06.06.2021 - 11:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Corinna Loewert im Interview: Das macht Ambergs Klimaschutzmanagerin

Corinna Loewert, die Klimaschutzmanagerin der Stadt Amberg, hat bis 2024 noch viel vor. Im Interview erzählt sie von ihren täglichen Herausforderungen, Herzensprojekten und warum es okay ist, sich auch mal eine kleine Klimasünde zu gönnen.

Corinna Loewert ist die Klimaschutzmanagerin der Stadt Amberg.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Seit 2019 ist Corinna Loewert als Klimaschutzmanagerin der Stadt Amberg tätig. Im Interview erzählt sie von ihren Aufgaben und ihrem Antrieb.

ONETZ: Was macht eigentlich eine Klimaschutzmanagerin?

Corinna Loewert: Ich habe einen Aufgabenkatalog, den ich bis 2024 abzuarbeiten habe. Die Aufgaben betreffen verschiedene Bereiche: Verkehr, private Haushalte und auch Unternehmen. Intern überprüfe ich die Energiesparmaßnahmen der Stadt und mache Öffentlichkeitsarbeit. Also eigentlich all das, was Klimaschutz so betreffen kann, da wurstle ich mit. Mal mehr, mal weniger. Als Klimaschutzmanagerin muss ich viel organisieren, koordinieren, netzwerken und Strategien entwickeln. Die Umsetzung findet dann meistens an anderen Stellen statt.

ONETZ: Das heißt, Klimaschutzmanagerin ist eher ein Bürojob?

Corinna Loewert: Ich bin normalerweise gar nicht so viel im Büro, weil ich mich oft für Projekte mit Leuten vor Ort treffe. Persönlicher Kontakt spielt eine große Rolle. Aber tatsächlich habe ich durch Corona momentan mehr Zoom-Meetings im Büro.

ONETZ: Gibt es für Sie ein persönliches Herzensprojekt in Amberg?

Corinna Loewert: Was ich für die Stadt ganz wichtig finde, ist, dass Amberg nochmal unabhängig von den Klimazielen der Bundesregierung eigene Ziele definiert und deren Umsetzung überdenkt. Das steht bereits auf meiner Aufgabenliste.

ONETZ: Woran haben Sie sich in Amberg die Zähne ausgebissen?

Corinna Loewert: Eigentlich an mehreren Dingen. Insgesamt ist es sehr schwierig, Leute zum Sanieren zu motivieren. Überall, wo viel Geld im Spiel ist und es auf Einzelne ankommt, muss ich viel Überzeugungsarbeit leisten. In Sachen Verkehrsplanung ist es auch immer sehr schwierig. Da man verschiedene Faktoren berücksichtigen muss. Man kann nicht einfach hingehen und sagen, die ganze Straße wird zum Radweg.

ONETZ: Überzeugungsarbeit ist also eine große Herausforderung?

Corinna Loewert: Es ist immer schwierig, die Leute zu erreichen. Corona macht es nicht leichter, weil sich jeder zu Hause verkrochen hat.

ONETZ: Corona spielt also denjenigen in die Karten, die nichts für das Klima ändern wollen?

Corinna Loewert: Ja, mehr oder weniger. Am Anfang des Jahres hat man es deutlicher gesehen. Durch den Lockdown ist nicht so viel passiert. Aber trotzdem hat Corona langfristig auch positive Effekte. Durch Home-Office werden Fahrtwege vermieden. Ich glaube auch, dass da die Arbeitgeber mittlerweile offener sind und Home-Office auch zukünftig beibehalten.

ONETZ: Sie wohnen zurzeit in Weiden und engagieren sich dort ebenfalls für das Klima. Welche Stadt ist ihrer Meinung nach in Sachen Klimaschutz weiter, Amberg oder Weiden?

Corinna Loewert: Ein direkter Vergleich ist schwierig, weil man ganz andere Umstände hat. Finanziell und auch strukturell. Jede Stadt hat Stärken und jede hat da so ihre Schwächen. Aber jede Stadt muss einfach Vollgas geben, damit wir die von der Bundesregierung beschlossene Klimaneutralität bis 2045 auch hinbekommen.

ONETZ: Haben Sie persönlich Probleme damit, dass Sie sich als Amberger Klimaschutzmanagerin neutral verhalten müssen, aber in Weiden unter anderem eine der führenden Aktivistinnen gegen das dort geplante Gewerbegebiet Weiden West IV gewesen sind?

Corinna Loewert: Mein Engagement in Weiden ist auch irgendwie eine Form von Klimaschutz. Das hat aber auf Amberg gar keinen Einfluss.

ONETZ: Wo haben Sie das Gefühl, dass sie mehr für das Klima erreichen? In Amberg als Klimaschutzmanagerin oder in Weiden als Aktivistin?

Corinna Loewert: In Amberg. Weil ich dort näher an der Politik dran bin. So bekomme ich ein besseres Gefühl dafür, was denn eigentlich politisch Sache ist. Hier habe ich ein stärkeres Netzwerk. Und Amberg ist sehr offen für das Thema Klimaschutz.

ONETZ: Welche Projekte konnten Sie denn in Amberg schon erfolgreich abschließen?

Corinna Loewert: Klimaschutz hat ja kein Ende in dem Sinne. Es sind immer kleine Ziele, die man umsetzt und fortführt. Das Stadtradeln finde ich zum Beispiel sehr cool. Auch die Klimaschutz-Woche mit dem Landkreis ist erfolgreich. Ich merke, dass sich etwas bewegt. In kleinen Schritten, aber es geht voran.

ONETZ: Was treibt Sie an?

Corinna Loewert: Platt gesagt: Es ist meine innere Motivation, die Welt etwas besser zu machen. Denn so kann es nicht weitergehen. Ich bin kein Typ, der einfach nur meckert. Wenn mich etwas stört, dann will ich das auch ändern.

ONETZ: Setzen Sie das dann auch privat um?

Corinna Loewert: Ich versuche es.

ONETZ: Haben Sie wirklich kein Auto?

Corinna Loewert: Ich habe kein Auto. Das ist mir zu teuer und auch eine zu große Verantwortung. Ich fahre immer mit dem Bus oder Zug von Weiden nach Amberg. Da kann ich auch entspannt lesen und Podcast hören. So ist das eigentlich auch ein Zeitgewinn.

ONETZ: Gibt es eine kleine Sünde, auf die Sie nicht verzichten können – obwohl sie nicht wirklich gut für das Klima ist?

Corinna Loewert: Wie jeder habe ich kleine Alltagssünden. Ich kaufe Weintrauben, auch wenn hier gerade nicht Saison ist – weil ich Lust darauf habe. Ich bin mir natürlich bewusst, dass das nicht ideal ist. Aber ganz stringent alles durchzuziehen, ist auch nicht mehr zeitgemäß. Man muss immer schauen, was mit dem eigenen Gewissen vereinbar ist und auch ehrlich zu sich sein.

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Zur Person:

Corinna Loewert

Die 29-jährige Corinna Loewert stammt aus Kohlberg (Landkreis Neustadt/WN) und ist in Weiden zur Schule gegangen. In Würzburg studierte sie Physische Geographie, anschießend war sie ein halbes Jahr in Russland. An der TU München machte sie erfolgreich ihren Master in Umweltplanung und Ingenieurökologie. Seit drei Jahren wohnt Corinna Loewert in Weiden. Dort engagiert sie sich im Bund Naturschutz als Vorsitzende der Ortsgruppe. Sie ist Sprecherin des Aktionsbündnis Walderhalt und zertifizierte Geoparkrangerin. Seit 2019 ist Corinna Loewert als Klimaschutzmanagerin der Stadt Amberg tätig. Zunächst war ihre Stelle bis 2021 befristet. Im Mai wurde diese bis 2024 verlängert.

 

 

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