29.08.2019 - 10:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Projekthilfe sprudelt neu für Philippinen

Wasser: Zeichen des Lebens. Und Symbol für neues Leben, das zwischen der Projekthilfe Dr. Luppa und einem Land einkehrt, in dem einst auch das Leben von Ambergs Entwicklungshilfeorganisation begann. Gemeint sind die Philippinen.

Erste bis vierte Klasse in nur einem Raum: Die Grundschule in einer entlegenen Provinz in Bohol ist vom Staat vergessen worden. Für die Erweiterung inklusive neuer Sanitärverhältnisse sorgt jetzt die Projekthilfe Luppa. Sie hat den Kindern auch neue Schultaschen und Hefte spendiert, damit sie sich anstrengen, mit Bildung dem Teufelskreis der Armut zu entfliehen.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Ganz erloschen war die Verbindung zu dem Inselstaat freilich nicht, auch wenn die mit Vereinsgründung aufgebaute Poliklinik in Sorsogon - 1980 durch ein kleines Kinderhospital ergänzt - 1998 in die Selbstständigkeit entlassen wurde. Patenschaften sowohl für Studenten als auch für Waisenkinder in Manila und mehrere kleinere Projekte in verschiedenen Landesteilen haben die Amberger Allianz zu den Philippinen nie abreißen lassen. Einst war sie sogar inklusive Reise des damaligen Oberbürgermeisters Franz Prechtl auf das Archipel mit Aktivierung einer Städtefreundschaft zu Sorsogon gefestigt worden; außerdem stifteten die Amberger jahrelang den Erlös ihres Altstadtfestes für den Betrieb von Poliklinik und Kinderkrankenhaus.

Das alles aber liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück und hatte sich auch durch eine neue Schwerpunktbildung der Projekthilfe in Afrika zurückentwickelt. Doch so wie bei dem einst vom Ammersrichter Allgemeinarzt Dr. Dietrich Luppa gegründeten und nach ihm benannten Verein schon immer Hilfe in verschiedenen Erdteilen möglich war, soll künftig auch auf den Philippinen wieder mehr gemacht werden. Möglich wird das nicht zuletzt durch gute Kontakte vor Ort, die über die Ambergerin Marilou Amann gepflegt werden.

Die 53-Jährige, die selbst von den Philippinen stammt und mit regelmäßigen Reisen Land und Leute in vielen Provinzen immer noch gut kennt, hat der Entwicklungshilfeorganisation zuletzt mehrfach geeignete Projekte vorgeschlagen. In allen Fällen hatte der Vorstand um Dr. Ulrich Siebenbürger nicht nur ein Herz dafür, sondern war auch vom korrekten Ablauf von Beginn bis Fertigstellung überzeugt.

Sichergestellt ist das entweder durch die regelmäßigen Besuche von Marilou Amann im Land, bei denen sie sich mit eigenen Augen und in intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten von der ordnungsgemäßen Verwendung der gesammelten Gelder und allem, was daraus entsteht, überzeugt. Oder aber die Projekthilfe setzt den Nonnenorden zur Betreuung und Überwachung mit ein, in dem Amanns Cousine selbst an leitender Stelle wirkt. Die Handmaids of the Sacred Heart of Jesus (ACI-Sisters) leisten nämlich in vielen Slumgebieten Katechese und betreiben dort selbst soziale Projekte. Von daher kennen sie "ihre" Armen genau, wissen, wer wirklich schlimm dran ist und wo Hilfe am ehesten nötig ist.

Orden verlässlicher Partner

Auch der Orden macht Projektvorschläge, die Uli Siebenbürger und seine Mitstreiter prüfen. So ist zum Beispiel im Slumviertel Kilicao am Rande der Stadt Daraga - unweit von Sorsogon - erst mit dem Bau von Brunnen, Toiletten und einem Waschhaus bis hin zu einer Kinderkrippe, einer kleinen Näherei für die mittellosen Frauen und einem Projekt zur Herstellung von organischem Dünger, den die Bewohner produzieren und verkaufen können, eine nahezu ganzheitliche Hilfe entstanden.

Marilou Amann unterstützt das Ganze - auch in anderen, ihr gut bekannten Regionen - obendrein mit Schulpatenschaften und Armenspeisungen, die sie in eigener Initiative und mit großzügiger Unterstützung der Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung auf die Beine stellt.

Aber zurück zum neuen Engagement von Ambergs Entwicklungshilfeverein: Tatsächlich waren es die ACI-Sisters gewesen, die wieder neue Vorhaben aufs Tableau brachten. Dafür öffnete die Projekthilfe Luppa erneut den Spendenhahn, um zuallererst das eingangs erwähnte Wasser sprudeln zu lassen. In der Provinz Zambales, aus der die Ambergerin und ihre Ordens-Cousine Lani Saligumba stammen, bekam eine Kooperative von 120 Farmern Wasserpumpen und -anschlüsse für ihre Reisfelder; außerdem zwei elektrische Pflugscharen und einen Wasserbüffel (auch er wird zum Pflügen von Hand und zur Ernte eingesetzt).

Dadurch erhöhen die Bauern nicht nur ihren Ertrag, weil sie statt zweimal jährlich nun doppelt so oft ansäen und ernten können. Nein, sie sparen sich auch den Kauf des Wassers, das sie bislang von reichen Großgrundbesitzern beziehen und bezahlen mussten. "Anstatt die Reichen reicher werden zu lassen, bleibt nun ein Gutteil der Wertschöpfung bei den Farmern selbst", schildert Marilou Amann. Sie war beim Kauf von Pumpen und Pflügen bis zur Inbetriebnahme erneut vor Ort, um auf den Reisfeldern buchstäblich die Früchte des Erfolgs zu sehen. Ganz zu schweigen von den dankbaren und glücklichen Gesichtern der Farmer, die ein Stück weit selbstständiger geworden sind und so mit ihren Familien mit eigener Arbeit ohne schmälernde Einbußen dem Teufelskreis der Armut entfliehen können.

Darum geht es auch bei einem ganzen Dorf von Besenbindern. In Nueva Ecija, einer Amann ebenfalls gut bekannten Region auf der Hauptinsel Luzon, hat die Projekthilfe rund 5800 Euro für den Bau eines von Mauern gestützten stabilen Schutzdachs - eigentlich schon eine kleine Halle - in der Ortsmitte gestiftet. Hier können die Besenmacher - ungehindert von der Regenzeit oder der heißen Sonne - das ganze Jahr über und bei gemeinsam beschafften und geteilten Ressourcen ihrer Arbeit nachgehen. Ähnlich wie in der Farm-Kooperative, von der es übrigens einen zweiten Ableger in Bohol gibt, der mit Saatgut unterstützt wurde. Bisher war die Arbeit der Binder im Freien und ohne gemeinsame Betriebsstätte oft unterbrochen und litt so unter starken Einbußen.

Nachhaltig selbst mithelfen

Nun sind die Produktivitätsmöglichkeiten gewachsen, die Gemeinschaft zusammengeschweißt und bessere Verdienstmöglichkeiten geschaffen worden, kehrt Ulrich Siebenbürger die Vorteile für die Besenbinder hervor. Nach seinen Worten also auch ein sinnvoller und nachhaltiger Beitrag zur Bekämpfung von Armut an einem ganz konkreten Ort mit konkreter Beteiligung der Betroffenen, die selbst agieren und nicht nur Hilfeempfänger sind.

Etwas anders ist es bei Kindern, die noch nicht arbeiten können, aber vor allem eines brauchen, um aus ihrem Leben etwas zu machen und der Armut zu entkommen: Bildung. Deswegen macht auch die dritte Maßnahme der Projekthilfe Luppa an einem weiteren Ort auf der mittleren großen Inselgruppe der Philippinen, den Visayas, Sinn. Dort auf dem Eiland Bohol in einem fast vergessenen Dorf namens Catigbian gibt es zwar eine Grundschule, die aber vom Staat mit weniger als dem eigentlich Nötigsten unterstützt wird.

Das 70 Jahre alte Gebäude wurde nie saniert, immer nur notdürftig repariert - inklusive nicht mehr tragbarer Toiletten - und hat vor allem nie eine längst erforderliche Erweiterung bekommen. Für die sorgt jetzt die Projekthilfe mit 11 300 Euro. Damit werden neue WCs und ein Trakt für zwei weitere Klassen gebaut, nachdem bislang erste und zweite sowie dritte und vierte Jahrgangsstufe jeweils miteinander in nur einem Raum unterrichtet werden mussten.

Hintergrund:

37 000 Euro: Das ist die nicht geringe Summe, die Ambergs Entwicklungshilfeorganisation für die drei neuen Projekte auf den Philippinen fließen lässt. Nachdem sich ihre Arbeit praktisch ausschließlich aus Spenden von Menschen aus Amberg und Umgebung finanziert, die früher schon oft ein Herz gerade für dieses in der Historie von Verein und Vilsstadt traditionsreiche Land hatten, würde sich die Projekthilfe Luppa über Zuwendungen für die Philippinen (bitte mit diesem Stichwort) freuen. Die Iban lautet: DE05 7525 0000 0190 0200 08.

Wasser marsch für die Reisfelder armer Bauern, die bisher ihre Bewässerungsanlagen bei Großgrundbesitzern mieten und bezahlen mussten. Jetzt hat die Projethilfe Dr. Luppa 120 Farmern Pumpen und Leitungen spendiert, so dass sie sich in einer Kooperative gemeinsam selber versorgen, die Ressourcen teilen und doppelt so oft im Jahr ansäen und ernten können.

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