine langfristig renditestarke Kapitalanlage perfekt erfüllt." Perfekt fühlt sich die Kapitalanlage für die Käufer der 119 Wohneinheiten im sanierten Bettenhaus jedoch nicht an. Im Gegenteil: Es gibt ein anhängiges Insolvenzverfahren des Investors Campus Amberg GmbH. Die dazugehörige Beteiligungsgesellschaft SGI Amberg Campus Amberg GmbH ist zudem mittlerweile mangels Masse aufgelöst.

Arbeiten ruhen seit Mai

Mit anderen Worten: Der Investor ist zahlungsunfähig und konnte beispielsweise die vom mit dem Bau beauftragten Generalunternehmer geforderte Sicherheitsleistung nicht hinterlegen. Deshalb ruhen seit Mai dieses Jahres die Arbeiten. Bei allen 119 Wohneinheiten, die im ehemaligen Bettenhaus entstehen sollten, fehlt jeweils der komplette Innenausbau, was ein SGI-Sprecher zu Beginn des Monats gegenüber Oberpfalz-Medien bestätigt hat.

Wie lange es noch dauert, bis das Insolvenzverfahren eingeleitet werden kann und die Arbeiten eventuell fortgesetzt werden, muss der vorläufige Insolvenzverwalter Dirk Pehl aus dem baden-württembergischen Achern bei Baden-Baden derzeit offen lassen, denn noch seien zu viele Fragen ungeklärt. Zum Beispiel die, ob die SGI finanzielle Ansprüche an die Vorgänger-Eigentümer (Denkmalneu) geltend machen kann. Wie es von mehreren Seiten heißt, stehe in dieser Angelegenheit noch ein richterliches Urteil aus. Da es sich derzeit um ein schwebendes Verfahren handelt, möchte sich keiner der Beteiligten dazu äußern.

Erst Status quo erfassen

Für die Käufer der 119 Wohneinheiten heißt das, weiter warten zu müssen. Auch, weil ein Fachanwalt und ein Gutachter vom vorläufigen Insolvenzverwalter den Auftrag erhalten haben, eine Bestandsaufnahme zu erstellen, die noch nicht beendet ist, da bei allen Wohnungen einzeln der Staus quo ermittelt werden müsse. Das kann dauern. Der Termin der Fertigstellung ist ungewiss. Wenn sie all diese Informationen auf sich wirken lässt, kommen einer 50-Jährigen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, die ihren Lebensmittelpunkt in der Nähe von Regensburg hat, mehr als nur ernsthafte Zweifel, ob besagtes Bauvorhaben jemals abgeschlossen werden kann.

Die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet, sie habe im Jahr 2017 eine Wohnung im Bettenhaus gekauft - als künftigen Altersruhesitz. Die Fertigstellung sei für Sommer 2019 versprochen worden: "Das hat leider nicht geklappt." Stattdessen sei der Frau mitgeteilt worden, dass die Denkmalneu GmbH, die in diesem Fall als Verkäuferin aufgetreten war, die Immobilie an die SGI abgetreten hat. Mehr nicht. Es habe die Zeit des Wartens begonnen, die nicht ohne spürbare Konsequenzen geblieben sei: "Durch die Verzögerung hatte ich Bereitstellungszinsen von gut 12.000 Euro zu zahlen." Zwei Jahre lang habe ihr die SGI zwar einen angemessenen Mietausfall bezahlt, aber: "Ich hätte lieber eine fertige Wohnung gehabt." Im Mai dieses Jahres sei die Frau darüber informiert worden, dass die SGI Campus GmbH einen Insolvenz-Antrag gestellt hat. Seitdem seien der 50-Jährigen "nur noch Kosten" entstanden, über deren Höhe sie nicht gern redet. Ihr Ärger ist groß, Wut und Enttäuschung sind es auch: "Ich habe einen Anwalt beauftragt. Der meinte, da kann man nur warten."

Zu 90 Prozent fertig

Die Frau, die seit 20 Jahren in der Nähe von Regensburg lebt und beruflich in einer gehobenen Position tätig ist, wollte im Alter zurück nach Amberg. In ihre eigene Wohnung im Bettenhaus: "Jetzt ist meine Wohnung zu 90 Prozent fertig und seit Mai passiert nix. Die Angst, eine Bauruine gekauft zu haben, die meine kompletten Ersparnisse verschlingen wird, macht mir zu schaffen. So geht es wahrscheinlich auch den anderen Käufern." Diese Vermutung stimmt. Auch ein 57 Jahre alter Amberger, der 2017 für seine Mutter eine 69 Quadratmeter große Wohnung gekauft hat, bleibt vorerst auf seinen Kosten sitzen. 290.000 Euro habe die Unterkunft samt Maklergebühren, Notar und Tiefgaragen-Stellplatz gekostet. 200.000 Euro hat der Geschäftsmann, der ebenfalls anonym bleiben will, eigenen Aussagen zufolge bereits überwiesen. Auch er erhebt schwere Vorwürfe und findet deutliche Worte: "Ich fühle mich verarscht." Aus vielen Gründen. So sei sowohl bei der Denkmalneu GmbH als auch bei der SGI die Kommunikation "unterirdisch" gewesen. Informationen seien, wenn überhaupt, "nur bröckchenweise" geflossen. Auch der Baufortschritt sei nicht optimal gewesen: "Ich war am Anfang der Meinung, dass die Baufirma einfach schlecht ist."

Nun stelle sich die Situation aber anders dar: "Wenn die SGI nicht zahlt, wonach es ja aussieht, und die Baufirma sagt, wir machen deswegen nichts, ist das wieder eine andere Sache." Seine Mutter, die im Landkreis Amberg-Sulzbach wohnt, habe sich wegen der Stadtnähe, der guten Busverbindungen und dem sich von der Terrasse aus bietenden Blick auf den Park für die Wohnung entschieden, die von der Immobilien-Abteilung der Sparkasse Amberg-Sulzbach "wärmsten empfohlen" worden sei: "Die 9000 Euro Makler-Provision haben wir schon bezahlt. Obwohl die Wohnung nur etwa zu zwei Drittel fertig ist." Der Mann spricht davon, die bis dato gezahlten 200.000 Euro "gedanklich geparkt" zu haben, in der Hoffnung, dass sich jemand findet, der die ausstehenden Arbeiten übernimmt: "Dann wäre ich vielleicht sogar bereit, noch mal 50.000 Euro in die Hand zu nehmen." Vor diesem Hintergrund trägt sich der 57-Jährige mit dem Gedanken, Kontakt zu anderen Käufern und Eigentümern zu suchen, um gegebenenfalls rechtliche Schritte gemeinsam prüfen zu können. Zudem wolle er klären lassen, ob der Kauf rückgängig gemacht werden kann. Das sei im Moment aber nur eine Idee: „Ich habe noch nichts unternommen. Wir müssen sowieso abwarten, weil wir gerade eh nichts tun können. Wir kommen nicht mal ins Haus rein.“

Park kleiner, Tiefgarage größer

Vom Baustopp betroffen ist auch ein Ehepaar aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach. Die beiden Mitfünfziger haben für 200 000 Euro eine 55 Quadratmeter große Wohnung gekauft. Als Kapitalanlage. Bezahlt haben sie bisher aber „nur“ Makler und Notar. Zudem haben sie Steuern überwiesen. Mehr nicht. „Weil die Tiefgarage größer und der Park dadurch kleiner geworden ist“, erzählt der Ehemann. Diese Flächenänderung entspreche nicht dem Vertrag. Ihr Geld hielten die Käufer deswegen zurück und warteten ab. Dann wurde das Ehepaar skeptisch.

Ein Denkmalneu-Vertreter habe sich gemeldet und angekündigt, einen neuen Vertrag zuschicken zu wollen. Das Problem: Die GmbH sei zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr Eigentümerin des Bettenhauses gewesen, sondern bereits die SGI. „Ich wusste das und habe das dem Herrn auch gesagt und nicht unterschrieben“, erzählt der Mann und fügt hinzu: „Da habe ich mich verarscht gefühlt.“ Gezahlt habe er für die Wohnung noch immer nichts: „Warum auch? Wir haben bisher ja noch nicht mal eine Rechnung erhalten. Soweit ich weiß, sind wir da kein Einzelfall.“ Seine Frau schlussfolgert: „So gesehen ist es kein Wunder, dass die pleite sind.“

Die Arbeiten ruhen auf BWK-Gelände seit Mai 2021

Amberg

„Die Angst, eine Bauruine gekauft zu haben, die meine kompletten Ersparnisse verschlingen wird, macht mir zu schaffen.“

Eine Käuferin (50) aus dem Raum Regensburg

 

 

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