22.02.2019 - 15:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Bus-Rauswurf hat Konsequenzen

Der Rauswurf von Nicoletta Fahrmer und ihrem behinderten Sohn aus einem Linienbus wurde in den sozialen Medien und der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Jetzt reagiert das Busunternehmen.

Nicoletta Fahrmer und ihr Sohn Arien. Am Montag soll es ein weiteres Gespräch mit allen Beteiligten geben.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Dieser Vorfall war nun auch einer der Tagesordnungpunkte der Verbandsversammlung des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) am Freitag.

Die Vorgeschichte

Amberg

"Das hat sich meiner Meinung nach ganz anders zugetragen", sagte Hans-Jürgen Haas, Geschäftsleiter der ZNAS, bei der Sitzung im Landratsamt. Am Dienstag habe es ein Gespräch mit der Ambergerin, dem betroffenen Busunternehmen Linzer, dem Fahrer und dem ZNAS gegeben. Haas ärgert sich über das mediale Echo: "Das grenzt an Rufschädigung." Aus Sicht des Zweckverbands hatte der Fahrer vollkommen Recht damit, die 30-Jährige und ihre beiden Kinder nicht mehr einsteigen zu lassen. Der Grund: Der Bus hatte nur ein bis zwei vom TÜV zugelassene Stellplätze für Gegenstände - dazu gehören Kinderwagen, Rollstühle oder auch Fahrräder. Dieser Platz war schon von zwei Buggies besetzt. Fahrmer forderte eine der zugehörigen Mütter, später dann den Busfahrer, auf, den Platz für den Spezialwagen ihres Sohnes freizumachen. Ein Buggie sollte derweil im Gang stehen. Das sei aber nicht erlaubt, erläuterte Haas. Bei einer aprupten Bremsung könne ein nicht gesicherter Kinderwagen wie ein Geschoss nach vorne geschleudert werden. Der Fahrer trage die Verantwortung. "Ich hätte in dem Fall genauso wie der Fahrer reagiert", sagte Haas. Außerdem betonte er, dass die Behinderung des Kindes nie ein Thema oder gar ein Kriterium für die Mitnahme gewesen sei. Der Vorwurf der Diskriminierung sei haltlos.

"Es trafen einfach mehrere unglückliche Umstände aufeinander", erklärte der Geschäftsleiter. Die nächste Haltestelle, an der die Mutter versuchte einzusteigen, sei zugeparkt gewesen, weswegen der Busfahrer (derselbe wie zuvor) bereits kurz vor der Haltestelle anhielt. Aus diesem Grund konnte sich eine andere Mutter mit Kinderwagen erneut vor der betroffenen Familie einen Platz im Fahrzeug suchen. Der Busfahrer entschied auch hier, die Passagiere mitzunehmen, die zuerst da waren. "An dieser Stelle hätte der Busfahrer schon überlegen können, ob er dieses Mal Frau Fahrmer und Sohn Arien mitnimmt", räumt Haas ein, zeigte aber gleichzeitig Verständnis, dass der Fahrer seiner Linie treu blieb. Daraufhin habe Fahrmer lautstark im Bus geschimpft. Bei einem klärenden Gespräch habe die Betroffene nun eingesehen, dass es zu gefährlich gewesen sei, einen Kinderwagen auf den Gang zu stellen.

Wegen diesem Vorfall hat die Firma Linzer unterdessen angekündigt, ihren Bussen aus eigenem Antrieb einen weiteren Kinderwagen-Stellplatz hinzuzufügen. Bei zehn geschieht das dieses Jahr, die anderen sollen folgen. Auch die Neuanschaffungen würden direkt so bestellt. Außerdem überlegt der ZNAS, ob in Zukunft bei solchen besonderen Fällen vom Busfahrer ein Taxi gerufen werden soll.

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