11.09.2018 - 14:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Crystal Speed im Einmachglas

Nachts bei Gailoh. Ein Mann mit Gartenkralle hebt ein Einmachglas aus dem Boden, verstaut es im Auto und will zurück in die Stadt. Dann beginnt ein Polizeieinsatz. Der Behälter fliegt aus dem Wagen. Inhalt: knapp 100 Gramm Crystal Speed.

Symbolbild.

Kamen die Zivilfahnder wirklich rein zufällig an den abgelegenen Ort? Darüber wurde zum Prozessauftakt vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts nicht diskutiert. Die Polizisten waren einfach da, als am Abend des 18. Januar dieses Jahres auf schmalem Weg bei Gailoh ein Wagen nahte. Der Fahrer, den Beamten bekannt, hatte kurz davor in einem nahen Wald ungewöhnliche Arbeiten verrichtet.

Der 35-Jährige grub mit seiner Gartenkralle im Erdreich und öffnete damit ein Loch, in dem er ein Einmachglas mit knapp 100 Gramm Crystal Speed gebunkert hatte. Als ihn die Fahnder stoppen wollten, warf er den Behälter aus dem Autofenster. Doch das half ihm nichts. Die Handschellen klickten. Auch für seinen Begleiter (36). Der sagte nun vor den Richtern: "Ich wollte eigentlich nur chillen und für einen Zehner Marihuana kaufen."

Der Crystal-Speed-Dealer ("25 Gramm waren für den Eigenverbrauch bestimmt") wandelte nun auf einem schmalen Grat. Denn neben ihm lag ein Gegenstand im Pkw, der in den Akten als sogenanntes Einhandmesser deklariert worden war. Von daher: "Drogenhandel mit Waffen", wie es Staatsanwältin Christina Denk am Dienstag formulierte. Vom Gesetz her mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Haft bedroht.

Das Messer stellte sich als Werkzeug zum Teppichschneiden heraus. "Wir sehen das so", formulierte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber ihren Eindruck. Damit war einer hohen Gefängnisstrafe bereits der Wind aus den Segeln genommen. Aufatmen beim Angeklagten und danach ein Geständnis. Noch zuvor hatte sich ergeben: Der Mann ist offenbar selbst stark drogenabhängig. Von daher könnte er nun nach acht Monaten Untersuchungshaft in eine längerfristige Therapie wandern. Genau das ist auch die Absicht seines Anwalts Helmut Mörtl (Regensburg).

Der mit festgenommene Begleiter ("Uns hat die Polizei überfallen") hat nach eigenem Bekunden "von nichts etwas gewusst". Er sei nur mitgefahren, um an Marihuana zu kommen. In der Anklageschrift wurde er als einer bezeichnet, der in der Rolle des Kuriers einen Teil der Drogenfracht hätte übernehmen sollen. Doch das wird ihm schwierig nachzuweisen sein. Sein Verteidiger Jörg Jendricke sprach sich schon bei der Beweisaufnahme für eine Geldstrafe aus. Der 35-Jährige befindet sich gegenwärtig in einer Therapie, bei der neben seiner Abhängigkeit auch ein psychisches Leiden behandelt wird.

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