08.04.2021 - 18:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Corona-Regeln im Einzelhandel: „Das bisherige Auf und Zu ist nicht die Lösung“

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Bayern zieht die Notbremse – damit ändern sich ab Montag wieder die Corona-Vorschriften fürs Einkaufen, auch in Gärtnereien, Buchhandlungen und Schuhgeschäften. In Amberg wird noch überlegt, wie die Regeln umgesetzt werden.

„Für uns ist es sehr schwierig“, sagt Kerstin Münch vom Floristikfachgeschäft Pusteblume mit Blick auf die neuen Corona-Regeln im Handel.
von Redaktion ONETZProfil

Von Heike Unger, Stephanie Wilcke und Miriam Wittich

Noch ist nicht im Detail besprochen, wie die neuen Vorgaben ab Montag in der Buchhandlung Rupprecht umgesetzt werden. Inhaberin Maria Rupprecht sieht im Einkauf nach Terminvereinbarung ab einer Inzidenz von 100 „eine gewisse Herausforderung“. Andere Branchen hätten damit schon Erfahrung, die Buchhändler bislang nicht. Aber Maria Rupprecht ist zuversichtlich, einen Weg zu finden, der für die Geschäfte wie auch die Kunden gut funktioniert. Dass die Läden eine Woche vor Weihnachten schließen mussten, „war schon bitter für uns“, berichtet sie. Da sei das dann folgende „Click & Collect“, die Abholung zuvor bestellter Bücher am Eingang, schon eine Erleichterung gewesen. Endlich gab es wieder persönlichen Kontakt, wenn auch nur an der Ladentür, und die Kunden hätten es genossen, „einfach mal einen Grund zu haben, wieder in die Stadt zu gehen“.

Dass zuletzt die Buchhandlungen wieder unabhängig von den Inzidenzen öffnen durften, war laut Maria Rupprecht „eine schöne Überraschung“, weil sich die Leute auch einfach mal wieder im Geschäft umsehen konnten – „und man etwas findet, was man gar nicht gesucht hat“. Weil Rupprecht das Glück großer Räume habe, sei man dabei selten an die erlaubte Kapazitätsgrenze gestoßen. Wie es nun laufen wird, wenn die Corona-Situation Einkauf nach Terminvereinbarung und einen negativen Test erfordere, müsse man sehen, meint die Inhaberin, für die die neuen Regeln aber aufgrund der Entwicklung der Pandemie „nicht überraschend“ waren. „So kompliziert und anstrengend es ist: Es ist ganz wichtig, dass wir alle vernünftig bleiben und Rücksicht aufeinander nehmen“, sagt sie. Was es so schwierig mache, sei, dass niemand sagen könne, wie lang es noch dauern wird. Aber, so fügt Rupprecht noch hinzu, und meint damit nicht nur die Wettervorhersage für die nächsten Tage: „Auch wenn der Winter lang ist – es kommt immer der Frühling“.

Nachfragen von Kunden

Brigitte Müller, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung, fühlt sich gerade ein bisschen überrollt von den neuen Vorschriften. Sie überlegte am Donnerstag noch, wie sie sie ab Montag umsetzen soll. Mit dem bis 8. März erlaubten "Click & Collect" lief es laut Müller ganz gut. Aber: "Es fehlen einfach die Kunden im Laden." Manches müsse man halt einfach auch zufällig sehen oder auch mal in die Hand nehmen. In einem Buch blättern, stöbern. Dass ab 8. März die Buchhandlungen dann wieder öffnen durften, und zwar unabhängig von den Inzidenzwerten, habe die Leute verwirrt. Vielen sei unklar gewesen, was denn nun erlaubt sei. Das weiß Brigitte Müller, weil viele Kunden angerufen und nachgefragt haben.

Der ständige Wechsel bei den Vorschriften sei schwierig, und zwar für Geschäftsleute und Kunden, meint Müller: "Da hat man sich gerade auf etwas eingestellt – und dann kommt wieder was Neues. Und es wird alles immer komplizierter." Glücklicherweise habe sie viele treue Stammkunden, "die halten wirklich zu uns". Aber auch das könne nur einen Teil des Geschäfts abdecken. Selbst wenn der Einzelhandel öffnen dürfe, gebe es dabei immer das Problem: "Es sind weniger Leute in der Stadt unterwegs." Müller findet, dass die Geschäfte bereits mit sehr guten Konzepten arbeiten, die man nicht ständig überarbeiten müsse. Das sei "die falsche Stelle", denn im Einzelhandel seien nicht die Corona-Hotspots. Nachholbedarf sieht sie eher in anderen Bereichen, nämlich in Unternehmen, die bislang relativ wenig in die Pflicht genommen würden.

Blumen im Supermarkt

"Für uns ist es sehr schwierig", sagt Kerstin Münch vom Floristikfachgeschäft Pusteblume am Tag nach der Kabinettssitzung. Gerade in ihrer Branche müsse frische Ware da sein, die kann dann aber vielleicht nicht verkauft werden. Die Bestellungen seien mit den wechselnden Corona-Regeln "irrsinnig schwer planbar". Händler würden teilweise nicht fahren, bei zu geringen Bestellmengen höhere Lieferkosten anfallen.

Die Umsetzung der neuen Vorschriften zu organisieren, nennt die Inhaberin des Amberger Blumengeschäftes einen "Riesenstaatsakt" für kleine Unternehmen wie das ihre. Erschwerend käme hinzu, dass ja auch nicht klar sei, wo der Inzidenzwert in den nächsten Tagen liegt. Dass Geschäfte bei einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 künftig für Terminshopping-Angebote öffnen dürfen, macht Münch wenig Hoffnung. Bedingung dafür ist dann nämlich die Vorlage eines aktuellen negativen Corona-Tests. "Das macht dir kein Mensch, da verzichten die Leute doch lieber auf Blumen", befürchtet Münch. Vor allem wenn die spontan gebraucht werden. "Im Supermarkt hingegen darf ich einfach reinmarschieren und Blumen mitnehmen, ohne Test", sagt die Floristin verärgert. Sie hält es für eine "Sauerei", dass dort nicht nur Lebensmittel verkauft werden dürfen. Im Gegenteil: Kerstin Münch hat den Eindruck, dass das Angebot sogar noch erweitert wurde. "Und die Kleinen haben den Schaden." Dabei sei doch jedes kleine Geschäft bereit, "alles zu tun, was möglich ist".

Münch macht klar: "Jeder Mensch, der wegen Corona ins Krankenhaus muss, ist einer zu viel. Aber man sieht ja, dass das bisherige Auf und Zu nicht die Lösung ist." Auch das Ansteckungsrisiko schätzt Münch in kleinen Läden geringer ein als in großen Märkten, weil nur wenige Menschen reindürfen. "Unsere Kunden haben sich bisher wirklich vorbildlich verhalten."

Die Vorlage eines negativen Tests für einen Einkauf sieht Münch zumindest im Blumenhandel als realitätsfremd. "Wir werden deshalb bei uns dann wohl nur Call und Collect machen. Das heißt die Leute können per Telefon bestellen und dann draußen abholen, so dass gar keiner in den Laden kommt." Von Stammkunden werde das schon gut angenommen. "Die kennen unsere Arbeit ja und wissen, was sie erwartet", erklärt Münch. Die Nachfrage von Neukunden hingegen sei so geringer. "Es ist schon mit viel Risiko verbunden für uns."

Lage in Schuhgeschäften?

Bedeute die Bekanntgabe von Ministerpräsident Markus Söder vom Mittwoch nun, dass das kürzlich getroffene Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, den Schuhgeschäften die Öffnung zu verwehren und sie gleichzusetzen mit Händlern des täglichen Bedarfs, außer Kraft gesetzt wurde? Diese knifflige Frage stellt sich Christine Reil vom Amberger Schuhladen Pur Shoes. "Ob das rechtens ist?" Da müsse sie und ihre Branche wohl abwarten, sagt sie.

Da Reil aber einen Schuhladen und eine Modeboutique betreibe, "sehe ich das so, dass ich eher beide aufsperren darf", wenn auch nur mit Termin. Bei der Kleidung durfte sie ja bislang nur "Click & Collect" anbieten. Nun müsse sie bei der Amberger Inzidenz zwischen 100 und 200 eben einen negativen Coronatest von ihren Kunden verlangen. "Ich darf Kunden zur Tür reinlassen, das ist doch eigentlich positiv für den Einzelhandel, oder nicht?" Es sei schön, wieder Kunden zu begrüßen, "aber das Holter-die-Polter macht es nicht einfacher", sagt Reil. Vor allem hinsichtlich ihrer Personalplanung.

Beim Einkaufen gelten ab Montag neue Corona-Vorschriften in Bayern

Deutschland & Welt
Mit „Click & Collect“, dem Abholen bestellter Bücher an der Ladentür, lief es laut Buchhändlerin Brigitte Müller ganz gut. Aber sie sagt auch: „Es fehlen einfach die Kunden im Laden.“
Hintergrund:

Das gilt ab Montag

  • Einzelhandel des täglichen Bedarfs (unter anderem Lebensmittel, Drogerien, Apotheken, Optiker, Banken, Brief-/Versandhandel, Tierbedarf) geöffnet, unabhängig von Inzidenz.
  • Sonstiger Einzelhandel (unter anderem Blumengeschäfte, Gärtnereien, Gartenmärkte, Baumärkte, Buchhandlungen) bei Inzidenz zwischen 50 und 100: "Click und Meet" mit Termin, bei 100 bis 200 "Click und Meet" mit Termin und Test (maximal 24 Stunden alter Schnelltest oder maximal 48 Stunden alter PCR-Test). Bei Inzidenz höher als 200: "Click bzw. Call und Collect".
  • Körpernahe Dienstleistungen, die für Körperhygiene und -pflege erforderlich sind (etwa Friseure, Fußpflege, Maniküre, Gesichtspflege) mit Termin möglich.
  • Gastronomie nur auf Lieferung oder Abholung
  • Beherbergung nur für notwendige, nicht-touristische Zwecke
  • Museen, Galerien, Zoos, botanische Gärten, Gedenkstätten geöffnet bei einer Inzidenz unter 50, bei Inzidenz zwischen 50 und 100 mit Termin, ab Inzidenz 100 geschlossen.
  • Theater, Konzert-/Opernhäuser, Kinos bleiben geschlossen

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft

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