17.01.2020 - 08:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Costa Rica mit dem Fahrrad entdecken

Jürgen Langhans wollte schon immer mal nach Costa Rica. Im vergangenen Sommer erfüllte er sich seinen Traum: Mit einer Radreise durch den Dschungel und an die Traumstrände von Mittelamerikas Vorzeigeland. Jetzt zeigt er seine Bilder.

Daumen hoch für den Sonnenuntergang: Jürgen Langhans erholt sich am Strand von Puntarenas am Pazifik.
von Laura Schertl Kontakt Profil

August 2019. In Costa Ricas Hauptstadt San Jose ist Regenzeit. Kalt ist es deshalb aber auf keinen Fall. Die durchschnittliche Tagestemperatur liegt bei 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei ungefähr 80 Prozent. Nachts wird es kaum kälter als 20 Grad. Die für die Zeit typischen, sintflutartigen Regenschauer sind eine willkommene Abkühlung. Das stellen auch der 49-jährige Berufsschullehrer Jürgen Langhans und der 54-jähriger Mittelschullehrer Stefan Burhenne, gebürtiger Regensburger und sein Reisebegleiter, schnell fest: „Als wir nach dem elend langen Flug mittags angekommen sind, waren wir schon kurz nach Verlassen des Flughafens durchgeschwitzt. Vom Nichtstun“, erzählt der gebürtige Amberger. Elend lang – das heißt für den Flug nach Costa Rica zirka 14 Stunden. Die Straßen vor dem Flughafengebäude dampfen, erst vor kurzem war ein Regenschauer über die Gegend gezogen. Zwei Wochen in diesem tropischen Paradies liegen vor den beiden Männern. Zwei Wochen, die sie größtenteils im Sattel verbringen werden. „Pura Vida!“, ruft der Taxifahrer Jürgen Langhans und seinem Begleiter zu, als er sie zu ihrer ersten Unterkunft bringt. Das Verkehrsaufkommen ist, wie in nahezu jeder Großstadt, entsprechend hoch. Doch die Costa-Ricaner, auch liebevoll Ticos genannt, lassen sich davon nur selten aus der Ruhe bringen. Ihr Leitspruch „Pura Vida“, zu deutsch: „Pures Leben“, ist hier allgegenwärtig. Es wird von „Hallo“ über „Wie geht‘s?“, „Alles klar“ bis zu „Auf Wiedersehen“ vielfältig genutzt.

Diese Zufriedenheit kommt nicht von ungefähr: Die Armee wurde 1949 abgeschafft und die dadurch frei werdenden Gelder in die Bildung gesteckt. Große Teile des Landes stehen unter Naturschutz, der Regenwald kann sich ausbreiten. Ein tolles Land, um eine Reise mit dem Fahrrad anzutreten.

Üppige Dschungelvegetation im bergigen Nordwesten des Landes.

Doch das tropische Klima macht Jürgen Langhans und Stefan Burhenne zu schaffen. „Am ersten Morgen konnte ich mich kaum dazu motivieren, überhaupt auf mein Crossrad aufzusteigen. Dabei hatten wir ein traumhaftes landestypisches Frühstück intus: Gebackene Banane, schwarzen Reis und dazu Spiegeleier. Eigentlich eine perfekte Basis für einen langen Tag im Sattel.“ 1600 Höhenmeter am Stück liegen vor den beiden. Das Ziel: Der Vulkan Poas im gleichnamigen Nationalpark. Der teils immer noch aktive Schichtvulkan bietet auf 2574 Metern Höhe eine beeindruckende Sicht in den 300 Meter tiefen Schlund hinein, der immer noch schwefelhaltige Dämpfe ausstößt. All das macht den Poas zu einem echten Besuchermagneten, die Besucherzahlen allerdings sind zu Gunsten des Naturschutzes streng limitiert. Das bekommen auch die beiden Männer schnell zu spüren: „Als wir nach der extrem anstrengenden Etappe endlich angekommen waren, haben uns zwei Parkranger höflich aber bestimmt zu verstehen gegeben, dass das Besucherkontingent heute bereits ausgeschöpft ist. Tja – nix Vulkankrater, uns ist nur die endlose Abfahrt zurück übrig geblieben, ohne diese Naturschönheit gesehen zu haben.“ Doch es gibt viele Vulkane in Costa Rica und so wird der Arenal das nächste Ziel des Familienvaters. Der Arenal gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt und ist mit seiner Kegelform einzigartig in Lateinamerika. Auf dem Weg dorthin ergießt sich der Himmel immer wieder sturzbachartig über die beiden Radfahrer und zwingt zur Pause. Doch der Regen währt nicht lange und die Fahrt durch den immergrünen, üppigen Dschungel kann fortgesetzt werden. „Wir haben oft gestoppt, weil ein exotisches Tier zu hören oder zu sehen war. Das Leben gedeiht dort wirklich im Überfluss“, erzählt Jürgen Langhans. Dass der Arenal ein beliebtes Reiseziel ist, macht sich schnell bemerkbar: „Je näher wir in Richtung Arenal gekommen sind, desto touristischer ist es geworden: Hotels, Restaurants, Souvenirshops. Das volle Touriprogramm.“ Kein Wunder, das Arenalgebiet ist landschaftlich einmalig und vor allem bei kanadischen und amerikanischen Urlaubern beliebt. „Wir haben mit einer zweiten Enttäuschung gerechnet, denn laut Reiseführer ist der Arenal fast nie zu sehen, weil er sich in dichten Nebel hüllt. Aber wir hatten mehr Glück als am Poas.“ In voller Pracht bei strahlendem Sonnenschein liegt der Vulkan vor ihnen. Ein Besteigen ist nicht gestattet, die Natur soll sich hier ungestört entfalten können. So bleibt den beiden der Blick aus respektvoller Ferne auf den König von Costa Ricas Vulkanen.

Der Vulkan Arenal thront über dem Nationalpark.

Um den Arenalsee, ein Stausee in der Nähe des Vulkans, schlängelt sich eine schmale Schotterstraße, die Radlerherzen höher schlagen lässt: rechts das Seeufer, links der dichte Dschungel. Hier gibt es auch Krokodile, doch eine Begegnung bleibt aus: „Wir haben, vor allem an den Flussmündungen, ängstlich auf die angekündigten Krokodile geschielt. Zum Glück haben wir aber kein einziges während der ganzen Reise gesehen.“ Dafür sehen sie eine Affenherde, die direkt vor ihnen die Straße quert. Kolibris, die in den buntesten Farben durch die Luft schwirren. Tukane, die sich mit ihrem metallischen Kreischen in den Bäumen ankündigen. Rote Ameisen, die überall auf ihren Straßen hin- und herlaufen. Jürgen Langhans und Stefan Burhenne lassen den Arenalsee hinter sich und machen Rast in der „German Bakery“, wo es von Krapfen über Bratwürste mit Kraut alles gibt, wofür die Deutschen im fernen Ausland bekannt sind. Die Straße schlängelt sich auf eine Hochebene hinauf, auf der unzählige Windräder stehen. Hier weht ganzjährig eine steife Brise – um die umweltfreundliche Energiegewinnung brauchen sich die Costa Ricaner keine Sorgen machen.

Jürgen Langhans auf der Schotterstraße, die am Arenalsee entlang führt.

Diese Brise weht die beiden Radfahrer an den Pazifik, der aber noch ein gutes Stück entfernt ist. 60 Kilometer der Strecke fahren sie auf dem Panamerican Highway, der wichtigsten Nord-Süd-Route von Alaska nach Feuerland. Es ist heiß und der Verkehr ist überwältigend. „Vor allem die Megatrucks, die man aus amerikanischen Filmen kennt, bremsen für nichts und niemanden. Wir musste höllisch aufpassen, um auf dem äußersten rechten Straßenrand zu bleiben“, erinnert sich Jürgen Langhans, „Zum Glück gibt’s eine Menge Bars entlang des Highways, die wir liebend gern angesteuert haben, um uns mit einem kühlen Drink zu erfrischen. Überhaupt sind allein die mit frischen Früchten gemischten Cocktails die Reise nach Costa Rica wert. Ich bin fast süchtig geworden nach den Kokosnuss-Cocktails.“ In Puntarenas am Meer erreicht die Hitze ihren Höhepunkt. Das Atmen fällt beiden schwer, sie kommen die letzten Kilometer nur noch im Schneckentempo voran. „Das klimatisierte Zimmer war das Highlight des Tages“, erzählt der Berufsschullehrer. Erst abends gehen die beiden bei erträglichen Temperaturen wieder raus ans Meer. „Ich habe Kokosnüsse aus dem Wasser gefischt, sie auf die Felsen geschleudert und dann das schneeweiße Fruchtfleisch gegessen. Das war genial.“

Der Sonnenuntergang in Puntarenas am Pazifik.

Danach geht es wieder zurück nach San Jose, den Ausgangs- und Endpunkt der Reise. „Gefühlt ist es von der Küste aus nur bergauf gegangen, und das eine ganze Tagesetappe lang. Es hat wie aus Kübeln gegossen, aber der Regen war zum Glück warm und eine angenehme Abkühlung“, schildert Jürgen Langhans. Der Verkehr ist in den Bergen deutlich ruhiger als unten an der Küste. Beide genießen die Ausläufer des Regenwaldes, als sie sich der Hauptstadt nähern. Dort pulsiert das Leben. „Pura Vida“, das ist hier überall zu spüren und vielleicht auch das, was Besucher am meisten vermissen werden. Insgesamt 600 Kilometer haben Jürgen Langhans und Stefan Burhenne auf der Rundreise zurückgelegt. Auch sie steigen mit einem lachenden und einem weinenden Auge in das Flugzeug nach München. Im Gepäck: Ein bisschen „Pura Vida.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.