31.08.2019 - 18:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Christopher Street Day: Amberg feiert friedlich die Vielfalt

Bunt, ein bisschen schrill und absolut friedlich: So war der erste Christopher Street Day in Amberg mit Hunderten, die durch die Innenstadt zogen und auf dem Marktplatz Party machten. Und mittendrin: Tessa Ganserer.

Ein klares Bekenntnis zur Vielfalt in der Gesellschaft: Ambergs erster Christopher Street Day.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Rhythmische Trommelklänge von Samba Secco, Menschen, die die Regenbogen-Fahne schwenkten und viele Bürger, die sich dem Anliegen von Kunterbunt Amberg, der ersten Jugendgruppe für LGBTQ+ in der Stadt, anschlossen: Sie alle feierten am Samstagnachmittag einen bunten, vielfältigen und absolut friedlichen Christopher Street Day in Amberg.

In den großen Zug durch die Stadt reihten sich viele ein - nach Angaben der Polizei waren es rund 500 Menschen, die mitmarschierten, darunter auch die IG Metall und Siemens Amberg, aber auch eine Abordnung des Christopher Street Days Nürnberg, die gerne in die Oberpfalz gekommen war, um Kunterbunt als Organisator der Veranstaltung zu unterstützen. "Ich finde es super, dass in Amberg so was auf die Beine gestellt wird", betonte Bastian, Vorsitzender von CSD Nürnberg. Schließlich sei die Oberpfalz in Sachen Christopher Street Day bis auf Regensburg ein "unbespieltes Fleckchen".

Und hier gibt's die Bilder:

Nach gut 45 Minuten erreichte der Zug, der auf dem Multifunktionsplatz gestartet war, den Marktplatz. Dort hatten bereits verschiedene Initiativen, aber auch Parteien ihre Stände aufgebaut. Prominenteste Rednerin war Tessa Ganserer, die für Bündnis 90/Die Grünen im Maximilianeum sitzt und erste transsexuelle Abgeordnete in einem deutschen Landesparlament ist.

Prominenter Gast

Sie erinnerte an die erste Pride in der New Yorker Christopher Street vor 50 Jahren. Und daran, dass erst seit 1990 Homosexualität nicht mehr als Krankheit geführt wird, dass erst 1994 der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte, abgeschafft wurde. Seit 2001 gibt es die eingetragenen Lebensgemeinschaften, seit nunmehr zwei Jahren die Ehe für alle. "Wir ziehen nicht mehr nach Berlin oder Köln, wir werden uns nicht mehr verstecken", rief die bayerische Landtagsabgeordnete in die Menge und rief zur Einigkeit auf: "Wir müssen als Regenbogen-Familie zusammenhalten."

"Ein Stück Geschichte in Amberg geschrieben"

Sie forderte ebenso wie Uschi Unsinn, Dragqueen aus Nürnberg und queere Aktivistin, einen Aktionsplan queeres Bayern. Und die Abschaffung des seit 1981 existierenden Transsexuellen-Gesetzes. Noch immer sei es so, dass man zwei psychologische Gutachten über sich ergehen lassen und vor Gericht gehen müsse, um sein rechtliches Geschlecht und seinen Namen zu ändern. Das entscheide dann ein Richter. "Das gleicht einer psychischen Vergewaltigung", so Tessa Ganserer. "Da wird unser Menschenrecht auf Selbstbestimmung mit Füßen getreten." Ein Lob für die Amberger CSD-Organisatoren hatte Ganserer auch parat: "Das ist einfach großartig, hier wurde heute ein Stück Geschichte geschrieben."

Organisatoren sind zufrieden

Sowohl Stefan Dietl, Vorsitzender von Verdi Oberpfalz, als auch Eva Kappl, Kreisvorsitzende der Linken in der Mittleren Oberpfalz, erinnerten an das Verbrechen an Klaus Peter Beer, verübt von zwei Amberger Neonazis vor 24 Jahren. Dietl sagte, Beer musste damals sterben, weil "seine Homosexualität nicht in das faschistische Weltbild" der beiden Täter passte. Es sei wichtig, an die Opfer neonazistischer Gewalt zu erinnern, betonte der Gewerkschafter. Vollauf zufrieden zeigte sich Phillip, einer der Organisatoren des ersten Christopher Street Days in Amberg und Kunterbunt-Mitglied, mit der Resonanz am Samstagnachmittag. "Viele Leute sind gekommen, sie haben super mitgemacht. Sie hatten Spaß", freute er sich. Und auch die Polizei stellte der Veranstaltung ein exzellentes Zeugnis aus: Alles sei friedlich verlaufen, es habe keinerlei Probleme gegeben.

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