08.07.2019 - 17:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Drei Graffiti-Sprayer verurteilt

Die Polizei hat dutzende Tatorte in Amberg in den Akten. Mit immer gleichen Fotos: besprühte Wände und hässliche schwarze "Malereien" an Fassaden. Sie hätten das "cool gefunden", sagen die wegen der langen Graffiti-Serie Angeklagten.

Die Graffiti-Hinterlassenschaften der drei Angeklagten im Maltesergarten.
von Autor HWOProfil

Drei Männer auf der Anklagebank vor dem Jugendschöffengericht. Einer, 21 Jahre alt, und an 44 Tatorten mit dabei. Einem 17-Jährigen werden 28 Fälle zugerechnet. Der dritte Beschuldigte, 22 Jahre alt, war nur drei Mal auf nächtlicher Tour. Aber er brachte Vorstrafen mit.

Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Peter Jung hatte zunächst sieben Prozesstage angesetzt. Doch dann war die Verhandlung bereits nach fast sieben Stunden beendet. Zu Beginn gab es ein Rechtsgespräch zwischen den Richtern, den Verteidigern und der Staatsanwältin. Das Ergebnis: Für umfassende Geständnisse wurden dem Haupttäter eine Haftstrafe zur Bewährung und seinen beiden "Mitläufern" sogenannte Zuchtmittel nach dem Jugendstrafrecht zugesichert.

Über ihre Verteidiger Mike Thümmler, Carl-Heinz Müller und Narine Schulz räumten die Beschuldigten ihre Täterschaft ein. In den dann folgenden Stunden wurde deutlich, wo sich die jungen Männer über viele Wochen des vergangenen Jahres hinweg "künstlerisch" ausgetobt hatten.

Ein kleinerer Auszug aus der langen Liste: Maltesergarten, Landratsamtsgebäude, Haus- und Gartenmauern an der Langen Gasse, der Regensburger Straße, der Ziegelgasse, der Löffelgasse, der Unteren und Oberen Nabburger Straße. Bis alles aufgezählt war, verging eine halbe Stunde. Dann mussten sich die Richter einen dicken Band mit Fotos anschauen. Fast immer das gleiche Bild: ein mit schwarzer Schrift aufgebrachter sogenannter Tag, der die Initialen "LSK" enthielt.

Dieser "Tag" (die Polizei identifizierte ihn als "LSK") tauchte bei den Schmierereien immer wieder auf.

Manchmal mit schwarzem Edding-Stift verursacht, großteils aber mit Spraydosen. Die waren aus einem Baumarkt geklaut worden.

Warum gingen die drei auf Tour? Zwei sagten, sie hätten es "cool gefunden". Der Hauptverantwortliche für die Schmierereien ließ über seine Anwältin Narine Schulz geltend machen, er habe schon von klein auf Krankheiten hinnehmen müssen, "die zu Persönlichkeitsstörungen führten". Die Richter hörten ferner: "Er reflektierte nicht, was er da machte."

Die Urteile waren auf die einzelnen Beschuldigten zugeschnitten. Der Haupttäter erhielt sechs Monate Jugendhaft mit Bewährung. Er muss 50 Arbeitsstunden ableisten und sich, weil auch den Drogen zugeneigt, in eine therapeutische Behandlung begeben. Sein 18-jähriger Begleiter hat 100 gemeinnützige Stunden zu erbringen.

Obwohl er nur drei Mal an Tatorten dabei war, muss der dritte Angeklagte (22) in einen Freizeitarrest. Außerdem packte ihn, der als einziger Geld durch Arbeit verdient, das Gericht am Portemonnaie: Jeweils 900 Euro muss der junge Mann an die Stadt Amberg und an den Landkreis Amberg-Sulzbach zur Schadensbehebung zahlen.

Im Prozessverlauf hatten die Männer ihren Willen zur Wiedergutmachung betont. Sie legten teilweise auch schriftlich abgefasste Entschuldigungen bei Geschädigten vor. Doch manche Hausbesitzer werden auf ihren Schäden wohl sitzen bleiben. "Die Renovierungkosten gehen in die Tausende", vermutete Richter Jung. Eine genaue Hochrechnung lag allerdings nicht vor.

Kommentar:

Hirnverbrannte Hieroglyphen

Lassen wir den Richter reden. „Jeder kann sich betätigen, wie er will“, sagt er und fügt hinzu: „Aber es kann nicht sein, dass andere dabei geschädigt werden.“ Man könnte nun auch noch hergehen und das Sprichwort von der Narrenhand bemühen, die Tisch und Wand verunstaltet.
Das sei schon irgendwie cool, haben zwei der drei Angeklagten geäußert. Die Frage muss erlaubt sein: Was ist, wie es so schön neudeutsch heißt, cool daran, wenn jemand durch die Stadt zieht, wirre Botschaften durch fette farbige Hieroglyphen hinterlässt und sich nichts um den Schaden schert, den andere haben? Nach dem Motto: „Beseitigt das mal auf euere Kosten, Leute – wenn alles weg ist, kommen wir wieder!“
Die illegalen Graffiti-Schmierereien müssen, bei allem Verständnis für junge Leute, schlichtweg als hirnverbrannt bezeichnet werden. Von daher sind auch die verhängten Urteile sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack. Aber das Jugendstrafrecht fußt auf erzieherischen Grundlagen.
Da könnte man sich seitens der Justiz auch zu der Order durchringen: „Ihr habt es gemacht. Also geht hin und schafft Ordnung.“ Material und Zeit wären in diesem Fall mitzubringen.

Wolfgang Houschka

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