25.02.2019 - 17:00 Uhr
AmbergOberpfalz

CSU möchte weiblicher werden

Stühlerücken beim CSU-Kreisverband Amberg: Bei einer Pressekonferenz sitzt erst Oberbürgermeister Michael Cerny in der Mitte, dann Stadträtin Michaela Frauendorfer. Das ist mehr als nur Symbolik.

Es ist nicht nur eine nette Geste, dass Oberbürgermeister Michael Cerny (links) und der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, Dieter Mußemann, die Stadträtin Michaela Frauendorfer in die Mitte genommen haben. Sie soll den Vorsitz des christsozialen Kreisverbands übernehmen.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Der zeitliche Fahrplan ist der alte, der inhaltliche soll einer Erneuerung der Partei dienen. Der CSU-Kreisverband möchte die Führung mit einer Frau besetzen. Nachdem der bisherige Amtsinhaber Stefan Ott nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Verfügung stehen wird, plädiert der Kreisvorstand dafür, die Stadträtin Michaela Frauendorfer als Nachfolgerin zu nominieren. Das gaben die Spitze der Partei sowie die Stadtratsfraktion am Montag in einer Pressekonferenz bekannt. Dieser Vorschlag stehe selbstverständlich unter dem Vorbehalt der Wahl, die für Ende April oder Anfang Mai ins Auge gefasst ist. In seiner Eigenschaft als stellvertretender Kreisvorsitzender verwies Oberbürgermeister Michael Cerny darauf, dass turnusgemäß in den nächsten Wochen erst die Vorstands- und Delegierten-Wahlen der neun Amberger Ortsvereine erledigt sein sollen. Dann könne die Wahl einer neuen Kreisverbands-Spitze in Angriff genommen werden. Insgesamt gibt es 540 CSU-Mitglieder in Amberg. Die angegliederten Unterverbände wie Junge Union, Frauen-Union oder Arbeitsgemeinschaften lassen Mitarbeit auch ohne eine CSU-Mitgliedschaft zu.

Ein Ehrenamt

"Der Kreisvorsitz ist ein wichtiges und herausragendes, aber ein Ehrenamt", begründete Cerny den Rückzug von Ott nach zwei Amtsperioden. Der Noch-Vorsitzende wolle sich deshalb künftig auf sein Berufsleben konzentrieren. Der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Dieter Mußemann, schnitt einen weiteren Aspekt an. Er setze auch darauf, betonte er, dass Fraktion und Parteispitze strukturell wieder näher zusammenrücken. Ott hielt nämlich kein Mandat. Damit sich Michaela Frauendorfer, die seit vier Jahren an der Spitze der Amberger Frauen-Union steht und seit einer Periode im Stadtrat sitzt, schon einmal an ihr künftiges Amt gewöhnen könne, so Cerny, tauschte er kurzerhand noch während der Pressekonferenz die Sitzplätze mit ihr. "Wir wollen eine lebendige Partei sein", kündigte die Kreisvorsitzende in spe an. "Damit das keine leeren Worte bleiben, werden wir ein schlagkräftiges Team aufbauen." Frauendorfer setzt erklärtermaßen auf die neuen Strategien, die Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender Markus Söder für seine Partei ausgegeben hat. Die zurückliegenden Wahlen, so die Kandidatin, hätten gezeigt, dass sich viele Menschen nicht mehr derart eng an ihre Partei gebunden fühlen würden wie früher. "Projektarbeit", die sich auch anderen Strömungen und Haltungen mehr öffne, solle unter ihrem Vorsitz an Bedeutung gewinnen, kündigte Frauendorfer an.

Sich mehr öffnen

"Wir werden mehr zuhören." Das habe sie aus ihrer bisherigen Stadtratsarbeit gelernt. Die Notwendigkeit, nicht nur Parteimitglieder einzubinden, stehe für sie außer Frage. "Natürlich wollen wir auch Meinung machen, damit Meinungsbildung möglich ist", sieht Frauendorfer in ihrer Strategie keinerlei Probleme. Auch Mußemann, der für sich in der Runde in Anspruch nahm, "dienstältester Funktionär" der Partei zu sein, wünscht sich "einen gewissen Neuanfang an der Basis". Angemerkt

Kommentar:

Abruptes Ende einer Karriere

Die Amberger CSU stellt die Weichen für die Kommunalwahl 2020. Wer jetzt bei den Neuwahlen in den Parteiverbänden zum Zuge kommt, der mischt dann auch vorne mit, wenn die Stadtratsliste und später die Fraktionsposten und Bürgermeister-Ämter neu zu besetzen sind. Nun zeichnet sich ab, dass der CSU-Kreisverband Michaela Frauendorfer – sie war 2014 zum ersten Mal für den Stadtrat angetreten – mit einer Schlüsselposition ausstattet.
Stefan Ott hatte den Kreisvorsitz 2015 ganz ohne Mandat übernommen. Er saß deswegen in den vergangenen Jahren auch nicht automatisch mit am Tisch, wenn die CSU-Fraktion Beschlüsse fasste. Eine ungünstige Konstellation für eine Partei, die landes- wie lokalpolitisch an mehreren Fronten kämpft. Genau jetzt wäre es an der Zeit gewesen, den 39-Jährigen sichtbar auf den Schild zu heben. Doch Ott zieht sich aus persönlichen Gründen zurück – Zäsur für die Amberger CSU und abruptes Ende einer politischen Karriere.

Uli Piehler

Bericht über den Rückzug von Stefan Ott

Amberg
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