31.07.2019 - 09:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Daniel Francis: Vom braven Kinderstar zum bunten Großstadtkünstler

Neuer Stil, neues Ich, gleiche Vision: Daniel Francis will sich durch seine Musik selbst verwirklichen. Vor 16 Jahren gewann er die Show „Star Search“. Von dem kleinen Jungen mit runder Brille ist heute nichts mehr zu sehen.

Daniel Francis ist Vollblutmusiker, Visionär und hat ein Ziel: Er will sich musikalisch immer treu bleiben.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Der heute 28-Jährige mit bürgerlichem Namen Daniel Siegert aus Hahnbach, hat sich in Berlin musikalisch neu entdeckt. Ein Weg, der nicht immer leicht ist, wie er im Interview erzählt.

ONETZ: 2003 änderte sich Ihr Leben schlagartig: berühmt mit nur 12 Jahren. Können Sie sich heute noch mit dem Jungen von damals identifizieren?

Ich werde oft gefragt, ob es mich nervt, auf die Zeit bei „Star Search“ angesprochen zu werden. Nein, absolut nicht. Diese Erfahrung gehört zu meinem Leben, genauso wie mein 12-jähriges Ich. Meine Auftritte vor diesem riesigen Publikum, die Unterstützung, das hat mich extrem geprägt. Natürlich habe ich mich verändert – es liegen 16 Jahre dazwischen, aber meine Vergangenheit gehört zu mir. Und auch heute kann ich mich noch mit dem 12-jährigen Jungen von damals identifizieren, weil er damals genau das gemacht hat, was ihn glücklich gemacht hat. Und das mache ich heute auch.

ONETZ: War der Sieg rückblickend eher Sprungbrett oder Hindernis für Ihre heutige Karriere?

Auf jeden Fall eine Zeit, die mich sehr geprägt hat und an die ich gerne denke. Ich habe die Auftritte genossen. Es war auch meine Entscheidung, an der Castingshow teilzunehmen, nicht die meiner Eltern. „Star Search“ war damals das erste Format, in dem auch Kinder auftreten durften. Uns war allen nicht klar, wie erfolgreich es wird. Das war aber auch das Schöne daran. Und mit dem Geld, dass ich verdient habe, konnte ich später meine Musik finanzieren. Ich bereue diese Erfahrung nicht.

ONETZ: Nach dem ersten Hype, mehreren CD-Veröffentlichungen und Ihrem Soloalbum "Lucky Star" ist es ruhig um Sie geworden ...

Ich habe mein Abi am Max-Reger-Gymnasium in Amberg gemacht. Nebenbei war ich mit meiner Band „New Years Launch“ unterwegs. Für mich stand immer fest, dass ich die Schule beenden werde. Anschließend habe ich ein Studium in Regensburg angefangen, da aber gemerkt, dass mich die Musik nicht loslässt. Ich habe angefangen, eigene Songs zu schreiben, meine eigene Musik zu machen.

ONETZ: Vor fünf Jahren kam er Schritt nach Berlin …

Nachdem ich gemerkt habe, dass das Studium nichts für mich ist, wollte ich eine Freundin, die ich durch die Musik kennengelernt hatte, für ein halbes Jahr in Berlin besuchen. Ja … daraus sind inzwischen fünf Jahre geworden. Und so schnell will ich hier auch nicht mehr weg – auch wegen der vielen musikalischen Möglichkeiten.

ONETZ: Immer wieder haben Sie Angebote von großen Plattenlabels bekommen und abgelehnt Warum?

Nach meiner Zusammenarbeit mit einem Produzenten aus London bin ich auf Berliner Plattenfirmen zugegangen und dachte – vielleicht ein wenig naiv -, dass sie meine Musik veröffentlichen würden. Das hätten sie auch, nur nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sie fanden mich als Typ gut, meine Stimme gut. Aber sie wollten mich in die Mark-Forster-Richtung drängen, wollten, dass ich auf Deutsch singe. Ich wollte aber nicht der 500. Forster-Hybrid werden. Deshalb habe ich immer wieder abgelehnt. An eine Begegnung erinnere ich mich noch gut. Ein Plattenboss sagte zu mir: „Es passt alles gut, aber du solltest darüber nachdenken, dir deine Nase operieren zu lassen“. Damit hatte sich das auch für mich erledigt. Ich wollte mein Ding machen.

Hier findet ihr die Songs von Daniel Francis

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ONETZ: Deshalb haben Sie Ihr Debütalbum „Freedom & Danger“ jetzt selbst auf die Beine gestellt …

… und das war nicht leicht. Bringen Plattenfirmen Newcomer an den Start, steckt da viel Geld dahinter. Sie können die Künstler pushen, bekannt machen. Das kann ich als unabhängiger Künstler nicht leisten. Deshalb bin ich umso stolzer, dass mein Album so geworden ist, wie es jetzt ist.

ONETZ: Was erwartet Ihre Fans auf Ihrem Album, das am 20. September veröffentlicht wird?

Zehn Songs, die ich alle selbst geschrieben habe – Text und Musik. Dabei hatte ich Hilfe von zwei Produzenten. In meinen Texten verarbeite ich Erlebnisse, Eindrücke, Gefühle. Nehmen wir zum Beispiel das Lied „Rumors“, also Gerüchte. Als ich 2018 meine erste Single „High“ veröffentlichte, gab es neben viel tollem und unterstützendem Feedback auch böse und negative Reaktionen darauf, viele Hasskommentare im Internet. Ich tanze im Video im Kunstfell mit zwei Männern, darauf haben die bösen Stimmen abgezielt. Dieses negative Thema habe ich genommen und es für mich zu etwas Positiven verarbeitet. Deshalb ist die Grundmessage des Lieds: Ist mir doch egal, was ihr sagt. Ich steh darüber.“ Ich wollte mit dem Album zeigen, wie vielseitig englischsprachige Popmusik sein kann – von Partyliedern über Elektropop bis hin zu emotionalen Stücken.

ONETZ: Aus Daniel Siegert aus Hahnbach wurde Daniel Francis aus Berlin. Warum der neue Name?

Nach meinem Sieg bei „Star Search“ war ich nur unter Daniel bekannt. Außer in der Oberpfalz, da war ich „Daniel Siegert aus Hahnbach“. Doch jetzt will ich internationale Popmusik machen. Da passt Daniel Siegert nicht. Ich wollte trotzdem, dass es ein Name ist, der mich wiederspiegelt. Da mein zweiter Vorname Franz ist und auch mein Papa so heißt, ist es Francis geworden. Warum einen Künstlernamen ausdenken, wenn auch das Naheliegende gut klingt? Und mein Papa hat sich sehr darüber gefreut.

ONETZ: 2018 erschien Ihre Single „High“. Im Musikvideo ist von dem kleinen Jungen auf der Star Search-Bühne nichts mehr zu sehen. Wie waren die Reaktionen Ihrer Freunde, Familie und Fans?

Meine Familienmitglieder sind meine größten Fans. Sie finden toll, was ich mache. Auch aus der alten Heimat habe ich viel Zuspruch bekommen. Viele hat das Musikvideo und der Sound im ersten Moment sicher geschockt. Denn es hat eine klare Botschaft: „In your Face. Vor allem die Szene mit den halbnackten Männern, mit denen ich tanze. Für mich ist das total normal, und das wollte ich mit dem Video zeigen. Dass das absolut normal ist.

ONETZ: Ist so ein großer Erfolg wie 2003 noch einmal realistisch?

Das ist schwer zu sagen, aber auch nicht mein Ziel. Viele denken, dass ich unbedingt an den Erfolg von damals anknüpfen will. Mir ist aber wichtiger, dass mich mein Album, meine Musik, als den Künstler wiederspiegelt, der ich bin. Mein Album habe ich selbst finanziert. Ginge es mir nur um Erfolg, hätte ich bei einer der großen Plattenfirmen unterschrieben und würde jetzt als Daniel Siegert vielleicht Schlager machen. Dieser Weg wäre viel leichter gewesen. Mir geht es nicht darum, Millionen zu verdienen. Ich will ich selbst bleiben. Alles andere wird sich zeigen.

ONETZ: Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken könnten, wo wollen Sie Daniel Francis sehen?

Weiterhin mit eigener Musik, eigenen Texten und eigener Vision – genau das, was ich aktuell auch mache. Allerdings wünsche ich mir, dass die Resonanz größer wird, mehr Leute auf meine Musik aufmerksam werden. Es ist schwer, wenn man keine Plattform wie das Fernsehen hat. Die Lieder kommen gut an, nur wissen zu wenige Menschen, dass es sie überhaupt gibt. Vielleicht wird doch noch jemand von einem großen Plattenlabel auf mich aufmerksam – bei dem ich so bleiben kann, wie ich bin.

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