28.06.2020 - 14:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Corona lässt Arme auf den Philippinen hungern

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"Wenn wir nicht an Covid-19 sterben, dann an Hunger." So drücken viele arme Filipinos aus, was ihnen droht: Ihre Regierung ist kaum in der Lage, Millionen Slumbewohner ohne Einkommen im Corona-Lockdown monatelang mit Nahrung zu versorgen.

Viele arme Filipinos hungern schon länger in der Coronakrise, wie das Bild dieses ausgemergelten Mannes zeigt, der sich über die Hilfstüten aus Amberg freut.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Arm waren die Philippinen praktisch schon immer. Seit Jahrzehnten stagniert die Wirtschaft; nur ein Teil der Bevölkerung hat es geschafft, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, von der man halbwegs leben kann. Gut ein Viertel der 120 Millionen Einwohner jedoch vegetiert unter der Armutsgrenze dahin. Und, obwohl hier jede Hoffnung verloren scheint, kämpfen auch die Angehörigen dieser Schicht um ihr täglich Brot: Mit Tagelöhnerjobs konnten sie sich zumindest so weit über Wasser halten, dass bislang kaum jemand verhungern musste.

Präsident der Philippinen knallhart

Bis jetzt. Bis Covid-19 auftauchte und auch weite Teile des 7107 Inseln zählenden Archipels lahmlegte. Die Infektionszahlen sind nicht nur im Großraum Manila, sondern auch in vielen Provinzen außerhalb der Hauptstadt und anderer Zentren mittlerweile so hoch, dass der ohnehin als radikal geltende Präsident Rodrigo Duterte den längsten Lockdown aller südostasiatischen Länder verhängt hat. Und nicht nur das: Er droht allen, die sich nicht an die Kontaktsperren halten, mit der Verhängung des Kriegsrechts, das ihm noch viel brutalere Methoden gäbe, die Menschen in den Stillstand zu zwingen.

Ohne Tagelöhnerjobs kein Geld

Wobei diejenigen, die nicht völlig mittellos sind, nicht das Problem darstellen. Es sind eher die Armen, die sich kaum an die Ausgangssperren halten (können), weil sie ohne ihre Tagelöhnerjobs oder jedwede Form von ständig neu beschafften niederen Diensten ohne Einkünfte sind. Eine Arbeitslosenversicherung haben diese armen Teufel nie gehabt, weil sie kaum angemeldeten Tätigkeiten nachgehen, sondern sich schwarz auf Baustellen, Märkten und Feldern verdingen oder jede andere Form von geringfügiger Beschäftigung ausüben.

Doch Duterte zwingt sie knallhart, das einzustellen – mit immer härteren Drohungen und unnachgiebigem polizeilichen Vorgehen. Mit der Folge zwar, dass die Menschen in ihren armseligen Hütten, die in vielen Slums dicht an dicht stehen, selbst zu Hause die nötigen Abstände kaum einhalten können. Aber immerhin hat der Präsident gehandelt und seine Machtrolle umgesetzt, scheint Duterte zu denken, der mit Schritt zwei, der daraus folgt, andererseits immer mehr überfordert ist.

Er und seine Regierung mussten Lebensmittelhilfe für die Millionen Menschen in praktisch allen Teilen des Landes organisieren. Eine Aufgabe, die schon eine funktionierende und gut situierte Nation an die Grenzen bringen würde. Auf den Philippinen aber, wo der Staat selbst x-fach mehr Schulden als Haushaltsmittel hat, ein fast unmögliches Ansinnen. Zumindest ist das über Monate kaum durchzuhalten, wie die Armen schon an zurückgehenden Rationen zu spüren bekommen. Deshalb wird der Ruf nach Hilfe von außen immer lauter.

Projekthilfe Luppa stiftet Nahrung

Auch nach Amberg ist er gedrungen – zur Projekthilfe Dr. Luppa, die durch die hier lebende Filipina Marilou Amann auf die dramatische Situation in ihrem ehemaligen Heimatland aufmerksam gemacht wurde. Das heißt, einmal mehr war es Amanns Cousine, die katholische Nonne Schwester Lani Saligumba, die auf die Notsituation allein im Umfeld ihrer Ordenshäuser und von ihr betreuter Gebiete hinwies. Weil die Projekthilfe mit ihr und ihrer Kongregation, den Handmaids of the Sacred Heart of Jesus, schon seit Jahren mehrere Projekte auf die Beine gestellt hat, vertraute Vorsitzender Ulrich Siebenbürger auch diesmal auf den von Schwester Lani vorgeschlagenen Ablauf einer Lebensmittelhilfe.

5000 Euro stiftete die Amberger Entwicklungshilfeorganisation dafür, nachdem sie heuer bereits 6000 Euro für ein ebenfalls vom Orden beaufsichtigtes Wiederaufbauprojekt für vom letzten Taifun zerstörte Hütten im Slumgebiet Kilicao gespendet hatte. Weil die Häuser dort mittlerweile stehen und dieses Projekt abgeschlossen ist, konnte es mit der Nahrungshilfe weitergehen, die eine Ergänzung zu den ungenügenden staatlichen Leistungen ist, wie Siebenbürger sagt. Über drei Wochen sind in sechs Gebieten Essenspakete verteilt worden.

Hier geht es zu weiteren Artikeln über die Philippinen-Hilfe von Projekthilfe Luppa und Marilou Amann

Amberg

Eine Aktion, die Marilou Amann ähnlich schon länger in Form von fest etablierten Armenspeisungen durchführt. Klar, dass diese heuer besonders willkommen und doppelt nötig sind. Möglich macht das seit drei Jahren die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung, die die Speisungen finanziert – neben Schulpatenschaften, die Amann ebenfalls für begabte junge Leute vermittelt, damit sie langfristig ihr Leben nachhaltig verbessern können.

Conrad fördert Armenspeisungen

Und auch wenn es der Bericht vom vergangenen Jahr war, hat Stiftungsgründer Klaus Conrad kürzlich dieses Engagement erneut gelobt. „Man kann sehen, wie glücklich die Kinder ob Ihrer Fürsorge sind“, sagte er zu Fotos von den Armenspeisungen, zu denen die Eltern vor allem ihren Nachwuchs schicken, damit wenigstens die Kinder nicht hungern müssen.

Hier geht es zur Homepage der Amberger Projekthilfe Dr. Luppa

Selbst hinter den Masken erkennt man die strahlenden Gesichter der philippinischen Mütter, wenn ihnen Schwester Lani (links hinten), unterstützt von Ambergs Projekthilfe Luppa, Lebensmittelpakete für ihre Familien übergeben kann.

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