21.12.2018 - 16:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Drei Litauer müssen doch hinter Gitter

Auftraggeber und Drahtzieher sind sie nach richterlicher Meinung nicht. Wohl aber Handlanger und Mitwisser. Deswegen müssen drei Männer aus Litauen ins Gefängnis - zwischen dreieinhalb und knapp vier Jahren. Einer darf in Drogentherapie.

Eine Aufnahme vom Gericht am ersten Verhandlungstag.
von Autor HWOProfil

Sechs Tage Prozess vor dem Landgericht und fortwährend das Gefühl, dass da drei Leute saßen, die im Hintergrund alle Fäden zogen, als am 31. Juli letzten Jahres der Juwelier Ioannis Tsavaris und seine Frau Evi an der Unteren Nabburger Straße überfallen wurden. Die eigentlichen Täter sitzen seit heuer hinter Gittern. Und das großteils für sehr lange Zeit.

Nun waren da ihre drei Begleiter, die sie seinerzeit nach Amberg brachten. Ihre Rollen konnten nicht schlüssig geklärt werden. Erst ganz zum Schluss brachen sie ihr Schweigen und gaben zumindest zu, mit in Amberg gewesen zu sein und von Überfallplänen gewusst zu haben. Doch reichte das für den Nachweis, dass da Drahtzieher und Anstifter auf der Anklagebank saßen? Bandenchefs und skrupellose Verbrecher? Es reichte nicht. So wurde dann aus der unmittelbaren Mittäterschaft bei einem besonders schweren Raub samt gefährlicher Körperverletzungen am Ehepaar Tsavaris eine Beihilfe.

Die Erste Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Roswitha Stöber befand sich auf einem glatten Parkett, das bei generellem Schweigen der Beschuldigten womöglich zu einem Freispruch hätte führen können. Also boten die Richter an, es womöglich bei einem Straftatenbestand der Beihilfe belassen zu können. Ein Schachzug, der sie heraus brachte aus einer Lage, die bei Freisprüchen zu völligem Unverständnis in der Öffentlichkeit hätte führen können. Denn unstrittig war: Da kamen sechs Litauer angereist, die Ungutes im Schilde führten.

"Bloß hingebracht"

In ihrem Plädoyer verlangte Staatsanwältin Jennifer Jäger wegen Beihilfe zum besonders schweren Raub Haftstrafen zwischen dreieinhalb und vier Jahren für die drei mit nach Amberg gekommenen Begleiter. Das hielten die Verteidiger Gérald Esswein (Osnabrück), Jörg Jendricke (Amberg) und Mindaugas Jacinevicius (Berlin) für überzogen. "Der Tatbeitrag beschränkte sich auf das bloße Hinbringen nach Amberg", meinte Jendricke, und Jacinevicius wollte sogar den Haftbefehl für seinen Mandanten sofort außer Vollzug gesetzt sehen. Konkrete Anträge zu Strafhöhen stellten die Anwälte nicht.

Die Strafkammer hob alle erlassenen Haftbefehle nicht auf. Sie verurteilte zwei der Litauer (29 und 33) zu drei Jahren und zehn Monaten, schickte den dritten (29) für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Einem Angeklagten wurde wegen seiner Drogenabhängigkeit gestattet, in eine Therapie zu gehen. In ihrer Begründung schilderte die Richterin die schwierige Beweislage und die Wankelmütigkeit eines bei Tsavaris als Räuber aufgetretenen 20-Jährigen. Der habe seine Landsleute erst heftig belastet, um dann zurückzurudern.

Nur Beihilfe erwiesen

Mit Blick auf die Angeklagten sagte die Richterin: "Sie haben die Räuber nach Amberg gebracht, sie wussten vom geplanten Überfall und den dazu vorgesehenen Waffen." Mehr aber als diese Beihilfe zum Raub könne nicht nachgewiesen werden.

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