Amberg
19.03.2020 - 17:19 Uhr

Diebe stehlen Klopapier und Desinfektionsmittel

Ob Klopapier aus den öffentlichen Toiletten oder Schutzmasken und Desinfektionsmittel aus dem Klinikum - in Amberg gibt es derzeit etliche dreiste Diebe. Betrüger nutzen die Coronakrise zudem für eine neue Masche.

Die Apotheken dürfen über einen befristeten Zeitraum Desinfektionsmittel nach einer Rezeptur der Weltgesundheitsorganisation herstellen. Apotheker Nicolas Strobl tut das in seinem Labor. Bild: exb
Die Apotheken dürfen über einen befristeten Zeitraum Desinfektionsmittel nach einer Rezeptur der Weltgesundheitsorganisation herstellen. Apotheker Nicolas Strobl tut das in seinem Labor.

Apotheker Nicolas Strobl ist sauer. Am Montag zogen Betrügerinnen in Aschach (Gemeinde Freudenberg) von Haus zu Haus und versuchten Desinfektionsmittel zu verkaufen, das sie tags zuvor in der St.-Marien-Apotheke erworben hatten. Die zwei Frauen (20 und 22 Jahre alt) gaben sich als Mitarbeiter selbiger oder wahlweise als Angehörige einer christlichen Gemeinde aus Nürnberg aus. Eine 41-Jährige wurde angesichts der unseriösen Angebote stutzig und verständigte die Polizei. Tatsächlich war die Fahndung von Beamten wenig später erfolgreich. Am Kaiser-Ludwig-Ring stoppten sie ein Auto, in dem sie die beiden Damen und 20 Flaschen Desinfektionsmittel à 200 Milliliter vorfanden.

Polizei sucht Zeugen:

Desinfektionsmittel sind aktuell sehr gefragt. Diesen Umstand wollten eine 20- und eine 22-jährige Frau für sich nutzen und die Flaschen an den Haustüren verkaufen. Die beiden Damen flogen aber auf und erhalten eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen die Gewerbeordnung. Außerdem droht eine weitere wegen versuchten Betrugs. Die Polizei sucht deshalb vor allem Zeugen, die Auskunft darüber geben, ob die zwei Frauen Preise für die Desinfektionsmittel genannt haben. Hinweise unter 09621/8900.

Flaschen sind Mangelware

Dank einer Sondergenehmigung der Regierung dürfen Apotheken befristet Desinfektionsmittel nach einer Rezeptur der Weltgesundheitsorganisation herstellen, erklärt Apotheker Strobl. "Grundsätzlich gut gedacht von der Politik, aber mittlerweile gibt es kaum noch genug Inhaltsstoffe zur Herstellung der Lösung. Auch Flaschen sind deutschlandweit Mangelware." Gerade vor diesem Hintergrund ärgert sich Strobl so über die Betrügerinnen. Er betont aber auch: "Wir stellen in unserem Labor für die vier Käfer-Apotheken große Mengen her und haben ausreichen Desinfektionsmittel, um fast alle Kundennachfragen zu bedienen."

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Oberpfalz04.03.2020

Klinikum greift durch

Trotzdem bekommt auch das Klinikum die dreisten Auswüchse zu spüren. Von den Toiletten und Putzwagen verschwanden immer wieder Desinfektionsmittel. Das Krankenhaus reagierte. In den Toiletten gibt es jetzt nur noch antiseptische Seife. "Laut Hygieneabteilung ist das ausreichend", erklärt der stellvertretende Vorstand Hubert Graf. Reinigungskräfte verstauen die Desinfektionsmittel diebessicher.

Schutzmasken macht das Krankenhaus mittlerweile auch nicht mehr öffentlich zugänglich. Hier hatte die Einrichtung ebenfalls immer wieder mit Dieben zu kämpfen. Hinzu kommt laut dem stellvertretenden Vorstand: "Bei den Schutzmasken ist der Nachschub sehr, sehr schleppend." Wie lange der Vorrat reicht, sei auch davon abhängig, wie sich die Patienten-Situation im Krankenhaus entwickelt. Weitere Lieferungen seien zwar zugesagt, trotzdem gehe man sehr sparsam mit den Materialien um. Was die Schutzkleidung betreffe, habe man einen relativ guten Bestand. Dieben drohen die Klinikums-Verantwortlichen, künftig eine Strafanzeige zu stellen.

Unmut herrscht auch bei der Stadt-Pressesprecherin Susanne Schwab. Sie berichtet, dass in der öffentliche Toilette die Edelstahlbehälter aufgehebelt und die Klopapierrollen gestohlen worden seien.

Unbekannte hebelten mehrere Edelstahlbehälter auf der öffentlichen Toilette auf und stahlen das Klopapier. Bild: Stephan Huber
Unbekannte hebelten mehrere Edelstahlbehälter auf der öffentlichen Toilette auf und stahlen das Klopapier.
 
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