26.09.2021 - 14:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Demenz darf kein Tabu mehr sein

Allein in Bayern leben derzeit etwa 240.000 Menschen mit Demenz. Tendenz steigend. Um auf ihr Schicksal und die Krankheit aufmerksam zu machen, gab es im Freistaat die Demenzwoche. Auch in Amberg. Der Heimat des Landesamtes für Pflege.

Maria Kammermeier von der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz erklärt, wie wichtig Verständnis im Umgang mit Menschen mit Demenz ist.
von Externer BeitragProfil

Die Isolation ist eines der größten Probleme für Menschen mit Demenz – und vor allem auch für die Angehörigen. „Oft merken Menschen mit Demenz, dass sie auffallen und ziehen sich deswegen zurück“, erklärte Maria Kammermeier von der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz bei einer Demenzpartnerschulung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bayerischen Landesamtes für Pflege (LfP) im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche. „Und vielen Angehörigen ist es peinlich, in der Öffentlichkeit aufzufallen. Deshalb gehen die Menschen gar nicht mehr raus.“

Wie die Umwelt möglichst gut auf Menschen mit Demenz reagieren sollte, darin schulen Maria Kammermeier und ihre Kollegen bei der Alzheimer Gesellschaft immer wieder Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Banken, Apotheken und im Nahverkehr – und jetzt eben auch im LfP. „Nur die wenigsten Menschen mit Demenz wohnen im Heim“, sagte die Referentin. „Je mehr die Alltagsfähigkeiten und -fertigkeiten bei den Betroffenen abnehmen, desto auffälliger werden sie im Alltag. Und mit diesen ‚Auffälligkeiten‘ müssen wir Mitmenschen umgehen lernen.“

"Menschen Sicherheit geben"

Wichtig sei es vor allem, die Betroffenen nicht in ihrem Verhalten zu korrigieren. Das lasse die Situation meist eskalieren. „Besser ist es, den Menschen Sicherheit zu geben, möglichst normal mit ihnen umzugehen und zu schauen, welche Motivation hinter dem Verhalten steht. Verständnis ist ganz wichtig.“ Im Gespräch sollte man einfache, kurze Sätze verwenden, mit Körpersprache unterstützen und vor allem auch den Leuten Zeit geben, zu antworten. „Für Angehörige ist eine Demenz in der Familie extrem anstrengend. Deshalb sollten sie keine Scheu haben, sich Hilfe zu holen: Unterstützungsangebote nutzen, vielleicht eine Selbsthilfegruppe besuchen und Kontakte pflegen, damit Angehörige und Betroffene weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.“

Teilhabe für Menschen mit Demenz ist auch beim ALIA-Projekt (Agil leben im Alter) in Weiherhammer oberste Priorität: die Menschen nicht ausschließen, sondern ins gesellschaftliche Leben holen. Wie das funktionieren soll, haben die Verantwortlichen bei einem Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion im LfP erklärt. ALIA wird von der Gemeinde, der LUCE Stiftung, SEGA e. V. und verschiedenen Experten getragen und ist ein Modellprojekt für eine generationenfreundliche Gemeinde mit besonderem Augenmerk auf die Lebensqualität von Menschen im Alter und deren pflegenden Angehörigen.

"Irgendwann einfach überrollt"

Kern des Ganzen ist ein spezielles Bebauungskonzept, bei dem Wohnen, Hilfe und Pflege unter einem Dach vereint sind: Platz für Demenz-WGs, ein Café, barrierefreie Einkaufsmöglichkeiten, aber auch ein Kindergarten sind geplant, bei der Architektur wurde besonderer Wert auf Demenzfreundlichkeit gelegt. Bürgermeister Ludwig Biller (Weiherhammer) steht voll hinter ALIA, denn wer nicht für die Zukunft vorsorgt, werde irgendwann einfach überrollt.

Projekte wie ALIA können vom Freistaat gefördert werden. Und zwar durch die Förderrichtlinie PflegesoNah. Welche Voraussetzungen die Projekte dafür erfüllen müssen, wie die Förderung aussehen kann und welche Antragsfristen es gibt, erklärte anschließend Kristina Stauber vom LfP, deren Referat für die PflegesoNah-Förderung zuständig ist. Alle Informationen zu dieser Fördermöglichkeit und die nötigen Kontaktdaten finden Interessierte auch im Internet unter www.lfp.bayern.de.

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